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3. Qualitätsbericht zur Pflege: 20 Prozent aller Heimbewohner werden gefesselt

Nach fünf Jahren wurde heute in Berlin der neue Qualitätsbericht zur Pflege vorgestellt. ROLLINGPLANET nennt die wichtigsten Zahlen.

Alter Mann

(Foto: Gerd Altmann_pixelio.de)

Mehr als 140.000 Menschen in Seniorenheimen werden mit Gittern oder Gurten im Bett oder Rollstuhl festgehalten. Bei 14.000 von ihnen fehlt die dafür vorgeschriebene richterliche Anordnung. Dies sind die bitteren Zahlen, die die Krankenkassen in ihrem neuen, heute in Berlin vorgestellten Qualitätsbericht zur Pflege in Deutschland mitteilen. Zuletzt war dieser im Jahre 2007 erschienen.

Insgesamt habe sich jedoch die Qualität der Pflege in Pflegeheimen und ambulanten Pflegediensten verbessert, heißt es in einer Stellungnahme des Medizinischen Diensts (MDS) des GKV-Spitzenverbandes. Vor allem bei der Ernährung und Flüssigkeitsversorgung sowie im Umgang mit Menschen mit Demenz gebe es Fortschritte. Bei anderen Pflegeproblemen – etwa, wenn es darum geht, ein Druckgeschwür zu vermeiden – offenbarten sich jedoch noch Schwächen.

Wer ist wer?

Weil es nun gleich viele verwirrende Abkürzungen gibt, erklärt ROLLINGPLANET sie zunächst einmal: Im GKV-Spitzenverband sind 145 gesetzliche Kranken- und Pflegekassen in Deutschland vereint. Diese haben 70 Millionen Versicherte. Der GKV vertritt seine Interessen gegenüber der Politik und so genannten Leistungserbringern wie Ärzten, Apothekern oder Krankenhäusern.

Der MDS ist der Medizinische Dienst des GKV und zuständig für alle medizinischen und pflegerischen Fragen, die diesem per Gesetz zugewiesen sind. Er koordiniert überregional die Aufgaben der Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK), die auf Landesebene agieren.

Grundlage des Berichts

Seit 2008 werden die Pflegeeinrichtungen regelmäßig durch den MDK geprüft. Grundlage des aktuellen Berichts sind alle Qualitätsprüfungen, die die regionalen MDK zwischen dem 1. Juli 2009 und dem 31. Dezember 2010 durchgeführt haben. Insgesamt wurden 8.101 Qualitätsprüfungen in Pflegeheimen und 7.782 Qualitätsprüfungen in ambulanten Pflegediensten ausgewertet.

Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Pflege in Deutschland: Die Qualitätsprüfer des MDK untersuchten den Pflegezustand von rund 62.000 Pflegeheimbewohnern sowie von rund 45.000 Pflegebedürftigen, die von ambulanten Pflegediensten betreut wurden, prüften die Pflegemaßnahmen und befragten sie nach ihrer Versorgungssituation.

Zum ersten Mal ermittelt der Bericht epidemiologische Daten zur Häufigkeit wichtiger gesundheitlicher Einschränkungen von Pflegebedürftigen. Epidemiologie beschäftigt sich mit dem Zusammenhang von Ursachen und Folgen.

Das sagen die Herausgeber

“Die gute Nachricht ist, dass sich die Qualität der Pflege positiv weiterentwickelt hat. Die Pflegebedürftigen werden heute besser versorgt als noch vor einigen Jahren. Es gibt aber nach wie vor viel zu tun. Die Tatsache, dass es insgesamt besser geworden ist, heißt nicht, dass es überall gut ist”, so Gernot Kiefer, Vorstand des GKV-Spitzenverbandes.

Dr. Peter Pick, Geschäftsführer des MDS : “Unsere Auswertungen zeigen, dass sich in dieser Zeit die Qualitätssituation in der stationären wie in der ambulanten Pflege verbessert hat. Dieser erfreuliche Trend ist das Ergebnis der Qualitätsanstrengungen der Einrichtungen, aber er ist auch der Effekt der MDK-Qualitätsprüfungen und der Pflegetransparenz. Verbesserungen zeigen sich besonders bei der Ernährungs- und Flüssigkeitsversorgung und beim Umgang mit demenzkranken Menschen. Trotzdem können wir nicht zufrieden sein, weil sich bei einigen Kriterien zu wenig bewegt hat. Hier sind die Einrichtungen gefordert, ihr qualitätsgeleitetes Arbeiten auszubauen.“

“In einigen zentralen Bereichen haben wir bereits einen besseren Qualitätsstandard erreicht. Den gilt es zu sichern und weiter auszubauen”, fasst der Fachgebietsleiter Qualitätsmanagement Pflege des MDS, Jürgen Brüggemann, die Ergebnisse zusammen. “Bei der Dekubitusprophylaxe, aber auch beim Schmerz- und beim Medikamentenmanagement können und müssen die Einrichtungen ihre Qualitätsbemühungen verstärken. Das gilt auch für die Versorgung von Menschen mit Demenz. Pflegeheime müssen sich künftig noch besser als bisher auf diese Zielgruppe einstellen.”

Fakten zur Qualität in der stationären Pflege

Ernährung

  • Der Ernährungszustand war bei 95 % der untersuchten Pflegeheimbewohner angemessen.
  • Bei 5 % wurde eine defizitäre Ernährungssituation festgestellt.
  • Rund zwei Drittel (67,4 %) aller Pflegeheimbewohner benötigten Hilfe beim Essen und Trinken.
  • Vier von fünf Betroffenen (79,5 %) erhielten laut Pflege-Qualitätsbericht die erforderlichen Unterstützungsmaßnahmen: Sie wurden nach Bedarf bei der Nahrungsaufnahme unterstützt, erhielten bei Schluckstörungen speziell zubereitete Nahrung und energiereiche Speisen. Im Vergleich zu 2007 ist dies eine erhebliche Verbesserung (damals: 64,0 %)
  • Jeder fünfte Betroffene (20,5 %) erhielt bei der Nahrungsaufnahme keine ausreichende Unterstützung.
  • Ein Drittel der Pflegeheimbewohner (33,9 %), denen keine ausreichenden unterstützenden Maßnahmen zur Ernährung angeboten wurden, erlitten einen bedeutenden Gewichtsverlust.

Dekubitus

  • Knapp die Hälfte (46,9 %) der untersuchten Heimbewohner hatte ein Dekubitusrisiko.
  • Bei 59,3 % aller Heimbewohner mit Dekubitusrisiko wurden erforderliche Prophylaxen wie Lagerungswechsel oder Einsatz von Hilfsmitteln durchgeführt.
  • Bei 40,7 % aller Heimbewohner mit Dekubitusrisiko stellten die MDK-Prüfer Versäumnisse fest. Im Vergleich zum Bericht des Jahres 2007 ist bei der Dekubitusprophylaxe keine Verbesserung eingetreten.
  • 7,4 % der Pflegeheimbewohner, bei denen keine Prophylaxemaßnahmen zur Verhinderung von Druckgeschwüren durchgeführt wurden, entwickelten Druckgeschwüre.

Fakten zur Qualität in der ambulanten Pflege

Dekubitus

  • 18,2 % der Pflegebedürftigen, die die MDK-Qualitätsprüfer in ihrer Wohnung besucht haben, hatten mit dem betreuenden Pflegedienst Leistungen zur Vermeidung von Druckgeschwüren vereinbart.
  • Bei  zwei Dritteln (68,3 %) wurden die Lagerungsmaßnahmen hautschonend durchgeführt und geeignete Hilfsmittel eingesetzt .
  • Bei einem Drittel wurden die vereinbarten Leistungen nicht entsprechend den pflegerischen Standards erbracht.

Sonstiges

Insgesamt zeigten sich bei der Versorgungsqualität in der ambulanten Pflege ähnliche Trends wie im stationären Bereich: Qualitätsfortschritte gab es beispielsweise bei der Ernährung und der Inkontinenzversorgung.

Verbesserungsbedürftig ist die Versorgung von Menschen mit Demenz. In der MDK-Qualitätsprüfung wird beispielsweise erhoben, ob die Pflegedienste den Angehörigen Informationen und Hinweise zum Umgang mit demenzkranken Menschen geben und ob bei der Pflege die biografischen Besonderheiten der von Demenz betroffenen Pflegebedürftigen berücksichtigt werden. Im Ergebnis zeigte sich, dass die Pflegedienste diese Möglichkeiten zur Verbesserung der Versorgungssituation von Menschen mit Demenz nicht ausreichend nutzten.


Zum Themenschwerpunkt Pflege und Hilfe


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