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Reisen

Spaziergang durch die Heilige Schrift

Der Bibelgarten Oberlichtenau in der Lausitz lockt tausende Besucher an – und ist auch für sehbehinderte und blinde Menschen eine Attraktion. Von Gregor Klaudius





Oberlichtenau in der sächsischen Oberlausitz hat sich zu einer kleinen Pilgerstätte entwickelt. Mehr als 30.000 Besucher sind in den vergangenen sieben Jahren in das schmucke Dorf nahe Kamenz gekommen, um eine landesweit einzigartige Attraktion mit Bildungswert zu sehen: einen Garten mit Nachbauten aus der Bibel. Dabei wollte selbst bei der Eröffnung des Bibelgartens im Jahr 2005 niemand so recht an dessen Erfolg glauben – mit Ausnahme des pfiffigen Initiators Maik Förster und seiner Frau.

Die meisten Bibelgärten in Deutschland zeigen die Pflanzenwelt der Heiligen Schrift. Der gebürtige Oberlichtenauer Förster hat hingegen ein ganzes Freilichtmuseum aufgebaut. In dem 5.000 Quadratmeter großen Garten gibt es ein Felsengrab wie jenes, aus dem Jesus einst auferstanden sein soll. Ein Hebekran aus einem Steinbruch und römische Kreuze verdeutlichen das Leid der Arbeitssklaven und Verurteilte in der Antike. Ein Schafstall, Opferaltar, Dreschplatz, Brotbackofen sowie eine Mini-Basilika und Olivenölpresse sind weitere Nachbauten, um die Bibel zu veranschaulichen.

“Wir dürfen hier alles ertasten“

“Wir zeigen Gegenstände, wie sie in Israel vor 2.000 Jahren zum Alltag gehörten”, sagt Förster. Die Idee dazu habe er während einer Reise nach Israel in den 90er-Jahren gehabt. Inzwischen hat der 47-jährige Christ mehr als 30 Mal den jüdischen Staat besucht, dessen Geschichte ihn so fasziniert. Vor allem Schulklassen und Konfirmanden will er mit dem außergewöhnlichen Garten an die Bibel heranführen. “Aber auch vom Katholiken bis zu den Zeugen Jehovas, von der CDU bis zur Linkspartei hatten wir schon Besucher.”

Jährlich pilgern inzwischen mehr als 4.000 Touristen nach Oberlichtenau. “Der Bibelgarten ist eine interessante Sache, um etwas über Religionen zu erfahren”, sagt Frank Barchmann. Der 60-Jährige leitet eine Reisegruppe von Sehbehinderten und Blinden aus Kamenz. “Wir dürfen hier alles ertasten, das macht den Ausflug so interessant.” Auch ein biblisches Mal und ein Spaziergang in den benachbarten Park samt Barockschloss stehen auf dem Reiseprogramm der Gruppe, die gleich einen ganzen Tagesausflug nach Oberlichtenau gemacht hat.

“Viele hielten mich für einen Spinner“

Förster hat den Bibelgarten mit viel Eigeninitiative und Geschick verwirklicht. Als er Anfang 2000 den ersten Förderantrag auf EU-Geld bei einem regionalen Vergabe-Ausschuss stellte, “hielten mich viele für einen religiösen Spinner”, berichtet er. Außer eine 300 Jahre alte eingefallenen Steinmauer, einem Bierkeller aus der Zeit des legendären sächsischen Kurfürsten August des Starken (1670 bis 1733) sowie einem Wohnhaus gab es nichts. Doch der umtriebige Tourismusexperte knüpfte Kontakte auf Messen, zum israelischen Staat, fand Förderschlupflöcher und unbürokratische Lösungen.

Schritt für Schritt kam das Projekt voran. Das Konzept für den Garten erarbeitete eine Touristik-Studentin der Fachhochschule Zittau. Für den Wiederaufbau der eingefallenen Mauer gab es Fördergeld, als feststand, dass sie mit einem historischen Zeitstrahl versehen wird, die die jüdische Geschichte zeigt. Die 9,99 Quadratmeter große Johannes-Basilika konnte unkompliziert errichtet werden, weil erst ab 10 Quadratmetern eine Baugenehmigung fällig ist.

200.000 Euro an Fördergeld flossen bislang in das Projekt, sagt Förster, der neben den Bibelgeschichten eine Menge kurioser Erzählungen über bürokratische Hürden in der Europäischen Union und Deutschland parat hat. Gemeinsam mit seiner Frau Susanne betreibt er den Garten ehrenamtlich und hat neue Pläne. In einigen Jahren soll ein alter Kuhstall zu einem Besucherzentrum umgebaut sein. Auch ein originales Beduinen-Zelt, das Förster bereits besorgt und auf dem Dachboden des Stalls geparkt hat, soll dann ausgestellt werden.

Webseite: www.bibelgarten.de

Text: dapd-lsc/Fotos: Bibelbgarten

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