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Wo kommen denn all die kleinen Pukys her?

Nicht der Storch bringt sie, sondern jedes Jahr entstehen 50.000 dieser Kinderfahrräder in Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM).

Der Puky Wutsch kostet um die 50 Euro

Dies berichtet die „Financial Times Deutschland“ (FTD) und bemerkt: „Die Fahrräder und Roller von Puky entstehen komplett in Deutschland. Lukrativ ist das deshalb, weil die Montage ausgelagert wird: an Behindertenwerkstätten.“

Das Unternehmen aus Wülfrath, einem Ort in Nordrhein-Westfalen mit 21.000 Einwohnern, bietet fast 40 Modelle in acht Produktgruppen an. Rund 50.000 Räder und Roller verkaufte der Mittelständler vergangenes Jahr, dazu etliches Zubehör. Sein geschätzter Jahresumsatz liegt bei gut 30 Mio. Euro.

„In der Fahrradindustrie ist Puky ein Sonderfall“, schreibt FTD: „Während andere deutsche Hersteller wegen des steigenden Kostendrucks längst in Asien fertigen lassen, halten die Wülfrather an ihrem Standort unweit von Wuppertal fest“ – möglich wird dies, weil die Räder in rund zehn Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) aus der Region montiert werden. 600 Mitarbeiter mit Handicap schrauben und bauen zusammen.

Ist das moralisch in Ordnung?

“Wir sehen die Werkstätten als verlängerte Werkbank”, zitiert die Zeitung Ralf Puslat, einen der beiden Geschäftsführer von Puky. Denn die Auftragnehmer arbeiteten für deutlich geringere Löhne. Nicht nur die Räumlichkeiten, auch die Betreuer für die Behinderten würden von der öffentlichen Hand finanziert. Das spart.

Bernd Halfar, der an der Universität Eichstätt Management in sozialen Einrichtungen lehrt, findet das okay: “Die Werkstätten sind der einzige Bereich auf dem Arbeitsmarkt, in dem Niedriglöhne akzeptiert und akzeptabel sind, daher sind sie gegenüber ausländischer Konkurrenz wettbewerbsfähig.”

Ausführlicher Bericht: Financial Times Deutschland


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1 Kommentar

  1. Helge Blankenstein11. Mai 2012 at 13:50Antworten

    Es wird Zeit, sozialintelligentes Management umzusetzen. Aussagen wie die des Herrn Prof. Halfar von der katholischen Universität Eichstätt würden dann der Vergangenheit angehören.
    Wer sich die Mühe macht und den Bericht komplett zu lesen, der erkennt den ganzen Zynismus aller Projektbeteiligter. Die Aussage von Prof. Dr. Bernd Halfar (katholische Universität Eichstätt)“ Die Werkstätten sind der einzige Bereiche, auf dem Arbeitsmarkt, in dem Niedriglöhne akzeptiert und akzeptabel sind.“, erscheint da noch am unverfänglichsten. Dennoch stellt sich die Frage, ob sich die katholische Kirche vor den Karren der Ausbeutung „Behinderter Menschen“ spannen darf oder sollte.
    Ebenso die Aussagen des Geschäftsführers Ralf Puslat. Er verzichtet, vermutlich aus schlechtem Gewissen, die tatsächlichen Umsatzzahlen offenzulegen. Er steht an vorderster Stelle, geht es um Erniedrigungen. Der gute Mann verkauft produktionstechnische Abläufe, wie sie in jeder Produktion stattfinden, als besondere Herausforderung. Verschweigt mal eben dass er selbst dafür Steuergelder bekommt. Dann mal hier etwas Steuererlass, mal dort auf die Tränendrüse drücken. Eigentlich ist dieser Betrieb ein Staatsunternehmen. Er hat zwei Finanzierungsquellen aufgetan. Einmal den Kunden, der die Räder kauft und den Steuerzahler, der durch eine unglaubliche Gesetzeslücke diesen raffgierigen Unternehmen auch noch Geld hinterher wirft. Das alles, weil der Herr Prof. Halvar die Welt davon zu überzeugen versucht, dass Behinderte keinen Anspruch auf Gleichbehandlung haben?
    Den „Vogel“ schießt aber der Geschäftsführer Weidenfeld ab. Er, so die Financial Times Deutschland, spricht von einem Verhältnis auf Augenhöhe. Behinderte in die Arbeitswelt einzubinden, sagt er, das funktioniere nicht wie ein Hebel, den man umlegt. “Es sind tausend kleine Schritte, bei denen es darum geht, die Angst vor Menschen mit Behinderung zu verlieren und festzustellen, dass der Umgang miteinander Spaß macht und alle Beteiligten bereichert.”
    Augenhöhe schließt bei dieser Kooperation gleichwertige Bezahlung der eigentlichen Leistungsträger aus?
    Aber wer mit Werkstätten kooperiert, die als reines Wirtschaftsunternehmen agieren, deren Ziele sich auf betriebswirtschaftliche Gewinnmaximierung beschränken, kann nicht erwarten dass soziale Intelligenz regiert. Schade.
    Es zeigt sich aber deutlich, dass Menschen mit Behinderungen maßgeblichen Anteil am volkswirtschaftlichen Gesamteinkommen haben. Es bestätigt sich auch, dass die Rechte derer aber mit Füßen getreten werden.
    Wo bleibt der Aufschrei?
    Wo bleibt deren Interessenvertreter? Ich meine damit Interessenvertreter die sich politischer Unterstützung erfreuen und sich medienwirksam als Vertreter der Interessen „Behinderter“ aufspielen. Verbände und Vereine werden doch immer als Mittler angeführt. Oder sind diese auch nur in eigener Sache unterwegs? Jeder Arbeitnehmer kann gewerkschaftliche Hilfe in Anspruch nehmen. Gleichberechtigte Teilhabe Behinderter macht offenbar auch um dieses Grundrecht einen großen Bogen. Selbst unser Finanzminister hat sich kürzlich geoutet und öffentlich festgestellt, dass Menschen mit Behinderungen nicht auf Augenhöhe verhandeln können.
    Die Idee war früher gut. Was die Wirtschaftsinteressen daraus gemacht haben ist abscheuliche Ausbeutung. Es wird Zeit, dass solche Geschäftsmodelle auf den Prüfstand kommen.

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