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Gelähmte Ratten können dank Neuro-Reha wieder ihre Beine bewegen
Hoffnung für Querschnittgelähmte: In ein bis zwei Jahren sollen klinische Studien beginnen, um herauszufinden, ob das Verfahren auch beim Menschen funktioniert.
Im Labor des Swiss Federal Institute of Technology (Foto: EPFL/Lionel Maillot)
Gelähmte Ratten können mit Hilfe eines speziellen Rehabilitationsverfahrens wieder laufen lernen. Sie erlangen dabei die bewusste Kontrolle über ihre Bewegungen zurück und können sogar rennen, Treppen steigen und Hindernisse umgehen. Durch diese Therapie seien neue Nervenverbindungen im Rückenmark gewachsen, und die Bewegungsfähigkeit konnte zu 100 Prozent wiederhergestellt werden. Dies berichten Wissenschafter aus der Schweiz im Fachmagazin „Science“. Sie planen, in ein bis zwei Jahren mit klinischen Studien zu beginnen, um herauszufinden, ob das Verfahren und die Heilung auch beim Menschen funktionieren.
Stimulierung schlafender Nervenzellen
Das Neuro-Rehabilitationsverfahren der Schweizer Forscher um Grégoire Courtine vom Swiss Federal Institute of Technology (EPFL) beruht unter anderem auf einer Stimulierung der „schlafenden“ Nervenzellen im Rückenmark. Wird das Rückenmark schwer verletzt oder vollständig durchtrennt, erhalten die Nervenzellen unterhalb der verletzten Region keine Informationen mehr aus dem Gehirn. Bei den Ratten waren nach einer solchen Verletzung die Hinterbeine gelähmt.
Die Wissenschaftler weckten die schlafenden Zellen nun sozusagen wieder auf. Und zwar mit einem Chemikalienmix, der die Nervenzellen ähnlich wie normalerweise die Botenstoffe des Gehirns anregt. Darüber hinaus wurden die Nervenfasern elektrisch stimuliert. Nach zwei bis drei Wochen Training machten die Ratten ihre ersten selbstständigen Schritte. Schon bald legten sie eine Strecke von 21 Metern in drei Minuten zurück, schreiben die Forscher.
Grundsätzlich auch beim Menschen denkbar
Grundsätzlich sei eine derartige Form der Rehabilitation, die unter anderem auf Physiotherapie beruhe, auch beim Menschen denkbar, sagt Dietmar Fischer von der Neurologischen Klinik der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Es sei ein „tolles Zeichen“, dass die Tiere eine willkürliche Kontrolle über die Bewegungssteuerung erlangt haben. Er betont jedoch, dass Studien an Ratten nicht ohne weiteres auf den Menschen übertragbar seien, da zum Beispiel ihre Nervenfasern anders verliefen.
(dpa)
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