1,5 Millionen Euro mehr für Behindertensport – reicht das wirklich?

Bundesregierung beschließt zusätzliche Mittel, um professionellere Rahmenbedingungen zu fördern.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und DBS-Boss Friedhelm Julius Beucher im Oktober beim Parlamentarischen Abend des Deutschen Behindertensportverbands in Berlin. (Foto: Michael Kappeler/dpa)

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und DBS-Boss Friedhelm Julius Beucher im Oktober beim Parlamentarischen Abend des Deutschen Behindertensportverbands in Berlin. (Foto: Michael Kappeler/dpa)

In der Nacht zum heutigen Freitag wurde in der sogenannten „Bereinigungssitzung zum Bundeshaushalt 2017“ beschlossen, die Spitzensportförderung des Bundesinnenministeriums (BMI) im nächsten Jahr um 5,2 Millionen Euro zu erhöhen, darunter 1,5 Millionen Euro für den Behindertenleistungssport. Davon sind 1,25 Millionen Euro für die Etatplanung der Behindertensportverbände vorgesehen und 250.000 Euro für den Bereich Leistungssportpersonal.

„Ein zu professionalisierender Behindertenleistungssport erfordert eine finanzielle Anpassung“,

erklärte Reinhard Brandl, der zuständige Berichterstatter im Haushaltsausschuss.

Ob das reicht? Zwar sind die Fördermittel des Deutschen Behindertensportverbandes in den letzten Jahren gestiegen, derzeit erhält der Deutschen Behindertensportverband (DBS) 3,2 Millionen Euro – doch forderte der Verband bereits 2013 rund 4,6 Millionen Euro Förderung, um bei den gestiegenen internationalen Anforderungen mithalten zu können. Bei den Paralympics 2016 in Rio landete Deutschland beim Medaillenspiegel auf Platz 5. Vor drei Wochen hatte DBS-Chef Friedhelm Julius Beucher bei einer Veranstaltung mit Bundeskanzlerin Merkel die Forderung nach mehr Geld erneuert, um zusätzliche Trainer einstellen zu können.

„Eher stiefmütterlich behandelt“

Im Deutschen Behindertensportverband gibt es 44 Nationalmannschaften, aber nur sieben hauptamtliche Trainer. Der Großteil der Betreuer sind Honorarkräfte. Im Spitzensport ohne Behinderung gibt es 290 Bundestrainer, die hauptamtlich beschäftigt sind.

„Der Behindertensport wird von der Bundesregierung eher stiefmütterlich behandelt. Und auch gegenüber der sonstigen Sportförderung über den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) eindeutig benachteiligt“,

andre-hahnkritisierte im August der sportpolitische Sprecher der Linkspartei André Hahn (Foto links). „Wenn man zudem weiß, dass nur 37 Prozent der Olympiastützpunkte barrierefrei sind, dass heißt im Umkehrschluss sind das 63 Prozent eben nicht, fast zwei Drittel, wo Behinderte gar keine Zugangsmöglichkeiten haben in ausreichender Weise, dann ist das natürlich überhaupt nicht machbar für viele, diese Olympiastützpunkte zu nutzen. Und auch hier ist am Ende der Bund gefordert, die entsprechende Förderung zu gewährleisten.“

(RP)

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