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Contergan-Opfer stärker geschädigt als bekannt

Eine Studie offenbart bisher nicht anerkannte körperliche Schäden bei Contergan-Opfern. Nun könnte es möglicherweise endlich mehr Geld für die Betroffenen geben.

Wie die „Welt “ berichtet, bestätigen Zwischenergebnisse einer Studie der renommierten Universität Heidelberg den Verdacht, dass Blut- und Nervenbahnen von Contergan-Geschädigten anders verlaufen als die anderer Menschen. Dies bedeutet unter anderem lebensgefährliche Risiken bei Operationen.

Im November 2011 jährte sich zum 50. Mal die – viel zu späte – Marktabsetzung von Contergan mit dem verhängnisvollen Wirkstoff Thalidomid.

“Fest steht, dass diese Schädigung noch nicht bekannt war, als die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die finanzielle Kompensation der Betroffenen festgelegt wurden”, zitiert die Zeitung Christina Ding-Greiner vom Institut für Gerontologie (Altersforschung) der Universität Heidelberg.

Die Studie war vom Bundestag initiiert und von der Conterganstiftung in Auftrag gegeben worden. Die Befragung Betroffener findet seit 1. September 2010 statt und dauert noch bis zum 31. August 2012 an. Was ROLLINGPLANET nicht versteht: Warum fast zeitgleich eine ähnliche Studie in Nordrhein-Westfalen veranlasst wurde (ROLLINGPLANET berichtete: Folgeschäden durch Contergan: Betroffene gesucht). Bei dieser sind bislang im Gegensatz zum Heidelberger Forschungsauftrag (Leitung: Prof. Dr. Dr. Andreas Kruse) auch nicht ausreichend Teilnehmer – 150 statt 200 wie beabsichtigt – gefunden worden.

Die ersten Ergebnisse der Heidelberger Studie, bei der 900 Contergan-Geschädigte Fragebögen ausfüllten oder bei anonymisierten Interviews und Fokus-Gruppen mitwirkten, enthalten noch weitere Sprengkraft, schreibt die Zeitung. Das Forschungsprojekt habe ergeben, dass die meisten Betroffenen mit den Entschädigungszahlungen bei Weitem nicht ihre täglichen Kosten für Pflege- und Assistenzkosten bewältigen können. So müssen mehr als 70 Prozent der Geschädigten Kosten für notwendige Therapien wie Krankengymnastik, die nicht von der Krankenkasse gezahlt werden, selbst aufbringen. Die Hälfte der Betroffenen muss zudem Umbaumaßnahmen in der Wohnung selbst leisten oder von Angehörigen finanzieren lassen, weil die gesetzlich festgelegten Kompensationszahlungen dafür nicht ausreichen.

Wird neuer Gesetzentwurf bereits morgen diskutiert?

Die Zahl der noch lebenden Leistungsempfänger und Leistungsempfängerinnen in Deutschland beträgt 2.708 (Stand: 1.6.2012) – von einst 5.000 bis 10.000 Kindern in Deutschland, die aufgrund von Thalidomid mit Missbildungen zur Welt kamen. Pro Monat erhalten Contergan-Geschädigte in Deutschland seit 2009 maximal 1.127 Euro, abhängig von der Schwere ihrer Behinderung. Hinzu kommt derzeit eine vorübergehende jährliche Sonderzahlung.

Die Behindertensportlerin, ehemalige Reit-Weltmeisterin und Contergan-Geschädigte Bianca Vogel aus Sinzig kritisiert seit langem: “Wer die Kosten für Pflege und Unterstützung kennt, kann leicht erkennen, dass das bei weitem nicht reicht. Von dieser Rente müssen die Opfer auch noch hohe Zuzahlungen für Hilfsmittel wie Rollstühle, Hörgeräte und sonstigen gesundheitlichen oder pflegerischen Bedarf leisten.”

Die Heidelberger Resultate könnten laut “Welt” bedeuten, dass die Bundesregierung den Contergan-Opfern höhere Kompensationen als bislang zahlen muss. Das Familienministerium bestätigte dies auf Anfrage. Die Betroffenen fordern seit langem höhere Zahlungen und befürchten, dass diese für viele zu spät kommen könnte (“Offensichtlich hofft man auf ein möglichst geräuschloses Ableben der Contergan-Opfer”).

„Welt“ schreibt: „Ein neuer Gesetzentwurf könnte bereits am kommenden Mittwoch ins Rollen kommen. Dann nämlich werden erste Zwischenergebnisse den Bundestagsabgeordneten im Familienausschuss in einer nicht öffentlichen Sitzung vorgestellt. Es gilt im Parlament als wahrscheinlich, dass die Abgeordneten im Anschluss daran ein neues Änderungsgesetz zum bestehenden Gesetz über die Entschädigungszahlungen, das Conterganstiftungsgesetz, auf den Weg bringen werden.“

Ausführlicher Bericht: Welt

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