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12. SightCity mit über 4.000 Besuchern

Bei Europas größter Hilfsmittelmesse für Sehbehinderte und Blinde waren vor allem Angebote zur mobilen Kommunikation gefragt.

Auf der Ausstellung konnten die Besucher viele Geräte direkt testen. (Foto: Kerstin Philipp/SightCity)

Auf der Ausstellung konnten die Besucher viele Geräte direkt testen. (Foto: Kerstin Philipp/SightCity)

Mit einem Simulator den Alltag mit einem Blindenhund ausprobieren oder auf tastbaren Plänen ganze Gebäude und Städte erkunden – vom 14. bis 16. Mai konnten sich auf der SightCity sehbehinderte und blinde Menschen über viele praktische Hilfsmittel informieren. Mehr als 4.000 Besucher kamen zu der Ausstellung im Frankfurter Sheraton-Hotel, die an allen Messetagen auch ein vielseitiges Vortrags- und Weiterbildungsprogramm bot.

Rund 130 Aussteller aus mehr als 20 Ländern präsentierten auf zwei Ebenen ihre Hilfsangebote – und bewiesen wieder einmal, dass die Branche weitaus mehr zu bieten hat als allein den klassischen Blinden-Langstock. Den Alltag erleichtern zum Beispiel Spezialuhren oder Küchenwaagen mit Sprachausgabe, elektronische Lupen oder Barcode-Scanner, die etwa im Supermarkt Informationen über Produkte, Zutaten und Preise liefern.

Mit speziellen Etikettier-Systemen können Gegenstände auch selbst markiert und mit Informationen versehen werden. Angaben wie die Haltbarkeit von Lebensmitteln oder Name und Liedtitel einer Musik-CD lassen sich einfach mit einem Gerät aufsprechen und werden anschließend beim Scannen des Etiketts vorgesprochen. Daneben präsentierten Arbeitsplatzausstatter und Anbieter von Speziallampen, Blindschirmlesegeräten und Vergrößerungssoftware ihre Produkte, und Ausbildungszentren, Reiseunternehmen und Verbände stellten ihre Angebote für Sehbehinderte und Blinde vor.

Kleine Alltagshelfer

Besonders gefragt waren auf der SightCity Informationen rund um die mobile Kommunikation. Denn Smartphones, Tablet-PCs und Co bieten Sehbehinderten und Blinden immer bessere Hilfen für Alltag und Beruf. Eigentlich würde man meinen, die „Wischtechnik“ der Geräte mache eine Bedienung ohne Sehkraft unmöglich. Dass Sehbehinderte und Blinde die Vorteile der Geräte trotzdem nutzen können, wird durch Sprachsysteme wie „Voice Over“ bei Mac-Geräten ermöglicht. Sobald ein Finger über einen Menüpunkt geht, liest eine Stimme diesen vor. Damit steht eine Vielzahl von hilfreichen Funktionen zur Verfügung.

Die Nutzer können sich zum Beispiel Texte oder fotografierte Straßenschilder vorlesen lassen. Für Sehbehinderte sind auch klein gedruckte Texte dank Vergrößerungs- und Kontrasteinstellungen kein Problem. Die Navigationsfunktion und Apps, mit denen auf Routen Erkennungspunkte vorab markiert werden können und später vom Gerät signalisiert werden, verhelfen außerdem zu mehr Mobilität.

Fortbildung für Fachleute und Betroffene

Fachreferenten hielten im SightCity Forum an allen Messetagen Vorträge zu Forschung, Ausbildung und unterstützenden Hilfsangeboten. (Foto:  Kerstin Philipp/SightCity)

Fachreferenten hielten im SightCity Forum an allen Messetagen Vorträge zu Forschung, Ausbildung und unterstützenden Hilfsangeboten. (Foto: Kerstin Philipp/SightCity)

Neben der Ausstellung bot das SightCity Forum weitere Informationen zu Hilfsangeboten. Das Vortrags- und Weiterbildungsprogramm stellte viele unterschiedliche Bereiche der medizinischen und optischen Versorgung sowie der Rehabilitation vor. Patientensymposien informierten zu Krankheitsbildern wie der Altersabhängigen Makuladegeneration (AMD), Glaukom und Netzhauterkrankungen. Der Workshop „Mit ANDEREN AUGEN durch den Alltag“, der mit Unterstützung von Bayer HealthCare Deutschland stattfand, sprach speziell Fachangestellte aus Augenarztpraxen und Universitätsaugenkliniken an, die im Umgang mit Sehbehinderten und Blinden geschult werden wollten.

Außerdem informierten Selbsthilfegruppen und Reha-Einrichtungen sowie Berufsbildungswerke und Berufsförderungswerke über ihre Angebote. Das SightCity Forum wird organisiert vom Aachener Centrum für Technologietransfer in der Ophthalmologie e. V. (ACTO) in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. (DBSV) und PRO RETINA Deutschland e. V. sowie den Berufsbildungswerken und Berufsförderungswerken.

Archivfoto von der SightCity im vergangenen Jahr: Die blinde Künstlerin Silja Korn aus Berlin vor ihren Bildern (Foto: Korn)

Archivfoto von der SightCity im vergangenen Jahr: Die blinde Künstlerin Silja Korn aus Berlin vor ihren Bildern (Foto: Korn)

Neben der Fachmesse machte die blinde Malerin Silja Korn für die Besucher Kunst „begreifbar“: In einer „Kunstmeile“ stellte sie wie schon im Vorjahr ihre Bilder aus, die sie mit verschiedenen Materialien ertastbar macht. Künstler, die Interesse haben, in den nächsten Jahren auf der SightCity ihre Werke zu präsentieren, können sich jetzt schon an das Organisationsteam wenden unter der E-Mail: [email protected]. Neben Malereien sind auch andere Kunstdarbietungen – außer musikalische Vorführungen – möglich.

Zusätzlich zur Hilfsmittelberatung auf der Messe konnten sich Interessierte mit medizinischen Fragen an eine Telefon-Hotline wenden. Die Hotline ist auch nach der Messe noch bis Donnerstag, 22. Mai von 10 bis 16 Uhr erreichbar unter der Telefonnummer 0241/870018.

„Die SightCity bot somit ihren Besuchern wieder viele Möglichkeiten, um mit nationalen und internationalen Herstellern, Verbänden, Beratern und Medizinern ins Gespräch zu kommen“, erklärt Ingrid Merkl von der Firma Metec AG, Leiterin des Organisationsteams der Messe. „Auch 2015 wird es wieder ein umfassendes Programm mit interessanten Ausstellern geben. Wir freuen uns schon auf tolle Messetage!“

(PM)

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