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„Granny-Nav“: Neues System soll es Älteren ermöglichen, länger Auto zu fahren

Mit 80 freiwillig den Führerschein abgeben? Das ist künftig vielleicht nicht mehr nötig: Wissenschaftler entwickeln eine Technologie, die Stresspegel, Konzentration und Fahrgewohnheiten analysiert – Ziel: Senioren sollen möglichst lange mobil bleiben können.

Im Auto

Der hier gezeigte Herr am Steuer ist 89 Jahre alt (Foto: dpa)

(pte/RP) – Vergangene Woche löste der Hamburger Innensenator Michael Neumann (SPD) eine Debatte aus, nachdem er einen Gesundheitscheck für Autofahrer gefordert hatte – und damit vor allem auf die älteren Semester am Steuer zielte.

Doch die sind möglicherweise besser als ihr Ruf, wie die Allianz-Versicherung bereits 2008 in einer Studie feststellte: Demnach sind ältere Verkehrsteilnehmer nicht häufiger Unfallverursacher als Fahrer jüngeren Alters. Dagegen sind ältere Menschen aber überdurchschnittlich häufig Opfer von außer Kontrolle geratenen Autos. Weniger als 11 Prozent aller Unfälle würden durch Senioren verursacht.

9,5 Millionen Autofahrer über 65

Bei den im Straßenverkehr Getöteten dagegen ist ihre Zahl höher als ihr Anteil an der Bevölkerung. 23 Prozent aller Verkehrsunfalltoten sind über 65 Jahre alt. Vor allem als Fußgänger, Fahrradfahrer und als Pkw-Mitfahrer seien Senioren weit mehr als doppelt so gefährdet wie jüngere Verkehrsteilnehmer.

Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes gab es Anfang 2011 insgesamt etwas mehr als 50 Millionen Führerscheinbesitzer, davon waren gut 9,5 Millionen älter als 65 Jahre.

Mobilität im Alter erhalten

Wissenschaftler der Newcastle University entwickeln derzeit eine neue Technologie, die älteren Fahrzeugführern ermöglichen soll, länger am Straßenverkehr teilzunehmen. Viele Menschen fahren nicht mehr, weil sich ihre Reaktionen verlangsamt haben. Das bedeutet aber auch, dass sie isolierter und weniger aktiv leben können. Eine Entwicklung des Teams ist ein „Granny-Nav“, ein Navigationsgerät, das die sicherste Strecke erkennt. Damit soll die Lebensqualität verbessert werden.

Für das Projekt wurde ein Elektroauto in ein mobiles Labor umgewandelt. Das „DriveLAB“ verfügt über Navigationsinstrumente, Nachtsichtsysteme und Vorrichtungen für eine intelligente Geschwindigkeitsanpassung. Es überwacht Konzentration, Stresswerte und Fahrgewohnheiten mittels Brillen, die Augenbewegungen erkennen und auch worin Stesspunkte für ältere Fahrer bestehen.

Bis jetzt haben 20 Autofahrer über 80 Jahren aus dem Nordosten Englands und Schottlands das DriveLAB auf der Straße getestet. Die Wissenschaftler entwickelten ein maßgeschneidertes Navigationsgerät, da die befragten Verkehrsteilnehmer betonten, dass das einfache Finden eines Weges für ein sicheres Fahrgefühl von großer Bedeutung ist. Viele vermeiden es nach rechts (in Deutschland natürlich: links) abzubiegen, da sie sich nicht sicher genug fühlen, um die Geschwindigkeit des entgegenkommenden Verkehrs zu beurteilen.

Zusätzlich werden Bilder von lokalen Sehenswürdigkeiten als Wegweiser für das Fahren in unbekannten Gegenden eingesetzt. Laut Phil Blythe ist es für viele ältere Menschen, vor allem aber für jene, die in ländlichen Regionen leben, von entscheidender Bedeutung, dass sie selbst mobil sind. Dadurch bleiben sie unabhängig und können selbst bestimmen, wann sie wohin fahren wollen.

Geschwindigkeit beibehalten

„Das ganze Leben der Menschen basiert auf dem Autofahren, darauf mobil zu sein. Wir versuchen Wege zu finden, dass auch ältere Menschen länger sicher Fahrzeuge lenken können.“ Amy Guo, die die Studie mit den älteren Fahrern leitet, betonte, dass die Studie einige überraschende Ergebnisse erbracht hat. „Die meisten von uns würden erwarten, dass ältere Fahrer immer langsamer als alle anderen fahren. Es zeigte sich aber, dass es für sie schwer ist, konstant eine geringe Geschwindigkeit einzuhalten“, so Guo.

Aus diesem Grund überschreiten viele das Tempolimit und bekommen eine Verkehrsstrafe. Daher untersuchen die Forscher ein System, das die Geschwindigkeit kontrolliert. Geklärt werden soll auch die Frage, ob es sinnvoller ist, Informationen auf der Windschutzscheibe und nicht auf dem Armaturenbrett anzuzeigen. Laut Blythe sind Fahrzeughersteller an den neuen Entwicklungen bereits interessiert.

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