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99 statt 500 Euro: Was man über den Lidl-Rollator wissen muss

In diesen Tagen verscherbelt der Discounter einen Rollator, der angeblich genauso gut sein soll wie ein wesentlich teureres Markenprodukt. Was ist davon zu halten? ROLLINGPLANET beantwortet dazu die 7 wichtigsten Fragen.

Rollator

Kopie: "Volito" von Lidl

1. Was gibt es für welchen Preis?

Rollator

Das Original: "Topro Troja" Model M

Seit vergangenen Montag ist bei Lidl der faltbare Rollator Volito (Aluminium, 7,4 kg) im Angebot. Er kostet nur 99 Euro und prahlt damit, „alles in allem fast so gut zu sein wie der Topro Troja“.

Dieser (siehe auch ROLLINGPLANET-Hilfsmittelkatalog) siegte 2005 bei einem Vergleich der Stiftung Warentest, wiegt ebenfalls exakt 7,4 kg. Indes – der Preis für eine mit dem Volito vergleichbare Ausstattung beträgt zirka 500 Euro.

Keine Panik: Das sehr günstige Lidl-Angebot ist nicht ausverkauft und derzeit online noch erhältlich. Und es wird sicherlich spätestens im nächsten Jahr wieder in der Werbung auftauchen. Aber wer weiß – vielleicht wird es ja eines Tages mal so weit sein, dass sich bereits Stunden vor der Eröffnung einer Lidl-Filiale eine kilometerschlange Schlange mit Senioren bildet, die sehnsüchtig auf den neuesten Rollator warten wie andernorts Applefreaks auf ein neues iPhone. Früher galten Rollatoren noch als Stigma, heute strahlen sie im Lidl-Prospekt fett auf Seite 3.

2. Warum ist das niedrige Gewicht so wichtig?

In den meisten Fällen werden Rollatoren im Geschäft oder im Krankenhaus auf ebenem Boden ausprobiert. Was viele Benutzer, die erstmals solche „Krücken auf vier Rädern“ kaufen, deshalb nicht beachten: Einen Rollator muss man auch leicht ankippen können – etwa bei Bürgersteigen oder niedrigen Stufen. Außerdem ist ein niedriges Gewicht natürlich wichtig, wenn man den Rollator ins Auto heben muss.

3. Kann man der Lidl-Werbung vertrauen?

Man möchte fast sagen: ausnahmsweise ja. Der Volito war bereits schon einmal im Lidl-Sortiment – im Mai 2011. Damals lobte „Stiftung Warentest“ tatsächlich:

„Das Ergebnis überrascht: Der Rollator von Lidl ist viel billiger, aber ebenso gut wie der Testsieger von 2005. Der Topro Troja ist ein Rollator vom Feinsten: leicht, stabil, mit guten Bremsen. Die großen Reifen stehen sicher. Ohne Schlauch, ohne Luft: ein Plattfuß ist somit ausgeschlossen. Der Rollator ist einfach in der Handhabung. Rundum gut. Das gilt im Prinzip auch für den Rollator von Lidl Volito. Er ist nicht baugleich, aber sehr ähnlich. In puncto Kippsicherheit ist der Lidl Volito sogar einen Tick besser.“

Der Topro Troja hat laut Stiftung Warentest bei zwei Kriterien die Nase vorne.

Erstens überzeuge der Topro Troja mit seinem einfachen und komfortablen Faltmechanismus. Ein Zug am Faltriemen oben auf dem Sitz klappt den Rollator für den Transport zusammen: „Das schaffen Oma oder Opa sogar allein.“ Beim Rollator von Lidl ist dagegen Hilfe nötig. Der Faltmechanismus funktioniert hier erst nach dem Lösen eines Hebels.

Vorteil zwei für Topro Troja: Es gibt ihn in zwei Sitzhöhen (62 cm und 54 cm). Der Volito von Lidl ist nur in einer Standardausführung (65 cm) erhältlich.

4. Gibt es neuere Rollatoren-Tests?

Der neueste Rollatoren-Test von der Stiftung Warentest ist schon sieben Jahre alt. Damals landeten die Wettbewerber auf folgenden Plätzen: 1. Topro Troja (Note: 2,1), Bischoff & Bischoff RL (2,2), 3. Dolomite Amigo 600 (2,4), 4. Etac Ono (2,5), 5. Bischoff & Bischoff B (2,6). Den Bericht kann man kostenlos als PDF herunterladen: test.de

Die Zeitschrift „Handicap“, die allerdings im Gegensatz zu „test“ von Werbung abhängig ist, bewertete in Ausgabe 3/2008 ebenfalls Rollatoren. Sie gab drei Produkten die Note „sehr gut“: Bischoff & Bischoff Rollator B, Dolomite Jazz und Topro Troja M.

5. Bezahlt die Krankenkasse den Lidl-Rollator?

Nein. Der Volito hat keine Hilfsmittelnummer. Der Topro Troja M hat solch eine: 10.50.04.1161. Für die Topro Troja Modelle S und X jedoch gibt es ebenfalls keine Hilfsmittelnummer. Aber auch beim Troja M ist nicht garantiert, dass die Krankenkasse nicht eine Zuzahlung verlangt, die höher als 100 Euro liegt. Fragen Sie vorher nach!

6. Irgendetwas muss man doch bei Lidl meckern können?

Jein. Lidl bewirbt seinen Volito mit dem Hinweis „Medizinprodukt der Klasse I (Richtlinie 93/42/EWG)“ – das hat aber wenig zu bedeuten, bis auf dass der Rollator europaweit als Medizinprodukt verkauft werden darf. Und ganz verstecken kann man diesen Hinweis wohl auch nicht.

7. Macht ROLLINGPLANET jetzt bezahlte Werbung für Lidl?

Nein.

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5 Kommentare

  1. Martens29. Mai 2012 at 16:12Antworten

    Ihr Artikel hat mich heute veranlasst, kurz entschlossen für meine Großmutter den Lidl Rollator zu kaufen. Meine Großmutter ist 83 und beklagt sich seit längerem darüber, dass sie seit Wochen auf die Zusage ihrer Krankenkasse wartet. Da der Sommer kurz ist, wollte ich angesichts des “Billigrollators” nicht lange zögern. Gemeinsam mit meiner Frau habe ich den Rollator mit großer Erwartung zur Großmutter gebracht und gleich ausgepackt. Ich will Ihnen schnell meine Eindrücke als Laie ohne technische Kenntnisse mitteilen:

    - Letztes Exemplar bekommen, offensichtlich nicht mehr originalverpackt, sondern von Lidl wieder zugeklebt und an mich verkauft => damit konnte ich leben

    - Der Faltmechanismus ist wie von Ihnen beschrieben etwas kompliziert, aber nicht wirklich schlimm aus meiner Sicht. Wenn man den Rollator auseinanderfaltet und stabil haben will, muss man sehr stark auf eine Seite des Sitzes drücken, ehe sich der Hebel einrasten lässt. Den Hebel wieder zu lösen erfordert wieder erheblichen Kraftaufwand. Allerdings wird meine Großmutter diesen Faltmechanismus nicht benutzen, für uns deshalb also nicht so relevant. (Bzw. wenn sie im Auto wegfahren sollte, ist eh jemand dabei, der ihr beim Falten des Rollators helfen kann.)

    - Weitaus störender empfand ich, dass die Vorrichtungen für die Krücken links und rechts am Rollator zwar sehr leicht einzusetzen sind, allerdings sich auch unweigerlich wieder aus ihrer Vorrichtung lösen, wenn man die Krücke abnehmen will. Außerdem sind die Krücken recht hoch angebracht, wäre schön gewesen, wenn man einen etwas tieferen Punkt für die Anbringung gefunden hätte.

    - In der Verpackung waren die Vorrichtungen nur für eine Krücke, für die zweite fehlten sie. Außerdem war die Klingel gebrochen. Könnte aber auch daran liegen, dass es sich um ein zurückgegebenes Produkt handelt (siehe ersten Punkt).

    - Das Tablett, das man auf den Rollator legen kann, ist nicht plan, sondern verzogen, was vermutlich aber keine Beschädigung war, sondern aussah, als wäre es so verzogen schon aus der Fabrik gekommen.

    - Ärgerlich ist die Bedienungsanleitung. Man könnte annehmen, dass eine Bedienungsanleitung bei einem recht einfachen Produkt wie einen Rollator nicht erforderlich ist. Aber man will dann doch sicher sein, dass man das Gerät so richtig eingestellt hat, dass man einen alten Mensch alleine damit lassen kann. Insofern habe ich, was sonst nicht meine Art ist, in die Bedienungsanleitung geschaut. Text ist okay, aber leider sind die schwarzweiß-Bilder in so schlechter Qualität, dass man darauf kaum etwas erkennt. Hier wäre es sinnvoller gewesen, wenn Lidl nicht nur einen Videofilm fürs Internet produziert hätte, sondern auch eine vernünftige Bedienungsanleitung liefern würde.

    Viele Grüße aus Hockenheim und Danke für Ihr sehr engagiertes Magazin!

  2. Stesas29. März 2013 at 12:16Antworten

    Auch wenn der Beitrag schon etwas älter ist, muss ich mal drei Dinge klar stellen:
    Erstens: auch der Troja S hat eine Hilfsmittelnummer, nämlich 10.50.04.1110

    und zweitens macht ihr ja wohl doch Werbung für Lidl, denn wer 500 Euro für einen Troja bezahlt hat, der hat eindeutig zuviel Geld ausgegeben. Auch mit allem Zubehör kommt man nicht auf diesen Preis.

    Drittens: die Garantiezeit die mit 5 Jahren eindeutig zu Gunsten des Trojas ausfällt habt ihr gar nicht erwähnt.

  3. Andrea12. Mai 2013 at 01:50Antworten

    Bezüglich der Werbung ist von BEZAHLTER Werbung die Rede und diese macht Rollingplanet nicht. Ob man einen Testbericht als Werbung betrachten kann oder soll ist Ansichtssache.

  4. georg merklein25. Mai 2013 at 23:09Antworten

    … der trabi unter den rollatoren…

  5. Viviana29. Mai 2013 at 16:25Antworten

    Meine Mutter hat mir den letztes Jahr geholt bzw im Internet bestellt. Und ich muss sagen der lohnt sich definitiv nicht. Nach ca 2 Wochen brach bei meinem der linke Vorder Rad ab und kurze Zeit später brach der Verschluss ab womit man die Handgriff festmacht. Also ich kann nur jedem raten holt Euch den nicht und spart lieber auf einen anständigen Rollator den man im Sanitätshaus kaufen kann.

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