11 Dinge, die Sie unbedingt wissen sollten, wenn Sie einem Blindenführhund begegnen

Unwissen oder Ignoranz von Passanten führen oft dazu, dass sehbehinderte Menschen in Schwierigkeiten geraten.

Der blinde Matthias Groß aus Berlin mit seiner Hündin Bonja, die rund 30 Kommandos beherrscht – wenn man sie nicht ablenkt. (Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa)

Der blinde Matthias Groß aus Berlin mit seiner Hündin Bonja, die rund 30 Kommandos beherrscht – wenn man sie nicht ablenkt. (Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa)

Blindenführhunde vollbringen außerordentliche Leistungen, zu denen nur ausgeglichene, lernfreudige und gutmütige Hunde fähig sind. Nach gründlicher Ausbildung und Einarbeitung geben diese „Hilfsmittel mit Seele“ blinden und hochgradig sehbehinderten Menschen ein hohes Maß an Eigenständigkeit, bringen sie sicher ans gewünschte Ziel und sind ihnen ein guter Freund. Die vierbeinigen Begleiter, denen ihre Halterinnen und Halter ihr Leben anvertrauen, umgehen Hindernisse, zeigen einmündende Straßen an und erleichtern die oft gefahrenvolle Straßenüberquerung.

Sie suchen auf entsprechende Hörzeichen verschiedenste Objekte wie Fußgängerüberwege, Treppen und Türen, führen zu häufig angelaufenen Orten und vieles mehr. Da alle Besitzer eines Blindenführhundes auf die Hilfe ihres tierischen Assistenten angewiesen sind, begleitet er sie überall hin. Ob beim Einkaufen, bei Arztbesuchen, im Krankenhaus, in öffentlichen Gebäuden, auf Reisen oder bei kulturellen Veranstaltungen – immer sind die Leistungen eines Führhundes nötig. Generelles Hundeverbot gilt deshalb nicht für Führhunde.

Wie fast alle Hunde lieben Blindenführhunde Beschäftigung und arbeiten gern. Sie genießen den besonders engen Kontakt zu ihrer Bezugsperson sowie zu anderen Menschen und können sich in ihrer Freizeit und im Spiel entspannen. Damit haben sie ein erfülltes und artgerechtes Leben. Als Ausgleich für die anspruchsvolle Arbeit, die der Führhund verrichtet, hat er das Recht, auf kommunalen Flächen frei zu laufen, selbst wenn das anderen Hunden ausdrücklich untersagt ist.

Den Blindenführhund im Dienst erkennen Sie an seinem weißen Führgeschirr. Dessen Bügel ermöglicht es seinem Menschen, alle Bewegungen des Tieres zu bemerken und jeden Richtungswechsel sicher mitzumachen. Unangeleint trägt der Führhund eine sogenannte Kenndecke mit Blindenführhund-Abzeichen. Dann hat er Freizeit und kann auch gern mit anderen freundlichen Hunden spielen.

Bitte achten Sie, auch wenn Sie kein Hundefreund sind, die Leistungen dieser Tiere und deren unschätzbaren Wert für ihre Halterinnen und Halter.

ROLLINGPLANET nennt zwölf Punkte, die der Arbeitskreis der Blindenführhundhalterinnen und Blindenführhundhalter im Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband e. V zusammengestellt hat, damit Sie blinde Menschen und ihre Blindenführhunde nicht in Schwierigkeiten bringen.

1. Nicht ablenken

Behindern Sie den Führhund nicht bei seiner konzentrierten Arbeit durch Anstarren, Ansprechen, Streicheln oder Füttern. Locken Sie ihn nicht an, denn er muss unbedingt bei seinem Halter oder seiner Halterin bleiben. Vermeiden Sie, dass andere Hunde dem Führgespann – Mensch und Tier – zu nahe kommen, da sie ebenfalls die anstrengende Assistenz stören und dem Führhund während seines Dienstes keine Sozialkontakte erlaubt sind.

Führen Sie deshalb Ihren eigenen Hund an der Leine und umgehen Sie zügig und mit ausreichendem Abstand das Führgespann.

2. Nicht anfassen

Sprechen Sie den Halter an, wenn Sie Hilfe anbieten wollen. Unvermitteltes Berühren oder Greifen nach Führbügel oder Halsband wirken verunsichernd.

3. Auf die Ampelstellung hinweisen

Sagen Sie dem blinden oder sehbehinderten Fußgänger, wenn es an der Verkehrsampel grün wird. Der Führhund kann sie nicht deuten.

4. Rolltreppen meiden

Weisen Sie dem Halter eines Blindenführhundes den Weg zu einer normalen Treppe, wenn er danach fragt. Führhunde dürfen keine Rolltreppen anlaufen, da sie sich dort die Pfoten verletzen könnten.

5. In Verkehrsmitteln Platz lassen

Gewähren Sie dem Blindenführhund in Bus und Bahn etwas Freiraum. Bedrängte Hunde verlieren ihre Sicherheit und ihre Konzentration.

6. Den Weg freigeben

Erleichtern Sie Führhunden das Führen, indem Sie ausweichen.

7. Umsichtig parken

Parken Sie so, dass das Führgespann auf dem Gehweg noch vorankommt und nicht an Straßenübergängen oder im Einmündungsbereich von Straßen. Das erleichtert blinden und sehbehinderten Menschen die Orientierung und macht die Straßenüberquerung sicherer.

8. Hindernisse vermeiden

Sorgen Sie dafür, dass Barrieren wie überhängende Zweige oder Mülltonnen den Gehweg nicht versperren und ein ausreichend breiter und hoher Durchgang bleibt. Sonst muss der Führhund auf die Fahrbahn ausweichen, was die Halterin bzw. den Halter und andere Verkehrsteilnehmer gefährdet.

9. Verletzungen ausschließen

Werfen Sie nichts auf den Gehweg oder die Fahrbahn, das die Hundpfoten verletzen könnte, und entfernen Sie gegebenenfalls derartige Dinge rasch und vollständig.

10. Nicht erschrecken

Ängstigen Sie den Führhund nicht durch laute Geräusche von Feuerwerkskörpern, Spielzeugpistolen oder ähnlichem. Dies könnte seine Diensttauglichkeit gefährden.

11. Zutritt gewähren

Blinde oder sehbehinderte Menschen sind auf ihre Führhunde angewiesen. Ermöglichen Sie ihnen mit ihren Führhunden den Zutritt auch dort, wo Hunde sonst nicht zugelassen sind. Beziehungsweise zeigen Sie Verständnis, dass Sie an solchen Orten gelegentlich Blindenführhunde antreffen. Wie ROLLINGPLANET dokumentierte, gibt es immer noch Supermärkte, die blinde Menschen mit ihren Führhunden rausschmeißen wie beispielsweise Netto oder Penny – oftmals ermöglicht durch Mitbürger/innen, die unbeteiligt wegschauen. Wird einem Halter oder einer Halterin eines Assistenzhundes der Zutritt verweigert, setzen Sie sich ein und mischen Sie sich ein: Machen Sie alle Beteiligten darauf aufmerksam, dass blinden und sehbehinderten Menschen mit Führhund ein barrierefreier Zutritt zusteht.

Haben Sie es gewusst?
Vor 100 Jahren – im Oktober 1916 – übergab der Deutsche Verein für Sanitätshunde den ersten systematisch ausgebildeten Blindenführhund an den Kriegsblinden Paul Feyen. Anlässlich des Jubiläums weist die Informationskampagne „Woche des Sehens“ derzeit darauf hin, wie man durch umsichtiges Verhalten Blindenführhunde und ihre Halter unterstützen kann.

(RP/PM)

Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

3 Kommentare

  • Matthias Doellert

    Ich vermisse Punkt 3. Absicht oder Fehler?
    Ansonsten ein toller Artikel. Danke für die Aufklärung und die Erweiterung des Horizonts.

    13. Oktober 2016 at 18:59
    • ROLLINGPLANET
      ROLLINGPLANET

      Vielen Dank. Dass Punkt 3 fehlte war keine Absicht, sondern ein peinlicher Fehler unserer Redaktion. Wir haben die Nummerierung korrigiert.

      13. Oktober 2016 at 19:21

KOMMENTAR SCHREIBEN