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Wie Ilke Wyludda um ihr London-Ticket kämpft

Die Diskuswurf-Olympiasiegerin ist nach ihrer Amputation auf dem Weg zu den Paralympics – wenn sie nächste Woche bei den deutschen Meisterschaften überzeugt. Von Gottfried Schalow

Diskus-Olympiasiegerin Ilke Wyludda während einer Trainingseinheit an einem Gerät in einer Turnhalle in Halle. (Foto: Jan Woitas dpa/lah)

Es ist das ungewöhnliche Comeback einer außergewöhnlichen Frau: Diskuswurf-Olympiasiegerin Ilke Wyludda ist nach zwölf Jahren Wettkampfpause und der Amputation des rechten Unterschenkels nach einer schier unendlichen Krankengeschichte in den Ring zurückgekehrt. Und kämpft nun um ein Ticket für die Paralympics in London.

Die 43-Jährige aus Halle an der Saale zieht nach den ersten Wettbewerben mit durchaus beachtlichen Leistungen aber weiterhin die leisen Töne vor. Über einen Start in England wird maßgeblich ihre Leistung bei den deutschen Meisterschaften in der kommenden Woche in Berlin (15. bis 17. Juni) entscheiden.

“Ich lebe für meinen Sport”

“Ich weiß nicht, warum mich immer alle nach London fragen. Ich will mich vor allem selbst beweisen, ich lebe für meinen Sport”, wiegelt die Goldmedaillengewinnerin von 1996 in Atlanta ab und fügt hinzu: “Wenn ich mich zwinge, nach der Arbeit zum Training zu fahren, geht es mir hinterher besser.”

Der Ehrgeiz der langjährigen Weltklasse-Athletin, die als Anästhesistin in einer Klinik arbeitet und nebenbei eine Physiotherapiepraxis führt, ist freilich groß. Jeden Nachmittag trainiert sie eisern auf der Wurfanlage.

Der Bundestrainer für die Wurf- und Stoßdisziplinen in der Behinderten-Leichtathletik, Bernd Mädler, sagt: “Wir werden uns nach der Meisterschaft ganz tief in die Augen schauen, ob ein Start in London Sinn macht. Ich möchte ihr ersparen, dass sie sich vielleicht schon nach dem Vorkampf verabschiedet. Das hätte sie nicht verdient.”

Sie sitzt jetzt festgeschnallt auf einem Hocker

Unterstützung kommt vom früheren Trainer Gerhard Böttcher. Der Rentner arbeitet seit Anfang des Jahres wieder mit seiner einstigen Vorzeigeathletin zusammen. Rund achtzehn Monate nach der Amputation des rechten Beines über dem Knie – eine Infektion nach einer Verletzung machte diese notwendig – sind die Fortschritte bemerkenswert. 29,12 Meter ist ihre persönliche Bestleistung.

Im Training landete das Sportgerät schon mehrfach über der 30-Meter-Marke. Gold bei den Paralympics 2008 in Peking gab es in dieser Behindertenklasse für eine Weite von 35,21 Meter, der Weltrekord steht bei 40,99 Metern. Runde 35 Meter sind das Kriterium für eine Nominierung für London.

Einst schleuderte Wyludda den Diskus locker über 60 Meter. Im Behindertensport ist das Diskuswerfen freilich eine völlig andere Disziplin. Sie sitzt jetzt bei ihren Wettkämpfen festgeschnallt auf einem Hocker. Die Kraft für ihre Würfe, die sie früher auch aus den Beinen und aus der Hüfte holte, kommt nun fast ausschließlich aus den Armen. Im letzten halben Jahr hat sie vor allem Kraft und Kondition trainiert. Die neue Technik zu erlernen, das stellt sich allerdings als viel komplizierter heraus als geahnt.

Mädler traut der Athletin, die noch immer als Weltrekordlerin im Juniorenbereich geführt wird, in den nächsten Jahren eine große Entwicklung zu: “Ilke betreibt diesen Sport erst seit gut einem halben Jahr. Eine Marianne Buggenhagen ist schon seit 20 Jahren dabei und mit fast 60 immer noch zu Höchstleistungen fähig. Die Paralympics 2016 sind immer noch ein lohnendes Ziel.”

(dapd)

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