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EM-Aus: Die deutschen Pflegefälle in der Einzelkritik

Deutschland ist im Halbfinale gegen Italien ausgeschieden. Noch zur Halbzeit sprach ARD-Kommentator und Dekubitus-Experte Mehmet Scholl von „Pflegefällen“.

Italiens Stürmer Mario Balotelli (21) schoss beide Tore (20. und 36. Minute) gegen Deutschland. Nach seinem zweiten Treffer überrascht er mit einer besonderen Jubelpose. Bevor jemand auf einen rassistischen King-Kong-Vergleich kommt: Der Mann hat Humor und kann sich selbst auf die Schippe nehmen. Siehe auch Video ganz unten. (Foto: dpa)

Mit den Pflegefällen meinte Scholl aber nicht die deutschen Spieler, sondern die beiden italienischen Stürmer Mario Balotelli und Antonio Cassano. Als Kompliment. Leider waren die echten Pflegefälle in der deutschen Mannschaft.

Eigentlich war es ja nur noch eine Formsache, dass wir Europameister 2012 werden. Wären da nicht die lästigen Italiener gestern Abend gewesen, gegen die wir mit 1:2 ausgeschieden sind. Verdient, wie auch Heinrich Hütte, Behindertenbeauftragter der European Union Of Physically Challenged Wisecrackers (EUPCW), gegenüber ROLLINGPLANET betonte. Er findet es nur gerecht, dass wir verloren haben: „Keine Inklusion, kein EM-Titel!“, sagte er unmittelbar nach Schlusspfiff und verweist darauf, dass Italien Europameister bei inklusiven Schulen ist, während Deutschland hinterher (Achtung!) hinkt.

Unsere Spieler haben in der zweiten Halbzeit wacker gekämpft. Leider konnten sie jedoch die 1:2-Niederlage nicht verhindern. Nun bleibt nur noch eine Frage zu klären: Wer muss jetzt ins Pflegeheim? ROLLINGPLANET liefert die Einzelkritik, die Mehmet Scholl nicht mehr auszusprechen wagt, seit er nach seiner Dekubitus-Diagnose (Mario Gomez) einen auf den Deckel bekommen hat.

Einzelkritik

MANUEL NEUER: Nettes Riesenbaby, wird nie ins Altersheim müssen. Ende der zweiten Halbzeit als zwölfter deutscher Feldspieler unterwegs. Machte dabei mehr Druck als Lukas Podolski in 45 Minuten. Darf bleiben. Könnte bei Bedarf auch Mittelstürmer spielen.

JEROME BOATENG: Spielte in der ersten Halbzeit wie Omar Sy, hat in der Pause wohl mit Krankenschwester Gina-Lisa telefoniert, kickte danach ein wenig besser, entkam jedoch in der 71. Minute nicht seiner Auswechslung. Pflegestufe 2. Wird sich allerdings aller Voraussicht nach nie wieder mit seiner Krankenschwester blicken lassen.

MATS HUMMELS: Typisches Beispiel, was dabei herauskommt, wenn sich ein Pflegefall zu viel bewegen will, ohne auf seinen Krankengymnasten zu warten. Eindeutig als Sündenbock ausgemacht, der vor dem 0:1 die Flanke nicht verhinderte. Ließ sich von Cassano austanzen und rannte weg statt einfach stehen zu bleiben. Totalausfall, Pflegestufe 3. Kann sich jetzt bei Krankenschwester Cathy Fischer ausheulen, die es neulich fertig brachte, sich im Fernsehen zu verplappern: „Ich liebe ihn ja nicht nur wegen des Geldes.“ Klassischer Satz, bei dem man den letzten Tango tanzt statt stehen zu bleiben. Hummel hat also eindeutig taktischen Nachholbedarf. Weiß noch nicht immer, wann er stehen bleiben oder wegrennen muss.

HOLGER BADSTUBER: Dachte bis zum 0:1 durch das Kopfballtor von Mario Balotteli, dass er gegen Omar Sy spielt. Über 90 Minuten behäbig und langsam, in Fachkreisen auch Fatigue-Syndrom genannt. Pflegestufe 3.

PHILIPP LAHM: Dachte bis zum 0:2 durch das Tor von Mario Balotteli, dass er gegen Omar Sy spielt. Wie immer über 90 Minuten fleißig. Kriegt einen Bonus als Kleinwüchsiger, obwohl er sich schon vor dem Anpfiff bei seiner „Respect“-Rede verhaspelte, nachdem er auch Respekt für Menschen ungeachtet ihrer „sexuellen Orientierung“ einforderte. Da werden die Queer-Outing-Rufe bestimmt lauter. Pflegestufe 2.

SAMI KHEDIRA: Hat Eier, die braucht man aber wohl auch, wenn man mit Topmodel Lena Gercke zusammen ist. Hat jedoch nicht viel geholfen. Pflegestufe 1. Darf künftig als eine Mischung aus Latin Lover, Mittelfeldstratege und erfolgreicher Mensch mit Migrationshintergrund weitermachen.

BASTIAN SCHWEINSTEIGER: Typischer Fall, was passiert, wenn ein Pflegefall nach seiner Verletzung zu früh anfangen will zu laufen. Dabei ungefähr so gelenkig wie ein Querschnittgelähmter mit Exoskelett. Verlor vor dem Elfmeterschießen im Halbfinale der Bayern gegen Real Madrid in der Champions League kurzzeitig seine Eier. Zwar fand er sie auf dem Weg zum Strafstoßpunkt wieder, aber seither scheinen sie nicht mehr richtig zu sitzen, oder er hat sie bei Sarah Brandner liegen gelassen. Totalausfall. Pflegestufe 3. Da wartet auf Krankenschwester Sarah ganze Arbeit.

TONI KROOS: Irrlichte dank Jogi-Geheimtaktik durchs Mittelfeld, sollte Pirlo manndecken und gleichzeitig rechts Druck machen, entschloss sich aber dazu, einige Male übers Tor zu schießen. Pflegestufe 2, darf jedoch nach gelungenen Reha-Maßnahmen wieder kommen.

LUKAS PODOLSKI: Seit Jahren ein Mysterium: Nur Jogi weiß, warum Prinz Poldi in der Nationalmannschaft mitspielen darf. Vermutlich der guten Stimmung wegen. Dabei wäre die im Altersheim viel wichtiger. Nach der ersten Halbzeit ausgewechselt. Pflegestufe 3. Wird hoffentlich im Pflegeheim, wie vielfach üblich, gegen seinen Willen ans Bett gefesselt, damit er nicht wieder bei der Natio vorbeischaut und der Jugend (Reus, Götze, Schürrle) den Platz wegnimmt. Trotzdem wünschen wir Podolski definitiv nicht, dass er jetzt ins AWO-Seniorenzentrum in Elversberg eingeliefert wird.

MARKUS REUS (ab der 46. Minute): Einziger deutscher Spieler, dem man keinen Rollator oder Otto-Bock-Super-Rollstuhl wünschte. Toller Freistoß. Nach einer Saison mit Kloppo in Dortmund wird er dann hoffentlich auch so weit sein, dass er über seine Eier reden kann (für den Fall, dass Schweini seine nicht mehr in Ordnung kriegt).

MESUT ÖZIL: Die von Jogi Löw angekündigte Özil-Explosion während der Europameisterschaft blieb aus. Spielte nicht wie Özil, sondern wie Ötzi. Pflegestufe 2. Aber immerhin gelungenes Beispiel deutscher Integrationspolitik.

THOMAS MÜLLER: Kam in der 71. Minute für Boateng und weinte nach dem Spiel bitterlich über die Ungerechtigkeit dieser Welt. Dabei dachte er an seine Worte aus dem ROLLINGPLANET-Interview und daran „dass den geistig behinderten Sportlern einfach zu wenig Aufmerksamkeit entgegen gebracht wird, obwohl sie auch tolle sportliche Leistungen bringen.“ Schämte sich unter seinem Handtuch, dass behinderte Sportler niemals so viel Aufmerksamkeit bekommen werden wie die deutsche Fußball-Nationalmannschaft, auch wenn sie hundert Mal Europameister, Paralympics-Sieger und Special-Olympics-Sieger werden und dabei Mario Balotelli von Omar Sy unterscheiden können.

MARIO GOMEZ: Spielte leider wie Mario Gomez statt wie Mario Balotelli. Lieferte bis zu seiner Auswechslung 45 Minute lang die Erkenntnis, dass Dekubitus-Patienten gefälligst im Bett bleiben sollten statt auf dem Spielfeld herumzustehen. Druckstellen sind – trotz Dr. Mehmet Scholl – dauerhaft doch nicht so schnell zu heilen, sondern eine langwierige Angelegenheit. Pflegestufe 3. Wird aber wiederkehren, weil Opa Klose auch irgendwann mal ins Altersheim muss und wir in der Bundesliga weit und breit keinen quirligen deutschen Mittelstürmer haben. Wird bei der WM 2014 das erste Gruppenspiel bestreiten, um anschließend auf der Bank zu sitzen und durch Manuel Neuer ersetzt zu werden.

MIROSLAV KLOSE (in der zweiten Halbzeit für Gomez): Unser Opa und gelungenes Beispiel für deutsche Integrationspolitik, wie immer fleißig, aber auch null Torgefahr. So effizient wie ein Rentner, der mit dem Krückstock um sich schlägt, aber nichts trifft. Wird bei der EM 2016 immer noch dabei sein und vom neuen Bundestrainer Hansi Flick im Halbfinale gegen Italien in der 80. Minute mit einem Stahlhelm eingewechselt, ohne jedoch das erneute Ausscheiden verhindern zu können.

Video, das Balotelli auf seiner Homepage hat

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11 Kommentare

  1. T.Z.29. Juni 2012 at 12:01Antworten

    Supertrainer Löw hat sich selbst entzaubert.

  2. Jochen29. Juni 2012 at 14:14Antworten

    Leider haben wir echt die erste Halbzeit total verpennt. Dann haben wir es auch nicht verdient, Europameister zu werden, obwohl die Jungs echt ihr Bestes gegeben haben.

  3. Camillo Tuto29. Juni 2012 at 15:48Antworten

    Wow, was für eine geile Einzelkritik, mal was ganz anderes, auch wenn ich als Nichteingeweihter (Nichtbehinderter) vermutlich nicht alles verstanden habe :-)

  4. Anti-Prinz29. Juni 2012 at 15:53Antworten

    Seien wir gnädig mit Podolski, es reicht schon, wenn er nicht mehr in der Nationalmannschaft spielt, dann ersparen wir ihm auch das Pflegeheim.

  5. Letzter Tango29. Juni 2012 at 15:54Antworten

    Hat die Cathy Fischer das wirklich gesagt???

    • Balljunge29. Juni 2012 at 17:05Antworten

      Auf eine dumme Spielerfrau mehr oder weniger kommt es doch wirklich nicht an

  6. Balljunge29. Juni 2012 at 17:04Antworten

    Das kommt davon wenn man vorher schon glaubt das man Europameister ist.

  7. Frank-Michael29. Juni 2012 at 18:46Antworten

    Bei dem Schiri konnten wir nicht gewinnen in der Nachspielzeit ein Foul gegen statt für Hummels pfeift und zu früh abpfeift das kann nichts werden. Sonst hätten wir es vielleicht noch geschafft!

  8. Mirko G29. Juni 2012 at 20:04Antworten

    Warum müssen wir eigentlich überhaupt Europameister werden? Es gewinnt halt immer der, der am besten spielt und das waren die Italiener, ohne wenn und aber. Manhat eben den fehler gemacht dss man nach dem Sieg gegen die Griechen alles übereuphorisiert hat. Und ich tip mal drauf dass die Italiener am Sonntag auch die Spaner schlagen werden die doch sehr erschöpft und irgendwie ratlos mit ihren ewigen Ballgeschiebe wirken. Außerdem würde ich es den Italienern gönnen, die spielen mit zwei Stürmern, man musste ja schon Angst haben dass bald alle Teams ohne Stürmer wie Spanien oder Deutschland (Gomez war nicht anwesend) spielen. Das kanns ja nicht sein an taktischer Raffinesse des modernen Fußballs.

  9. Peter1. Juli 2012 at 18:00Antworten

    Äußerst interessant wie negativ die Menschen (zumindest bei meinen Bekannten beobachtbar) auf Ballotelli reagieren. Klar, er ist sehr selbstbewusst mit der Grenze zur Arroganz. Und genau sowas braucht ein Topstürmer, und das ist er! Neuer konnte bei seinen Aktionen nur zusehen, so knallhart war er. Wenn auch die Abwehr die Schuld traf.

    • Hesse2. Juli 2012 at 09:02Antworten

      Das erstaunt mich nicht. Sehr unsympathisch dieses Protzgehabe, das hat nichts mit der Hautfarbe zu tun.

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