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12. Sommerblut: Kunst und Kultur von/mit Menschen mit Behinderung inklusive

Das Kölner Festival zeigt „Art Blind“, das Theaterstück „Orpheus“, Ausstellungen und Filme, in denen es um uns geht, ohne dass dabei ständig Inklusion gebrüllt wird.

Blind Art - Barbara Romain: "Bad eye on the good Foot"

Blind Art – Barbara Romain: „Bad eye on the good Foot“

Heutzutage muss nur einmal jemand über die Bühne humpeln, und schon haben wir ein inklusives Event. Viele von uns können den inzwischen inflationär benutzten Begriff Inklusion nicht mehr hören – wie beispielsweise Angelika Mincke, die bei dem i-Wort zusammenzuckt: Das echte Leiden einer echten Rollstuhlfahrerin. Angelika kann sich bei dem folgenden Bericht entspannt zurücklehnen.

Das Schöne: Sommerblut ist keine „inklusive“ Veranstaltung, sondern eine „multipolarkulturelle“, bei der es nicht vorrangig um Menschen mit Behinderung geht – aber sie dennoch mitmachen lässt. Ganz inklusive und selbstverständlich, ohne fettes Behinderten- und Inklusionslabel. Im Gegenteil: Das übergreifende Thema von Sommerblut heißt in diesem Jahr „Flucht“. Seit Donnerstag und bis 26. Mai 2013 präsentiert sich das 12. Sommerblut in Köln als eines der größten Festivals der freien Szene mit Theater, Musik und Kunst.

Art Blind in der Kunst

Wie arbeitet eine blinde Bildhauerin? Wie malt ein blinder Maler? Mit solchen Fragen beschäftigt sich ab Freitag, 17. Mai 2013, die Ausstellung „Art Blind“, die auch nach Ende des Festivals noch bis zum 16. Juni 2013 im Kölner Stapelhaus (Frankenwerft 35) zu sehen ist.

Blinde Kunst ist eine Ausdrucksform, die bisher in der Kunst weitgehend vernachlässigt wird. „Art Blind“ des Bundesverbands Bildender KünstlerInnen NRW e.V. zeigt in dieser Form zum ersten Mal Zeichnungen, Malerei, Bildhauerei und Installationskunst von 16 blinden und sehbehinderten Künstlern und setzt sich damit sowohl mit den Produktions- als auch mit den Rezeptionsbedingungen von blinder Kunst auseinander.

Haptisch und visuell erfahrbar

Die Ausstellung ist haptisch und visuell erfahrbar. Bis auf wenige Ausnahmen können die Werke berührt werden. Für die blinden Besucher gibt es Audiodeskriptionen der ausgestellten Kunstwerke. In einer Tastgalerie werden für die sehenden Besucher fünf Objekte durch einen Sichtschutz verdeckt. In der Wand befinden sich verdeckte Greiflöcher, durch die man mit seinen Händen die Skulpturen dahinter ertasten kann.

Die ausstellenden Künstler sind Jonathan Huxley, Rolf Birge, Lynn Cox, Haldor Dungall, Marian Edwards, Sanja Falisevac, Karla Fassbender, Michael Gerdsmann, George Kabel, Günter Kamolz, José Graña Moreira, Tim Oegema, Gaetano Ribaudo, Barbara Romain, Eckhard Seltmann und Flavio Titolo. Die Künstler kommen aus Deutschland, Kroatien, Niederlande, Island, Italien, Schweden, Großbritannien, Spanien und den USA.
Ein begleitendes Rahmenprogramm bietet Workshops, Performances sowie Blinden- und Gebärdensprachführungen.

Bei einem Symposium werden die Themen Kunstwahrnehmung, Kunstschaffen, nicht-visuelle Kunst sowie die Möglichkeiten blinder und sehbehinderter Künstler für und während des Kunststudiums diskutiert. Schirmherr ist Professor Anthony Cragg, Rektor der Kunstakademie Düsseldorf.

Noch mehr inklusive Kultur

Blaumeier Atelier: "Orpheus"

Blaumeier Atelier: „Orpheus“

Weitere Veranstaltungen auf der 12. Sommerblut, bei denen Menschen mit Behinderung im Mittelpunkt stehen, sind unter anderem das inklusive Filmfestival der Aktion Mensch („Die Kunst sich die Schuhe zu binden“, „Deaf Jam“, „Rachels Weg – Aus dem Leben eienr Sexarbeiterin“, „Blind“), die Aktion „Gemeinsam gegen Brustkrebs“ und das Theaterstück „Staying alive“ über Organtransplantationen.

Am Montag (13. Mai 2013) zeigt die Gold-Krämer-Stiftung im Studio DuMont (Breite Straße 80) Plakate aus einem Wettbewerb zum Thema Inklusion. Das Theaterstück „Orpheus“ des Blaumeier Ateliers (Sonntag, 19. Mai 2013) erzählt nicht nur von Orpheus und Eurydike, sondern auch davon, wie 14 SchauspielerInnen mit und ohne Behinderung schnell ihre Rollen tauschen können.

Webseite: 12. Sommerblut

(RP/Aufmerksam geworden durch einen Hinweis von Friedhelm Peetz.)

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