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Rollator des Monats

Der ROLLator April 2012 geht an…: Thomas Hettinger

Einfach nur eine kleine Herzenstat: ROLLINGPLANET zeichnet den Polizeihauptkommissar vom Polizeipräsidium Bochum/PI 1, Leiter SD, aus.

Komissar Thomas Hettinger in seiner Uniform vor einem Polizei-Schild

Extra von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Bochum für ROLLINGPLANET fotografiert: Der noch etwas verwirrte Polizeihauptkommissar Thomas Hettinger, der noch nicht so recht weiß, wie ihm geschieht. Man bekommt ja nicht jeden Tag einen ROLLator des Monats

Die Tat ereignete sich am Samstag, 17. März 2012, in Bochum, am helllichten Tag. Ein Unbekannter schnappte sich aus der 25.000 Menschen großen Menge ein wehrloses, behindertes Mädchen, um es mitsamt des Rollstuhls in einen Bus zu stecken. Die Zeugen beschrieben den Mann als „mittelgroß, mit Bart, Knubbelnase“; weitere Angaben: kein Ausländer, „blaue Klamotten“.

Ganz offensichtlich handelte es sich nicht um einen Einzeltäter, aber um den Anführer. Er hatte augenscheinlich Komplizen, die gemeinsam mit ihm und dem Mädchen verschwanden. Wenig später tauchte die merkwürdige Gruppe einige Hundert Meter weiter wieder auf, vor der Jahrhunderthalle – erneut von zahlreichen Anwesenden beobachtet. Dann kam es zum Attentat: Als Köngin Silvia den Roten Teppich entlang marschierte, drückte das Mädchen ihr eine rote Rose in die Hand.

Bei der ROLLATOR-Premiere im vergangenen Monat erhielt Christine Haderthauer, Bayerische Staatsministerin für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen, unseren ROLLator des Monats. Mit ihrer Politik und ordentlich viel Geld bewegt sie die Welt zugunsten von behinderten Menschen. Nicht immer müssen es die großen Errungenschaften sein, die wir schön finden – ROLLINGPLANET zeichnet in diesem Monat eine kleine Geste des Herzens aus.

Bei der beschriebenen Szene handelt es sich um eine solche: Ein Polizist hatte während einer Demonstration das Mädchen, eine junge Schülerin, beobachtet, wie es an einer Absperrung sehnsüchtig nach seinem Idol, der Königin Silvia, Ausschau hielt. Diese war zur Verleihung des „Steiger Award“ angekündigt worden. Nachdem der Beamte erkannte, dass das Mädchen an seinem Platz der Königin nicht begegnen würde, organisierte er kurzerhand per Funkgespräch einen Dienstbus – und erfüllte dem Mädchen einen Traum.

Schwierige Fahndung

Wir wollten wissen, welcher Polizist das war. Es war schwierig, den Täter zu fassen. Nachdem er erfahren hatte, dass wir ihn mit dem ROLLator des Monats auszeichnen würden, entzog er sich immer wieder unserem Zugriff – offensichtlich aus Bescheidenheit. Als wir ihn endlich gestellt hatten, mussten wir ihn leider vorschriftsgemäß aufklären: „Sie können Ihre Aussage verweigern.“ Er nahm dieses Recht in Anspruch: „Ohne meinen Pressesprecher sage ich nichts.“ Er wollte uns nicht einmal seine Personalien mitteilen (Familienstand? Alter?). Immerhin fanden wir seinen Namen und seinen Dienstgrad heraus: Polizeihauptkommissar Thomas Hettinger, PP Bochum / PI 1, Leiter SD (Sicherheitsdienst).

Auf Kaution mussten wir Hettinger sogar freilassen. Als wir ihn erneut wegen eines Fotos in die Redaktion vorluden (Az: RP ROLLator 04/12), erschien er nicht – er war in den Urlaub geflüchtet. Dort packten unsere Zielfahnder dann aber eiskalt zu. Hier das Geständnis in vollem Wortlaut:

Ich bin Polizeibeamter der Bochumer Polizei und war mit meinen Kollegen anlässlich der diesjährigen Verleihung des „Steiger-Awards 2012“ am 17. März an der Jahrhunderthalle eingesetzt. Hier kam es zu der Begebenheit mit der jungen Frau im Rollstuhl.

Thomas Hettinger

Thomas Hettinger vor seiner Dienststelle (Foto: Polizeipräsidium Bochum)

Das Gelände der Bochumer Jahrhunderthalle war in diesem Jahr ausnahmsweise weitläufig abgesperrt und von Besuchern frei zu halten, da ursprünglich der Besuch des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan angedacht war.

Ich begab mich mit meinem Kollegen POK Reiss zur nördlichen Absperrung des Geländes, um dort verkehrsregelnde Maßnahmen zu treffen. Vor Ort wurden wir auf eine Personengruppe jenseits der Absperrung aufmerksam, in welcher sich Frau Julia Dworznik befand. Sie saß in ihrem Rollstuhl, an welchem ein Schwedenfähnchen befestigt war, hielt eine Rose in der Hand und freute sich auf den Besuch der schwedischen Königin. Sie hatte hier leider keinerlei Möglichkeit, auch nur einen Blick auf die Jahrhunderthalle zu werfen. Im folgenden Gespräch mit ihrer Mutter ergab sich, dass ihr und ihrer Tochter der Zugang zum Gelände durch Sperrpersonal verwehrt worden war.

Nun ist es besonders bei Großlagen erforderlich, dass strukturiert und nach Befehl gearbeitet wird. Als wir aber das traurige Gesicht der Frau Dworznik sahen und über Funk das Nahen der königlichen Limousine bekannt wurde, benötigten wir für Menschlichkeit keinen Befehl.

Ich requirierte kurzerhand einen benachbarten VW-Bulli und mein Kollege und ich beförderten die völlig verdutzte Frau Dworznik, zusammen mit ihrer Mutter, in das Fahrzeug.

Die Fahrt wurde kurz an unseren Abschnittsführer gemeldet und dann ging es ab zum roten Teppich. Gerade noch rechtzeitig trafen wir hier ein, um der jungen Frau ihren Traum zu ermöglichen. Die schwedische Königin war gerade im Begriff, die Jahrhunderthalle zu betreten, als wir sie durch Zuruf auf uns aufmerksam machten. Dieses vernahm Königin Silvia und begab sich umgehend zu uns. Hier begrüßte sie Frau Dworznik herzlich, schüttelte ihr die Hand und wechselt ein paar nette Worte mit ihr. Frau Dworznik überreichte der Königin ihre mitgebrachte Rose.

Dafür wurden wir mit dem glücklichsten Menschen des ganzen Einsatzes belohnt. Wir freuten uns sehr, der jungen Frau einen Wunsch erfüllt zu haben und nahmen dann wieder unseren Einsatz wahr. Für uns war diese Hilfeleistung eigentlich nicht sonderlich erwähnenswert, wir haben lediglich für den Bürger gehandelt. Getreu dem Motto: “Dein Freund und Helfer“.

Wenn diese Tat jedoch einer Anerkennung wert sein sollte, bin ich gerne bereit, diese stellvertretend für die Kollegen der Bochumer Polizei entgegen zu nehmen.

ROLLINGPLANET bedankt sich herzlich und überreicht hiermit Thomas Hettinger den ROLLator des Monats März 2012. In der Urteilsbegründung heißt es: Gute Menschen erkennt man nicht an ihren Uniformen, sondern an ihren Taten.


Jeden Monat zeichnet ROLLINGPLANET einen Menschen, der sich besondere Verdienste um behinderte Menschen oder Senioren erworben haben, mit dem ROLLator des Monats aus. Zeitgleich geht der RollaTOR des Monats an jemanden, der etwas gesagt oder getan hat, worauf wir gerne verzichtet hätten.

Hinweis für blinde Menschen »

Möglicherweise gibt Ihre Software diesen Text nicht so wieder, wie wir es gerne hätten. Deswegen erklären wir ihn kurz: Der Rollator des Monats wird an einen positiven und einen negativen Preisträger verliehen. Im positiven Fall ist das Wortteil ROLL groß geschrieben, im negativen Fall das Wortteil TOR.

Alle Gewinner auf einen Blick


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5 Kommentare

  1. Claus25. April 2012 at 12:48Antworten

    Das finde ich gut, das rollingplanet auch solche Dinge auszeichnet ! Ich wohne im 6.stock, als einmal der Fahrstuhl kaputt war. Nachdem der Notdienst für den fahrstuhl auch nach einer stunde nicht da war, Wusste ich mir nicht mehr weiterzuhelfen außer die Polizei zu rufen.Zwei Polizisten haben mich dann mit meinem Rollstuhl hochgetragen,das war ein irres gefühl, weil ich dabei immer die Pistolen im blick hatte. Die beiden waren natürlich fix und fertig, als ich oben war. Ich habe heute noch ein richtig schlechtes Gewissen, wenn ich daran denke. Aber das “Beste” kam dann am nächsten Tag. Der Fahrstuhl war immer noch nicht repariert, und ich musste dringend meine Wohnung verlassen. Ich habe also wieder die Polizei gerufen und musste lachen, als ich die Tür aufmachte. Diesmal waren sie zu viert gekommen! Schön,das ich auf diese Weise nochmal der Polizei danken kann !

  2. Steffi25. April 2012 at 12:55Antworten

    Super Polizist, super Aktion!

  3. Tina25. April 2012 at 14:38Antworten

    So einen Teddybären mit “Knubbelnase” hätte ich auch gerne! Bei uns laufen nur junge grimmige Polizisten rum

  4. Name20. Oktober 2012 at 10:29Antworten

    “Die Tat ereignete sich am Samstag, 17. März 2012, in Düsseldorf”
    “Wenig später tauchte die merkwürdige Gruppe einige Hundert Meter weiter wieder auf, vor der Jahrhunderthalle” (in Bochum…)

    Wie soll das denn gehen? Also wenn schon in diesem möchtegern-ironischen Stil geschrieben wird, sollten die Fakten stimmen.. Düsseldorf? Bochum?

    • Rollingplanet20. Oktober 2012 at 12:39Antworten

      Da hat sich ein Fehler lange gehalten, vielen Dank für den Hinweis. Wir haben die Angabe korrigiert: Bochum muss es heißen.

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