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Wenn schon sterben, dann modern: Grabsteine gibt es jetzt auch mit QR-Code

Zu viel Arbeit, zu wenig Sex: Wir glauben nicht, dass ROLLINGPLANET sehr alt wird. Deswegen haben wir schon mal unsere Abschiedsbotschaft verschlüsselt.

Unser digitaler Grabstein als QR-Code

(pte/RP) – Eigentlich wollten wir auf ROLLINGPLANET schon seit längerem QR-Codes einsetzen. Allein deshalb, weil wir dann einen Zettel auf unsere Webseite hätten kleben können: „Deutschlands modernstes Magazin für behinderte Menschen jetzt noch moderner.“ Bisher haben wir davon Abstand genommen, weil wir nicht wissen, welchen Nutzwert das für unsere User haben könnte. In unserer Verzweiflung fragten wir sogar unsere blinden Autoren, ob wir denen nicht einen Vorteil mit unserem QR-Code unterjubeln könnten. Klappte nicht, denen fiel dazu leider auch nichts ein. Vielleicht haben Sie ja eine Idee?

QR steht für das englische „Quick Response“ („schnelle Antwort“) und ist ein zweidimensionaler Code, der bereits 1994 in Japan entwickelt wurde. Dort sind die Dinger richtig erfolgreich – gerade in der Werbung, wo selten ein QR-Code auf Plakaten fehlen darf. In Deutschland hat sich die Technologie noch nicht sehr durchgesetzt, obwohl man sie nun zunehmend auch bei uns sieht. QR-Codes sind super einfach gemacht, zum Beispiel geht man auf die Seite qrcode.kaywa.com, gibt seinen gewünschten Text oder seine Webseite an und lässt sich eine Grafik erzeugen.

Unser Vorschlag für den Europäischen Protesttag

"Du Blödmann…" als QR-Code

Diese lässt sich dann beispielsweise an die Tür des Autors kleben oder auf sein T-Shirt oder auf seine Visitenkarte drucken. So könnte man etwa am 5. Mai, zum Europäischen Protesttag für die Rechte behinderter Menschen, auf diese schön bunten, aber viel zu intellektuellen Aktion Mensch-Aufsteller verzichten und statt dessen mit der Botschaft (siehe Bild links) herumlaufen/rollen: „Du Blödmann! Einen QR-Code kannst du entziffern, aber von Behindertenrechten verstehst du nix.“

Die Geschäftsidee

Der in Deutschland ansässige Steinmetz Timothy Vincent bietet neuerdings Grabsteine mit eingearbeitetem QR-Code an, wie “DerWesten” berichtet. Die quadratischen Embleme können, ähnlich wie Barcodes, mithilfe eines modernen Mobiltelefons eingescannt werden. Dadurch öffnet der mobile Browser dann automatisch eine Internetseite, auf der die Hinterbliebenen die Erinnerung an einen Verstorbenen lebendig halten können. Vincent ist davon überzeugt, dass sich die internetfähigen Grabsteine in Zukunft durchsetzen werden. Wir glauben das eher nicht – aber als Marketing-Gag taugt der Vorstoß sicherlich. Unsere Schlagzeile hat Herr Vincent jedenfalls schon mal.

Der moderne Online-Altar

“Die neuen Medien bringen neue Möglichkeiten, die uns vielleicht anfangs seltsam erscheinen. Ich sehe nicht, was an solchen Grabsteinen schädlich sein soll. Jeder soll selbst entscheiden, ob er die Technik will. Einen Kulturverfall sehe ich jedenfalls nicht”, sagt Christine Pernlochner-Kügler, Chefredakteurin des Trauerportals Aspetos. Die Intention hinter der Idee ist, den Menschen mit einem digitalen Schrein die Trauerarbeit zu erleichtern.

“Früher wurde Trauer durch Loslassen bewältigt. Heute wird versucht, den Verlust ins Leben zu integrieren. Die Hinterbliebenen geben den Verstorbenen einen neuen Platz in der Erinnerung. Das Zusammenstellen solcher Rückblenden ist im Internet oft einfacher”, so Pernlochner-Kügler.

Was sich hinter dem QR-Code befindet, können die Angehörigen frei entscheiden. Von der einfachen Namensnennung mit Sterbedatum bis zu umfangreichen Sammlungen von Fotos, Videos und Musik, die mit dem Verblichenen in Zusammenhang steht, ist alles möglich.

In Zukunft normal…?

Für Vincent eröffnet der Internet-Grabstein angeblich völlig neue Möglichkeiten. Er glaubt, dass die Internet-Hinterlassenschaft Kommunikationsanreize für Leute bietet, auch für solche, die den Verstorbenen nicht direkt kannten. Auch einige Kirchenvertreter hätten sich schon positiv zum Potenzial der Idee geäußert (bestimmt die, die an ihrer Kirche den Zettel hängen haben „ Deutschlands modernste Kirche jetzt noch moderner“).

Allerdings gebe es Sorgen in Bezug auf die Angemessenheit solcher Netz-Schreine. Einen vollständigen Umstieg auf QR-Grabsteine will die Kirche auch nicht, da ohne Inschriften Trauernde ohne Technik-Wissen ausgeschlossen würden. Also nichts mit Teilhabe.

“Ich kann mir gut vorstellen, dass sich solche Grabsteine zum Trend entwickeln, allerdings sind wir davon noch weit entfernt. Die jüngere Generation, deren Sozialverhalten von sozialen Medien geprägt ist, wird das als etwas ganz normales erleben. Aber auch die über 40-Jährigen tasten sich an das Thema heran. Die Möglichkeiten online Kerzen zu entzünden, Kondolenzen zu hinterlassen oder Profile für Dahingeschiedene einzurichten wird auf unserer Plattform schon eifrig genutzt”, erklärt Pernlochner-Kügler.

Der ROLLINGPLANET Grabstein

Weil ROLLINGPLANET vermutlich bald den Lebensgeist aufgeben wird, haben wir unseren QR-Grabstein schon einmal produziert. Als hartgesottenen Internetbesucher wird es Ihnen schwer fallen, um uns zu trauern. Um Ihnen dennoch die Teilhabe an der Trauerarbeit zu ermöglichen, nennen wir Ihnen nun eine Internetadresse, auf der Sie lesen können, was auf unserer Ruhestätte stehen wird (einfach das Bild oben auf Ihren Rechner ziehen und damit die folgende Webseite füttern): zxing.org/w/decode.jspx

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