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2.100 Stufen (fast) bis zu den Wolken

Der Amerikaner Zac Vawter erklimmt als erster Mensch mit einer bionischen Beinprothese den Willis Tower in Chicago. Von Michelle Janaye Nealy

Zac und Vater John Vawter freuen sich gemeinsam über den Erfolg. Der 31-Jährige hat als erster Mensch eine neural-kontrollierte Beinprothese benutzt. (Foto: AP)

Als erster Mensch mit einer bionischen Beinprothese hat der US-Bürger Zac Vawter den Willis Tower in Chicago bezwungen. 2.100 Stufen erklomm er heute – selbst normalen Zweibeinern fällt das nicht allzu leicht. Vawter nahm an der Benefizveranstaltung „SkyRise Chicago“ teil, die jedes Jahr von einem Rehabilitationszentrum organisiert wird. Er erreichte den 103. Stock des Wolkenkratzers ohne technische Schwierigkeiten.

„Alles lief großartig“, erklärte Vawter. „Die Prothese hat ihren Teil geleistet und ich meinen.“ Das künstliche Bein reagiert auf elektrische Impulse seiner Oberschenkelmuskeln. Vawter verlor sein rechtes Bein bei einem Motorradunfall und wird nun in dem Rehabilitationszentrum behandelt, das den Lauf organisiert.

Der Spurt auf den Wolkenkratzer war Teil eines Forschungsprojekts. „Wir testen das Bein unter extremen Bedingungen“, sagte die Vorsitzende des Zentrums, Joanne Smith. „Sehr wenige Patienten werden das Bein in der Zukunft für diesen Zweck nutzen. Aus dieser Sicht war die Leistung gar nicht zu messen.“

Monatelange Vorbereitung der Entwickler

Die Forscher in Chicago konzentrieren sich bei ihrer Arbeit auf die unteren Gliedmaßen. Zur Begründung erklären sie, dass es mehr Beinamputierte als Menschen ohne Arme und Hände gebe. Sie verweisen außerdem auf die möglichen Folgen eines technischen Fehlers: Versagt eine bionische Hand, lässt der Betroffene ein Glas Wasser fallen. Versagt ein bionisches Bein, stürzt er möglicherweise die Treppen hinab.

Vawter erklärte, er habe sich im Fitness-Studio auf den Lauf vorbereitet, während die Entwickler monatelang die Technik prüften und anpassten. Die Prothese wiegt etwa 4,5 Kilogramm und enthält zwei Motoren.

Markteinführung erst in einigen Jahren

Wenn Vawter Chicago verlässt, muss er das bionische Bein zurücklassen. Die Entwickler wollen die Steuerung weiter verfeinern. Mit einer Markteinführung wird erst in einigen Jahren gerechnet. Das acht Millionen Dollar teure Projekt wird finanziert vom US-Verteidigungsministerium und mehreren Universitäten.

„Viele Menschen sagen, ein Bein zu verlieren ist wie einen geliebten Menschen zu verlieren“, erklärte Vawter. „Man geht durch einen Trauerprozess. Man findet eine neue Normalität und macht weiter.“ Der Treppenlauf sei ein großes Ereignis gewesen. „Es ist nett, Teil der Forschung zu sein.“

(dapd/Michelle Janaye Nealy ist Korrespondentin der AP.)

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