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Rollstuhlbasketball: Lange Nacht der Tränen. Ist Johnson noch am Leben?

Veröffentlicht am von in Hessen, Sport, Zwickau 0 Kommentare
Der RSV Lahn-Dill feiert die neunte Deutsche Meisterschaft. 1.450 Zuschauer geben Kapitän Johnson die Ehre. Und als das Wasser fließt, verdrückt sich unser sensibler Fotograf statt abzudrücken.

(aj) Tränen der Freude und der Trauer flossen am Samstagabend, als der RSV Lahn-Dill bei der obligatorischen Ehrenrunde in der heimischen August-Bebel-Sporthalle das Bad in der Menge genoss. (Das war so traurig, dass der Fotograf gar nicht hinschauen wollte und deshalb auch keine Bilder davon machte.) Tränen der Freude über den Gewinn der neunten Deutschen Meisterschaft und Tränen der Trauer über den Abschied des langjährigen Kapitäns Johnson und seiner Teamkollegen Mina Mojtahedi und Steve Serio. Sah man in die Gesichter von Fans und Spielern, war jedem Beobachter klar, dass dies einer der emotionalsten Momente in der stolzen Vereinsgeschichte der Wetzlarer Rollis war.




Wie ROLLINGPLANET bereits meldete, gelang dem RSV Lahn-Dill ein souveräner 80:45 (20:12/33:22/56:35)-Erfolg im zweiten Playoff-Endspiel. Der Sieg gegen den alten Rivalen RSC-Rollis Zwickau, der das vorzeitige Ende der „best-of-three“ Serie bedeutete, geriet angesichts der sich abspielenden Szenen fast schon zur statistischen Randnotiz.

“Joey, we will miss you!”

Es war 21:08 Uhr, als der Kanadier Johnson nach neun langen Jahren im Trikot des Weltpokalsiegers von 2010 unter stehenden Ovationen seines Publikums das Spielfeld in der August-Bebel-Sporthalle “für immer verließ”, wie es ein Sprecher des RSV ausdrückte (ROLLINGPLANET hofft natürlich, dass es nicht für immer ist). Zwickaus Urgestein Rostislav Pohlmann war einer der ersten, der sich noch auf dem Spielfeld von seinem langjährigen Gegenüber verabschiedete und dem RSV-Kapitän damit seine Ehre erwies.

Während die restlichen rund zwei Finalminuten bis zum 80:45-Endergebnis nahezu unbemerkt über die Bühne gingen, feierte das Publikum nur noch seinen scheidenden Kapitän. Ein über zehn Meter langes Transparent drückte die greifbar in der Luft liegenden Gefühle ebenso knapp wie treffend aus: „Joey, we will miss you!“ (Wir werden Dich vermissen).

Bereits zuvor genossen diese Anerkennung auch die Finnin Mina Mojtahedi und der US-Amerikaner Steve Serio, als diese ebenfalls ihren Abschied vom Heimpublikum standesgemäß zelebrieren durften.

Erstmals brandete der Jubel in der Heimstätte des RSV jedoch bereits vor Spielbeginn auf, als Kapitän Joey Johnson mit der Nummer 8 den Ort des entscheidenden Endspiels betrat und noch vor dem Hochball mit dem erstmals vergebenen MEYRA-Award für herausragende Leistungen im Rollstuhlbasketball ausgezeichnet wurde.

Wenig später merkte man aber gerade ihm an, dass der ansonsten so abgeklärte Kanadier an diesem Tag durchaus etwas nervös zu sein schien. Sein erster Korb in der fünften Spielminute der Partie bedeutete dabei zugleich das 10:4 für die mittelhessischen Hausherren, die erst nach dem 16:12 (9.) ihrem Erzrivalen aus Sachsen erstmals enteilen konnten.

Das Spiel geriet (fast) zur Nebensache

US-Pointguard Michael Paye war es, der mit einem Dreier das 25:16 (14.) erzielte und damit frühzeitig die ersten elf Punkte auf dem Weg zum Topscorer des Tages zurückgelegt hatte. Auf der Gegenseite war es sein Landsmann Bryce Doody, der immer wieder die Akzente bei den Gästen aus Zwickau setzte und diese zur Pause auf Schlagdistanz hielt.

Nach dem Seitenwechsel hatten die Sachsen dann jedoch dem druckvollen Spiel des alten und neuen Deutschen Meisters nichts mehr entgegenzusetzen. Ein 13:0-Lauf zum 46:22 (25.) und das nur eine Spielminute später folgende 52:24 zerstörte vorzeitig alle Träume auf einen Auswärtscoup und ebnete gleichzeitig den Weg zu den sich abzeichnenden Feierlichkeiten.

Während für den RSC erneut Doody mit zwei Dreiern den 35:54-Anschluss (29.) markierte, machte der nun neunfache Deutsche Meister mit einem bestens aufgelegten Michael Paye sowie zwei Treffern ebenfalls von jenseits der 6,75m-Markierung durch Nationalspielerin Gesche Schünemann und keinem anderen als Joey Johnson den Sack endgültig zu.

Was folgte, war ein nur noch von statistischer Bedeutung behafteter Schlussakkord, dem sich die offiziellen Zeremonien anschlossen.

Beide Teams werden sich schon bald wieder sehen

„Ein wirklich emotionaler Tag, bei dem meine Mannschaft zuvor einen hochkonzentrierten Auftritt aufs Parkett legte“, so RSV Meistertrainer Nicolai Zeltinger, der sich nun mit seinem Team – ebenso wie der RSC-Rollis Zwickau – auf die Champions League Endrunde im 16.000 Zuschauer fassenden Sinan Erdem Dome in Istanbul vom 4. bis 6. Mai vorbereiten muss.

Ankündigung eines Interviews

Lesen Sie in der kommenden Woche das große ROLLINGPLANET-Interview mit dem Architekten des Erfolgs: RSV Lahn-Dill-Manager Andreas Joneck packt aus – Details, die Sie garantiert noch nicht kannten.

Doch zuvor feierten Mannschaft und Fans noch bis tief in die Nacht hinein den zweiten Titelhattrick in der Vereinsgeschichte und den Abschied von den Freunden Johnson, Mojtahedi und Serio, nachdem Rollstuhlbasketball-Vizepräsident Werner Otto (Wachtberg), der Wetzlarer Bürgermeister Manfred Wagner und der RBBL-Geschäftsführer Christoph Küffner (Bayreuth) Medaillen und Meisterschaftspokal an den RSV Lahn-Dill überreichten.

Mit der Frage, wer die scheidenden Spieler in der Spielzeit 2012/2013 ersetzen soll, wollte sich an diesem emotionalen Abend in der Wetzlarer August-Bebel-Sporthalle verständlicherweise niemand befassen.

Zwickau erwies sich als fairer Verlierer: „Wir gratulieren dem RSV Lahn-Dill zum Gewinn des deutschen Meistertitels und freuen uns auf ein Wiedersehen in Istanbul“, so ein Sprecher des alten und neuen Vizemeisters, der betont: „Wir sind nach dieser langen und aufregenden Saison zweitbeste Mannschaft Deutschlands und können mit Stolz auf das Erreichte blicken.“

Lahn-Dill: Michael Paye (29/1 Dreier), Steve Serio (12), Dirk Köhler (11), Joey Johnson (9/1), Thomas Böhme (6), Jan Haller (4), Wataru Horie (4), Gesche Schünemann (3/1), David Amend (2), Thomas Gundert, Mina Mojtahedi, Marco Zwerger.

Zwickau: Bryce Doody (16/2), Adam Erben (13), Raimund Beginski (6), Rostislav Pohlmann (6), Marcin Balcerowski (2), Günther Mayer (2), Frank Oehme, Rainer Müller

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