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20 Jahre Dekubitus-Skandal – und warum er immer noch aktuell ist

Hamburger Rechtsmediziner deckten 1998 eine Häufung von Druckliegegeschwüren und damit gravierende Mängel in der Pflege auf.

Klaus Püschel, der Leiter des Instituts für Rechtsmedizin in Hamburg, dessen Studie zu einer Diskussion über die Qualität in der Altenpflege führte. (Foto: Christian Charisius/dpa)

Klaus Püschel, der Leiter des Instituts für Rechtsmedizin in Hamburg, dessen Studie zu einer Diskussion über die Qualität in der Altenpflege führte. (Foto: Christian Charisius/dpa)

Rechtsmediziner untersuchen jeden Toten, der verbrannt werden soll. Vor 20 Jahren deckte das Hamburger Institut für Rechtsmedizin gravierende Mängel in der Altenpflege auf – durch reguläre Leichenschauen vor der Einäscherung der Toten. Die Körper vieler alter Menschen wiesen Druckliegestellen auf, ergaben die Untersuchungen. Die Studie von 1998 hatte nach Angaben von Institutsleiter Klaus Püschel eine Verbesserung der Pflegestandards zur Folge.

Von Dekubitus oder Druckliegegeschwüren sind vor allem pflegebedürftige Menschen betroffen, die lange Zeit relativ unbeweglich im Bett verbringen müssen. Auch eine dauernd feuchte Haut infolge von Inkontinenz kann eine Rolle spielen. Ein Dekubitus beginnt mit roten schmerzhaften Flächen, die sich dunkelrot verfärben, ehe die Haut aufspringt und sich offene Geschwüre entwickeln.

Politik und Pflegequalität

Püschels Institut macht bei jedem Toten, bevor er im Hamburger Krematorium verbrannt wird, eine zweite Leichenschau. Das ist gesetzlich so vorgeschrieben. Mehr als 70 Prozent der Verstorbenen aus Hamburg und Umgebung werden eingeäschert, pro Jahr sind das rund 25.000. „Wir sehen drei Viertel der Menschen noch mal im Krematorium“, so Püschel.

Nicht selten endecken die Rechtsmediziner bei Menschen, die laut der Bescheinigung des Hausarztes etwa an einem Herzinfarkt gestorben sind, große offenen Stellen am Rücken. So ein Druckliegegeschwür könne zum Tod beigetragen haben, weil eine große offene Wunde aus verschiedenen Gründen krankmachend sei.

„Es ist ein Zeichen dafür, dass die Pflege schlecht ist“,

erklärt der Professor. Bei wirklich guter Pflege könne man Dekubitus vermeiden.

Zur Bilanz der Veränderungen nach dem sogenannten Dekubitus-Skandal will Püschel am Dienstag ein neues Buch vorstellen. Der Titel: „Mit Druck umgehen“. Die Entwicklung sei insgesamt positiv gewesen, resümiert der Rechtsmediziner. Allerdings sei die Zahl der Dekubitus-Fälle immer wieder angestiegen, wenn der politische Druck erlahmte.

(dpa/lno)

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1 Kommentar

  • Barbara Bockholt

    warum fallen Patienten im Krankenhaus aus dem Bett warum ist der Keim noch nicht entkräftet warum werden Tamponaden in Wunden bis hin zum Dekubitus nicht korrekt entfernt Mit dem warum könnte es noch weiter gehen

    1. Mai 2017 at 18:55

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