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Was soll der Stress: Warum gestern unser Sportticker entfiel

Veröffentlicht am von in Jena, Medien, Sport 14 Kommentar(e)
Behindertensportler haben große Ansprüche, aber keine professionelle Öffentlichkeitsarbeit. ROLLINGPLANET-Redakteur Franz Schubert erleidet einen Wutanfall.

Leere Flaschen

Wie sagte Bayern-Trainer Giovanni Trapattoni in seiner legendären Rede 1998? Flasche leer! Was erlauben Struuuunz! (Foto: Lupo/pixelio.de)

Flasche leer! Die Redaktion hat gesagt, was erlauben Schuuuuuuuubert! Und dass ich eigentlich keine Leute beschimpfen darf.

Demnächst (wenn die Paralympics in London vom 29. August bis 9. September 2012 vorbei sind) wird man hinter vorgehaltener Hand wieder die Klagen der deutschen Behindertensportler und ihrer Verbände vernehmen: Unsere Leistungen werden in den Medien nicht ausreichend gewürdigt! Keiner interessiert sich für uns! Wir sind so wichtig, und niemand bemerkt es. Es ist so schwierig, Sponsoren zu finden!

Verwundert das?

Gestern besuchten über 2.700 Besucher ROLLINGPLANET. Gerne hätten wir ihnen in der neuesten Folge unseres Sporttickers unter anderem berichtet, dass Sabrina Elbe Behindertensportlerin des Jahres 2012 in Niedersachsen geworden ist. Auch manch andere Nachrichten zu den Themen Rollstuhlsport, Leichtathletik & Co. wollten wir zusammentragen.

Ich habe mir diesen Stress aber nicht angetan. Zwar gehört ROLLINGPLANET zu den wenigen Seiten, die einen umfangreichen Behindertensportteil haben, eingehende Pressemitteilungen nicht einfach unbesehen veröffentlichen und diese stattdessen gewichten, überprüfen und redigieren. Doch gestern wollten weder meine Kollegen noch ich diesen Spießrutenlauf unternehmen.

Keine oder unverständliche Presseinformationen

Unsere Erfahrungen: Der deutsche Behindertensport bietet körperliche Höchstleistungen und amateurhafte Pressearbeit. Dummerweise ist solch eine Ehe hinderlich, wenn man für sich werben will.

Nicht selten gibt es zu bestimmten Ereignissen gar keine Pressemitteilung oder erst Tage nach einem Ergebnis oder einer Medaille. Auch aus den Webseiten der beteiligten Verbände, Vereine oder Sportler werden wir oft nicht schlau – zu spät oder zu ungenau sind die Angaben. Auf viele Email-Anfragen erhalten wir keine Antwort. Die meisten Topsportler haben keinen eigenen Internetauftritt oder eine sonstige Kontaktmöglichkeit, weder bei Facebook noch twitter. Und wenn doch rechtzeitig Presseinformationen herausgeschickt werden, verstehen wir sie manchmal nicht. Hin und wieder rätselt unsere Redaktion sogar, um welche Sportart es in einer Meldung geht.

Eigentlich kennen wir nur drei Absender, über deren regelmäßigen und professionellen Sportnachrichten wir uns jedes Mal freuen (alle aus dem Bereich Rollstuhlbasketball): dies sind der ehemalige Journalist und heutige Manager Andreas Joneck (RSV Lahn-Dill/Team Germany), die Immovesta Dolphins Trier und Thomas Henkel von den Jena Caputs. Mit Basketball-Nationalspieler Andreas Kreß haben wir hingegen Mitleid: Der spielt nicht nur für die Mainhatten Skywheelers, sondern muss auch noch gleichzeitig deren Pressesprecher sein. Also so etwas, was Kicker Lothar Matthäus früher glaubte, für den FC Bayern München sein zu müssen.

Dann bleibt der Behindertensport eben exotisch

Ich bin nicht ohne Grund Fußballfan. Das Spiel verstehe sogar ich: 2 x 11 Männer oder Frauen in kurzen Hosen rennen nach einem Ball, der ins Tor muss. Wenn ich hingegen eine kryptische Mitteilung erhalte, dass (um einen anonymisierten Fall zu verwenden) der gehandicapte Sportler AB mit der Schadensklasse XF in der Disziplin FG startet, übersteigt das meine kognitiven Fähigkeiten.

Ein fiktives, aber reales Beispiel: Behindertensportler der Disziplin Dreifachamputiert unter Wasser mit einem Glasauge und einem Sportgerät XY erwarten offensichtlich, dass man sich täglich mit den Besonderheiten ihres Wettkampfes beschäftigt. Was wir nicht verstehen und wofür wir uns mangels Informationen nicht begeistern können, veröffentlichen wir nicht. Das gilt vermutlich erst recht für die professionellen Kollegen in den großen Medien, die noch weniger als wir etwas von Dreifachamputierten unter Wasser mit einem Glasauge und einem Sportgerät XY verstehen dürften.

Wer will schon Emotionen beim Sport

Unsere willkürlich herausgegriffene Meldung des DBS (zum Vergrößern anklicken): Laudatoren, Floskeln und Schicksale sind wohl wichtiger als sportliche Leistungen

Gestern sollte ich also den neuesten Sportticker von ROLLINGPLANET erstellen. Beim Deutschen Behindertensportverband (DBS) lese ich die aktuelle Nachricht: „Sabrina Elbe ist Behindertensportlerin des Jahres 2012 in Niedersachsen“. Dazu einige typische Glückwunschfloskeln. Wir erfahren, dass „nie zuvor in der langjährigen Geschichte“ der Wahl „eine Sportlerin, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hatte, die begehrte Trophäe des Bildhauers Siegfried Neuenhausen in Empfang nehmen durfte!“

Wie alt die junge Frau ist, wird nicht verraten. Sie könnte 12 Jahre alt sein oder 17. Vor allem aber: Wofür hat sie eigentlich die Auszeichnung bekommen? Dafür, dass sie Schwimmerin ist? Ist das bereits eine Sensation? Welchen Titeln oder Rekorden gilt es zu applaudieren? Oder ist es einfach nur ihr Schicksal, das wir nun bejubeln sollen? Sollten wir Behindertensportler nicht an ihren Erfolgen statt an ihrem Schicksal messen? Ist das Interesse der Medien nicht nur groß, sondern auch dauerhaft? Natürlich hätten wir im Internet recherchieren können. Oder die Pressestelle des DBS anschreiben. Haben wir aber schon mal in einer anderen Sache gemacht und warten heute noch auf eine Auskunft.

Wozu also der Stress? Von der minderjährigen Dame gibt es auch kein Bild. Dem DBS ist es offenbar nicht gelungen, ein Pressefoto aufzutreiben. Bilder sind Emotionen, und wer braucht schon große Gefühle, um unsere Athleten ins Rampenlicht zu bringen? Hat die kleine Sabrina (so hätten wir sie genannt, falls sie zwölf ist) oder Frau Elbe (17 Jahre alt) es nicht verdient, gezeigt zu werden? Wäre so etwas bei einer nichtbehinderten Sportlerin des Jahres denkbar? Scheiß egal. Der Sportticker gestern ist entfallen, das war einfach zu viel Stress.

Ich habe fertig!

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14 Kommentare

  1. Michael Ziegert27. März 2012 at 07:18Antworten

    Klasse, ab und zu muss so was mal ungefiltert raus.

    Aber wäre es nicht hilfreich, gleich einen konkreten Literatur-Tipp dazuzuschreiben? Buchtitel der Art: Pressearbeit für Dummys. Bücher oder Web-Seiten, die die 7W des Journalismus beschreiben, die Grundlagen (pardon, ich meine natürlich die viel schickeren “Basics”) von verständlicher Sprache, beispielsweise “Deutsch für Profis” etc. pp. Warum ist es Dienst am Kunden (sowohl Redaktion wie auch LeserIn), die Pressemitteilungen so professionell und verständlich zu verfassen, dass die Redaktion nur noch wenig redigieren muss? Was sind meine Ziele als PressesprecherIn?

  2. Hans Meier27. März 2012 at 08:18Antworten

    Es ist schon verdammt auffällig mit welcher Intensität Rollingplanet das Thema Behindertensport angeht, im Gegensatz zu umfassenden Themen “Behinderte und Senoiren”, wird hier nur ganz minimal das tägliche Potential ausgeschöpft! Ist Rollingplanet nur eine Seifenblase im paralympischen Jahr, welche dann nach dem
    paralympischen Jahr zerplatzen wird? ^^Na, na na … ;-)

  3. G. Henning27. März 2012 at 10:38Antworten

    Ich kann mir Ihren Stress sehr gut vorstellen, und Rollingplanet darf ruhig öfter jemand beschimpfen :-) Übrigens scheint der DBS nicht einmal zu wissen, wie die Sportlerin des Jahres heißt. Der DBS gibt den Namen in der Überschrift mit “Elbe” an und im Text mit “Elber”, was denn nun?

  4. Rollingplanet27. März 2012 at 10:47Antworten

    Lieber Herr Ziegert, gute Idee. Wir werden sie aufgreifen und demnächst auf ROLLINGPLANET entsprechende Tipps vorstellen.

  5. Kathykiss27. März 2012 at 12:08Antworten

    Was habt ihr euch da eigentlich für einen Hans Meier angelacht? Als Rollingplanet-Leserin kann ich nur sagen, der nervt doch nur. Bislang habe ich von ihn immer nur dämliche, negative oder sexistische Kommentare gelesen. Warum schaltet Ihr die eig. noch frei?

  6. Hans Meier27. März 2012 at 12:48Antworten

    Liebe Kathykiss, Küsschen zurück ^^

    Mal ein bisschen auf dem Teppich bleiben Süsse, wir leben in einer Demokratie, wo jeder, dass Recht hat seine Meinung frei zu äußern!

    Bezüglich der Ignorantin vom DBS, am besten Mal anrufen bei der Presseabteilung des DBS, kann natürlich auch sein, dass Rollingplanet noch nicht die Größe erreicht hat, welche für eine Antwort vom DBS entsprechend von Relevanz ist.

  7. Hans Meier27. März 2012 at 13:42Antworten

    Apropos DBS: Habe mir gerade mal die Webseite vom DBS angeschaut, die wimmelt voller inhaltlicher und grammatischer Fehler, für einen Behindertensportverband, welcher sich den weltgrößten nennt, ist das ein armseliges Zeugnis! Die Behindertensportler hätten bessere Pressearbeit verdient!

  8. Hans Meier27. März 2012 at 15:00Antworten

    Bezüglicher des gestrigen Besuchertraffic, von rollingplanet.net, von 2700 Besucher, liebes Rollingplante-Team, bitte bescheisst Euch doch nicht selbst, denn mit solchen Werten zu protzen, das kauft Euch eh keiner ab und das Alexa-Ranking ist kein Maßstab für eine trafficreiche Webseite ^^

    Denn liebes Teamchen: Das Alexa-Ranking kann nur bestimmt werden, durch Surfer auch die Toolbar nutzen und das Ranking von Alexa ist so leicht zu manipulieren, dass jeder Skriptkiddie das bewerkstelligen kann.

  9. Rollingplanet27. März 2012 at 16:25Antworten

    Warum sollten wir uns selbst bescheißen? Wenn wir jemand bescheißen wollten, nur andere. Wir sind aber kein kommerzielles Projekt, also gibt es weder einen Grund, uns selbst noch andere zu bescheißen. Die genannte Trafficzahl stammt nicht von Alexa, sondern von Google Analytics.

  10. Henning27. März 2012 at 17:08Antworten

    Die Kritik ist absolut berechtigt. Obwohl ich mich für Basketball sehr interessiere habe ich ewig lange suchen müssen bis ich Informationen zur Championsrunde gefunden habe und ehrlicherweise habe ich trotz diverser Quellen den Modus immer noch nicht verstanden.

  11. Tasso27. März 2012 at 18:11Antworten

    Tut mir leid aber der DBS ist doch nur peinlich.

  12. SoLid27. März 2012 at 21:58Antworten

    Statt Wutausbrüche in Kauf zu nehmen und seine Zeit in solche überheblichen Berichte zu investieren, rateich bei ernsthaftem Interesse einfach mal auf die Homepage des Verantstalters der Sportlergala und -wahl in Niedersachsen zu schauen. Das ist nämlich nicht der DBS… sondern der Behinderten-Sportverband Niedersachsen. Und auf dieser (wenn auch nicht in große Szene gesetzt) finden sich reichlich Informationen, Bilder und Stimme zur Verantstaltung…
    Sicherlich gibt es im Bereich Öffentlichkeitsarbeit jede Menge zu tun. Aber durch einen solchen unqualifizierten Bericht, wie er hier auftaucht, wird das Interesse und damit folglich auch die Professionalität im Bereich Öffentlichkeitsarbeit, die, das sollte man nicht vergessen, zu Großteilen im Behindertensport ehrenamtlich geleistet wird, bestimmt nicht besser. Geschweige denn die Motivation derjenigen, die sich Woche für Woche hinsetzen und für ihren Sport BErichte und PRessemitteilungen schreiben. Darüber solltet ihr euch mal Gedanken machen… Einen bis dato treuen Leser, seit ihr zumindest schon mal los….

  13. Rollingplanet28. März 2012 at 12:05Antworten

    Hallo SoLid, wir antworten Dir, auch wenn Du unsere Antwort leider nicht mehr lesen wirst: Wer erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit betreiben will, muss professionell sein. Da hilft es nicht, auf den ehrenamtlichen Stress oder ein gutes Anliegen zu verweisen. Genau das ist leider eines der großen Missverständnisse, die offensichtlich den Behindertensport (und Vereine nicht nur in diesem Bereich) begleiten. Wir schreiben das so hart, weil wir selbst behindert sind, ROLLINGPLANET ebenfalls ehrenamtlich machen und – wie in Deinem Fall – damit leben müssen, scharf “zurückkritisiert” zu werden. Das ist nun aber kein Grund für uns, ROLLINGPLANET einzustellen.

    Um weitere Missverständnisse auszuschließen und weil wir es – von gelegentlichen Wutausbrüchen abgesehen – konstruktiv mögen: Wir werden, wie oben erwähnt, den Vorschlag von Michael Ziegert aufgreifen und demnächst konkrete Tipps für Öffentlichkeitsarbeit im Bereich Behindertensport/-arbeit veröffentlichen. Ein von uns befragter PR-Profi hat sich freundlicherweise bereit erklärt, uns ein Manuskript zu liefern.

  14. Jörg29. März 2012 at 00:47Antworten

    Lieber Herr Schubert,
    was ich primär peinlich finde, ist, dass ein Artikel, der sich ausschließlich darin ergötzt, gegen andere zu ätzen, veröffentlicht wird. Konstruktive Kritik kann sicherlich nie schaden. Aber damit Kritik konstruktiv ist, muss sie, so finde ich, auch Stil haben. Diesen vermisse ich in Ihrem Artikel (Pamphlet wäre wohl besser) völlig.
    Insbesondere sich über die eine oder andere Person namentlich lustig zu machen, halte ich für einen seriösen Journalisten bzw. für jemanden, der sich dafür hält, für absolut unangemessen. Da erübrigt sich für mich auch eine weitere ernsthafte Auseinandersetzung mit Ihrem Artikel.
    Wünschen würde ich mir für die Zukunft einen deutlich sachlicheren Stil, um Sie und Ihre Homepage ernst nehmen zu können.

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