148 deutsche Athletinnen und Athleten für die Paralympics nominiert

Markus Rehm und Marianne Buggenhagen sind die „Aushängeschilder“ – eine prominente Sportlerin fehlt. Von Frank Thomas

Pressekonferenz des Deutschen Behindertensportverbandes in Berlin (v.l.n.r.): die Pressesprecherin der Deutschen Mannschaft für die Paralympics, Marketa Marzoli, der Sprinter Heinrich Popow, der deutsche Chef de Mission Karl Quade, der Delegationsleiter Deutsche Paralympische Mannschaft, Friedhelm Julius Beucher, und die Schwimmerin Maike Naomi Schnittger (Foto: Wolfgang Kumm/dpa)

Pressekonferenz des Deutschen Behindertensportverbandes in Berlin (v.l.n.r.): die Pressesprecherin der Deutschen Mannschaft für die Paralympics, Marketa Marzoli, der Sprinter Heinrich Popow, der deutsche Chef de Mission Karl Quade, der Delegationsleiter Deutsche Paralympische Mannschaft, Friedhelm Julius Beucher, und die Schwimmerin Maike Naomi Schnittger (Foto: Wolfgang Kumm/dpa)

Ungewissheit über den Start der Russen, Zuversicht im deutschen Team für die Paralympics in Rio. Während am Montag 148 Behindertensportler für das deutsche Team nominiert wurden, begann das Internationale Paralympische Komitee IPC seine Beratungen über einen möglichen Ausschluss Russlands. Die Exekutive des IPC werde im Laufe der Woche einen Entschluss mitteilen, erklärte der deutsche Chef der Mission Karl Quade in Berlin.

„Das IPC hat jetzt die große Chance, eine ganz wichtige Botschaft an den Sport weltweit zu senden. Ich habe die große Hoffnung, dass das IPC jetzt mit starkem Rücken und Selbstbewusstsein eine Entscheidung fällt“, sagte Friedhelm Julius Beucher, der Präsident des Deutschen Behindertensport-Verbandes DBS. Im Report von Chefermittler Richard McLaren an die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA zum Staatsdoping in Russland stehen auch 35 positive Fälle aus dem paralympischen Sport. Im Gegensatz zum Deutschen Olympischen Sportbund hatte der Deutsche Behindertensportverband die Zulassung russischer Sportler bei den Olympischen Spielen in Rio massiv kritisiert. „Das ist ein deutlicher Rückschritt in der Dopingbekämpfung und ein trauriger Tag für den gesamten Sport“, fand Beucher vergangene Woche deutliche Worte.

In einem Schreiben an die Verbände hat das IPC bereits signalisiert, den Russen für den Fall eines Ausschlusses von den Paralympics eine Einspruchsfrist von 21 Tage einzuräumen. In diesem Fall käme das IPC vor Beginn der Spiele vom 7. bis 18. September stark unter Zeitdruck.

Popow kann es nicht glauben

Gemischte Gefühle gestand Heinrich Popow, der Paralympics-Sieger von London 2012 über 100 Meter, bei diesem Thema ein. „Uns Athleten sind in dieser Frage die Hände gebunden. Wir müssen sauber unsere Leistungen bringen. Wenn die Russen ausgeschlossen werden, dann muss man sich danach auch zahlreiche andere Länder anschauen“, forderte der Leverkusener am Montag in Berlin.

„Wenn ich höre, dass man sich in amerikanischen Colleges zwei positive Fälle erlauben darf, will ich das gar nicht glauben. Auch der ARD-Bericht über die Zustände in Kenia hat mich geschockt“, sagte der 33-Jährige. Erst vor kurzem war bekannt geworden, dass ab 2012 alle Ergebnisse des Kanadiers Earle Connor, der 2008 in Peking die 100 Meter vor Popow gewonnen hatte, wegen Dopings annulliert wurden.

Trotz seiner Verletzungsprobleme in den vergangenen Jahren tritt Popow zusammen mit dem deutschen Team voller Selbstbewusstsein den Flug nach Rio an. Das Team, das in etwa so groß sein wird wie bei den Spielen 2012 in London (150 Athleten), wird am 31. August durch Bundespräsident Joachim Gauck in Frankfurt am Main verabschiedet. Das Ziel ist, die Zahl von 66 Medaillen (18/26/22) in London zu wiederholen.

Ilke Wyludda nicht nominiert

Neben 65 Athletinnen und 83 Athleten zählen drei Guides – darunter Bahnrad-Olympiasieger Stefan Nimke – und 93 Betreuer zum deutschen Paralympics-Team. Aushängeschilder der Mannschaft sind 8,00-Meter-Weitspringer Markus Rehm sowie die 63-jährige Berlinerin Marianne Buggenhagen, die bei bisher sechs Paralympics-Teilnahmen insgesamt neun Goldmedaillen im Diskuswerfen, Kugelstoßen oder Speerwerfen gewann. Die frühere Diskus-Olympiasiegerin Ilke Wyludda (Berlin) wurde aus gesundheitlichen Gründen nicht nominiert.

Die deutschen Medaillengewinner erhalten in Rio die gleichen Prämien wie die Olympia-Teilnehmer. Für Gold schüttet die Sporthilfe 20.000 Euro, für Silber 15.000 Euro und für Bronze 10.000 Euro aus.

Das deutsche Team für die Paralympics in Rio de Janeiro – alle Namen
(RP/dpa)

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