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Drei ziemlich beste Freunde wollen Sex: Hasta la Vista!

Am 12. Juli kommt ein neuer, spektakulärer „Behindertenfilm“ in die Kinos. Angeblich soll er noch besser sein als „Ziemlich beste Freunde“. Geht das überhaupt?

Man sieht von hinten zwei lange, stehende und gespreizte Frauenbeine mit roten Stöckelschuhen, dazwischen die drei, skurril wirkenden Hauptfiguren

Dieses Filmplakat wird Ihnen demnächst öfter begegnen

Schon wieder Arnold Schwarzenegger? Nein, nicht der Terminator mit „Hasta la vista, baby!“. Also die drei von der Tankstelle? Oder doch eher die drei aus dem Behindertenheim? Lars (gespielt von Gilles de Schryver) sitzt wegen einer fortschreitenden Krankheit im Rollstuhl. Philip (Robrecht Vanden Thoren) ist vom Hals abwärts gelähmt, und Jozef (Tom Audenaert ) ist fast blind. Das kann ja was werden. Besonders, wenn man wie die drei Kumpel noch nie Sex hatte, aber beschlossen hat, das so schnell wie möglich nachzuholen. Also eher Sperminator als Terminator? So weit und darum geht es vermutlich überhaupt nicht.

Road Movie der besonderen Art

Aus der Pressemappe erfahren wir (ROLLINGPLANET hat den Film noch nicht gesehen): Nachdem die überfürsorglichen Eltern ihnen ihre sorgfältig als Wein-Tour getarnte Fahrt in ein barrierefreies Spezial-Bordell verboten haben, machen sich Lars, Philip und Jozef trotzdem gemeinsam auf den Weg. Sie organisieren sich heimlich den nächstbesten, vermeintlich männlichen Fahrer Claude (Isabelle de Hertogh), der sich bald als Frau herausstellt, und begeben sich auf eigene Faust in einem Kleinbus auf die Reise. Die soll sie aus ihrer wohlbehüteten belgischen Heimat an die spanische Küste und damit direkt an den Ort ihrer Träume führen, in den Puff.

Das Ziel scheint zunehmend unwichtig zu werden – was zählt, ist die Freundschaft des Trios, die bei der gemeinsamen Fahrt immer enger und rücksichtsvoller wird. So kündigt der Filmverleih Ascot Elite an: „’Hasta la Vista (spanisch für „Auf Wiedersehen“) ist ein Road Movie, in dem die Reise wichtiger als das Ziel ist.“ Im Deutschen trägt die Komödie den Untertitel „Pflücke das Leben“.

Auch diese Geschichte erzählt von Humor

Die drei behinderten und die etwas dickliche Fahrerin

Erste Überraschung: Der Fahrer entpuppt sich als Frau

Regisseur Geoffrey Enthoven gilt als Experte für Tabuthemen wie Alter, Depression und Tod sowie tragikomische Charaktere. Über seinen neuen Film sagt er:

“’Hasta La Vista’ ist eine Geschichte über Liebe, bedingungslose Freundschaft und Lust. Eine Geschichte über Humor – als dem einzigen Mittel, um schmerzvolle Situationen zu meistern. Und eine Geschichte über intensive Sehnsucht – als dem mächtigsten Motiv, um Grenzen zu überschreiten. Der Mensch wird von Sehnsucht angetrieben. Sie befähigt ihn dazu, Dinge zu erreichen, die er nie für möglich gehalten hat. Dabei ist die Erfüllung dieser Sehnsucht oft sekundär. Lars, Philip und Joseph begeben sich auf eine besondere Mission, aber auf höherer Ebene ist ihre Reise ein Kampf um Unabhängigkeit ebenso wie ein Kampf um Liebe und Freundschaft, bei dem sie ihre Einschränkungen zu überwinden versuchen.“

„Ziemlich beste Freunde“ ist deshalb so erfolgreich, weil er nicht nur ein Film über einen Behinderten ist, sondern für viele berührende Themen wie Solidarität und Freundschaft aufgreift. Ähnlich wollen die Macher von „Hasta la Vista“ ihre Kinoarbeit verstanden wissen: Hinter der skurrilen Geschichte verberge sich eine allgemein gültige Erfahrung – die der Sehnsucht.

Käuflicher Sex und Befreiung

Noch eine Parallele: Wie bei „Ziemlich beste Freunde“ kam die Anregung für „Hasta la Vista“ von einer Filmdokumentation. Die BBC-Doku “For One Night Only” (Nur für eine Nacht) hatte Asta Philpot und zwei andere Behinderte auf der Reise zu einem auf die Bedürfnisse von Behinderten ausgerichteten Bordell nach Spanien begleitet. Philpot hat seit seiner Geburt Arthrogryposis, eine Form der Gelenksteife, und kann den Großteil seines Körpers nicht bewegen. Sein Leben änderte sich, als er seine Unschuld verlor und diese Erfahrung mit anderen Männern teilen wollte, die nie sexuelle Intimität gekannt hatten.

„Hasta la Vista“ wird – dafür muss man kein Hellseher sein – ab Juli für einige Wochen das Thema „Behinderte und Sex“ in die Schlagzeilen bringen. Das ideale Raufundrunterthema für das Sommerloch.

Was ist, wenn man mehr will?

Der Kinofilm aus Belgien wurde im vergangenen Jahr beim World Film Festival Montreal in Kanada ausgezeichnet. Außerdem sei er, heißt es in dem Trailer (siehe unten), „noch berührender als ‚Ziemlich beste Freunde’“. So jedenfalls habe das französische Magazin „Paris Match“ geurteilt. ROLLINGPLANET ist skeptisch – wir sind bekanntlich der Meinung, dass die französische Komödie, die vom Champagner-Unternehmer Pozzo di Borgo (François Cluzet) und seinem Pfleger und späteren Freund Abdel Sellou (Omar Sy) handelt, einer der besten Filme dieses Jahrzehnts ist.

Aber die Gedanken, die sich Geoffrey Enthoven gemacht hat, klingen jedenfalls teilweise nicht schlecht: „Zwar mag ein Betroffener mit einer körperlichen Behinderung von Liebe, Hingabe und Engagement umgeben sein, aber was ist, wenn er mehr als das will? Und kämpfen wir nicht alle darum, unsere Träume zu verwirklichen?“

Letzteres glaubt ROLLINGPLANET überhaupt nicht – es gibt viel zu viele Menschen, die für ihre Träume nicht kämpfen. Aber, natürlich, wir werden uns diesen Film anschauen – und berichten.

Trailer

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