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Liebe Behinderte, Achtung beim Ficken: Die Syphilis ist wieder da

Albrecht Dürer: Darstellung eines Syphilitikers (1496)

Die Infektionskrankheit galt fast schon als überwunden. Doch vor allem in Großstädten gehen die Zahlen nach oben. Besonders lecker ist die Ansteckung nicht – deshalb ein kleiner Aufklärungskurs von ROLLINGPLANET.

Auf einmal ist sie wieder da. Lange Jahre sah es so aus, als habe man die Syphilis in Deutschland gut im Griff. Prominente Opfer wie einst Casanova, Friedrich Nietzsche oder Heinrich Heine forderte die einstige „Lustseuche“ seit langem nicht mehr. Doch nun steigen die Erkrankungszahlen plötzlich deutlich an.

„Es hat uns schon sehr überrascht, denn die Zahlen waren in den vergangenen Jahren stabil und 2010 sogar relativ niedrig“, sagt Viviane Bremer, Syphilis-Expertin am Robert Koch-Institut in Berlin. Doch mit rund 3700 Neuerkrankungen im vergangenen Jahr ist nun wieder das Niveau von 1986 erreicht. Vor allem in Großstädten wie Köln, Frankfurt/Main und Berlin schnellten die Zahlen hoch, bundesweit waren es 22 Prozent mehr Fälle als im Vorjahr.

Gründe für Anstieg nicht bekannt

„Die genauen Gründe dafür kennen wir nicht“, sagt Bremer. Ein Teil des Anstiegs rühre sicherlich daher, dass mittlerweile öfter getestet würde. „Es sind hauptsächlich Männer betroffen, die Sex mit Männern haben. Aber daraus nun zu schließen, dass sich einsorgloseres Verhalten ausbreitet, ist Spekulation.“

Syphilis ist zwar meldepflichtig – aber nur anonym, so dass kein Rückschluss auf die Entstehung möglich ist. „Das zu ändern, ist auch nicht sinnvoll. Denn bei einer Namensnennung wäre für viele die Hemmschwelle zu hoch, sich überhaupt testen zu lassen“, sagt die Medizinerin. Bei den HIV-Zahlen schlage sich der Anstieg der Syphilis-Fälle bislang nicht nieder. „Das können wir erst mit Zeitverzögerung einschätzen, in ein bis zwei Jahren.“

Aids-Risiko: Syphilis machen es den HIV-Erregern einfacher

Fakt ist: Die Syphilis-Bakterien schädigen die Schleimhaut, so dass auch HIV-Erreger leichter eindringen können. Umgekehrt sind die durch Syphilis hervorgerufenen Geschwüre und Hautläsionen hochansteckend – und das eben nicht nur bei Sexualkontakten. „Kondome sind wichtig, geben aber keinen 100-prozentigen Schutz“, sagt Bremer.

„Bei den sexuell übertragbaren Krankheiten haben wir nicht nur Syphilis im Blick, aber diese Krankheit birgt mit Blick auf HIV das höchste Risiko», sagt auch Armin Schafberger von der Deutschen Aids-Hilfe. Zwar sei es normal, dass es bei der Syphilis eine gewisse Wellenbewegung gebe, doch die positive Entwicklung bei den HIV-Zahlen will man sich nicht kaputt machen lassen. „Wir werden die Bestrebungen der letzten Jahre nochmals verstärken“.

Soll heißen: mehr Aufklärung und auch mehr Syphilis-Testaktionen. Wer häufig wechselnde Partner hat, solle sich ein- bis zweimal pro Jahr testen lassen, sagt Schafberger. „Das geht ganz einfach mit einem Bluttest.“

Die Therapie der Syphilis ist – falls die Diagnose früh genug erfolgt – zumeist schnell erfolgreich. „Die Krankheit kann sich ja über Jahrzehnte hinziehen. Nur noch in Einzelfällen wird sie so spät erkannt, dass dauerhafte Hirnschäden bleiben“, sagt Bremer. Zudem ist der Syphilis-Erreger einer der wenigen, der problemlos auf Penizillin anspricht. Nicht zu vergleichen also mit den brachialen Behandlungsmethoden, die Erkrankte früher über sich ergehen lassen mussten: giftige Quecksilber-Salben, -Dämpfe und -Injektionen.

Wie verläuft eine Syphilis?

Die Syphilis ist tückisch: Sie verläuft in mehreren Schüben und bleibt zu Beginn oft unbemerkt. Nach einer Infektion treten im Genitalbereich zunächst kleine, schmerzlose Geschwüre auf. Im zweiten Schub wird neun bis zehn Wochen später ein Hautausschlag sichtbar, rote Flecken bedecken den Körper.

Doch erst nach drei bis fünf Jahren entfaltet die Krankheit ihre ganze Zerstörungskraft: Der Erreger greift Knochen, Gelenke und Organe an, es kann zu Lähmungen kommen. Dringt das Bakterium ins Gehirn vor, sind oft Geisteskrankheiten die Folge.

Noch um 1900 siechte ein Drittel der Psychiatrie-Patienten in Deutschland mit der Diagnose Syphilis vor sich hin – unheilbar krank. Dies änderte sich erst grundlegend, als rund 20 Jahre nach dem Arsen-Präparat Salvarsan, das Paul Ehrlich 1909 entwickelte, das Penizillin entdeckt wurde.

(Andrea Barthélémy/dpa)

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