20 Prozent der Firmen in Thüringen, die Schwerbehinderte beschäftigen müssen, verweigern sich

6200 Frauen und Männer mit einer Schwerbehinderung sind in dem Bundesland arbeitslos.

Kay Senius, Chef der Thüringer Arbeitsagenturen (Foto: Jan Woitas/dpa)

Kay Senius, Chef der Thüringer Arbeitsagenturen (Foto: Jan Woitas/dpa)

In Thüringen beschäftigen 942 Unternehmen keine schwerbehinderten Menschen, obwohl sie dazu verpflichtet sind. Nach Angaben der Landesarbeitsagentur vom Montag ist das jeder fünfte Betrieb. Sie zahlten stattdessen eine Ausgleichsabgabe. Unternehmen, die mehr als 20 Mitarbeiter haben, sind laut Gesetz verpflichtet, anteilig zur Zahl ihrer Beschäftigten Schwerbehinderte einzustellen. Laut Landesarbeitsagentur kommen landesweit 3606 Betriebe dieser Pflicht nach. Weil es in Thüringen viele kleine Unternehmen gibt, müssen viele Firmen keine Menschen mit einer Behinderung anstellen.

Die Beschäftigungsquote liegt den Angaben zufolge bei 4,6 Prozent. Der bundesweite Durchschnitt beträgt 4,7 Prozent. „Das ist erst einmal ganz gut, geht aber noch besser“, erklärte der Chef der Thüringer Arbeitsagenturen, Kay Senius. „Fünf Prozent sind nun das Ziel.“ Nach seinen Angaben sind aktuell 6200 Frauen und Männer mit einer Schwerbehinderung arbeitslos. Das seien 500 weniger als 2011. Rund 45 Prozent von ihnen sind den Angaben zufolge 55 Jahre und älter. Zuletzt hatten 24 300 schwerbehinderte Menschen einen Job.

(dpa/th)

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7 Kommentare

  • Ulrich Joachim Vogel

    Das ist halt so in der Gesellschaft.

    23. Mai 2016 at 14:09
    • Andrea Bröker

      Ja und deswegen muss man es immer wieder laut verkünden, bis es endlich Normalität ist, dass Menschen mit Behinderung genauso in Arbeit sind wie Menschen ohne Behinderung.

      23. Mai 2016 at 16:15
  • Monika Schwaiger

    nicht nur in Thüringen..

    23. Mai 2016 at 16:02
    • Andrea Bröker

      Ja, leider überall!

      24. Mai 2016 at 09:51
  • Alexander Grundler

    So pauschal kann man das nicht sagen: https://www.xing.com/news/klartext/bei-uns-wird-inklusion-gelebt-668?xing_share=news

    23. Mai 2016 at 20:47
    • Monika Schwaiger

      immerhin, ein Tropfen auf dem heißen Stein..

      24. Mai 2016 at 09:53
  • dasuxullebt

    Man muss hier vor Allem Eines beachten: Unternehmen sind erstmal primär Entitäten der Profitmaximierung. Dass Manche mit sozialem Gewissen praktizieren mag ich garnicht ausschließen, aber wir leben in einem Wirtschaftssystem das Soziopathen stärkt. Ein Schwerbehinderter ist ein potentieller Kosten- und Risikofaktor.

    Aber der Staat wäre dem ja nicht hilflos ausgeliefert: Dass Unternehmen sich noch weigern Schwerbehinderte einzustellen zeigt einfach, dass der Anreiz noch nicht groß genug ist. Die einfachste Möglichkeit wäre, die Pflichtabgabe deutlich zu erhöhen. Oder sonstige Anreize zu schaffen.

    23. Mai 2016 at 21:22

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