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Gerade bei Blinden gilt: Eins plus eins ist nicht immer drei

Die gute Nachricht des Tages: Die Zahl der Blinden ist gleich geblieben oder sogar gesunken. Oder doch nicht? Ein Experte überfordert ROLLINGPLANET mit seinen Berechnungen.

3 schwarze Punkte auf gelbem Hintergrund

Blindenzeichen mit drei schwarzen Punkten vor gelbem Hintergrund. Oder sind es doch nur zwei? Oder vier?

Die Zahl der Blinden ist nicht gestiegen – und das, obwohl aufgrund der Überalterung der Gesellschaft eigentlich mit einem starken Anstieg gerechnet wurde, meldet die Nachrichtenagentur dpa und bezieht sich dabei auf ein Gespräch mit dem Mediziner Dr. med. Robert Finger, der früher an der Universitäts-Augenklinik Bonn und jetzt am Centre for Eye Research Australia in Melbourne, arbeitet und im „Deutschen Ärzteblatt“ eine Studie veröffentlichte.

Fortschritte in der Augenmedizin

Die meisten Augenkrankheiten kämen im Alter schließlich deutlich häufiger vor, erklärte der Autor, der Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) war. Die Stabilisierung sei auf Fortschritte in der Augenmedizin zurückzuführen. Finger wertete dabei Daten des Blindengeld-Archivs des Landschaftsverbands Nordrhein aus und rechnete sie auf Deutschland hoch.

Die Zahl der als blind Registrierten nahm demnach im Rheinland von 10.665 (1978) auf 15.766 (1997) zu, blieb dann aber bis 2006 stabil bei 15.725. „Wenn man die Überalterung einrechnet, dann ist das eine Abnahme“, sagte Finger.

Gleiche Situation in Israel und Dänemark

Das gleiche Ergebnis hätten ähnliche Studien für Israel und Dänemark gezeigt. Die Erklärung dafür seien bessere Therapien. Eine Schwächung der Sehkraft werde heute in Industrieländern wie Deutschland meist frühzeitig bemerkt und behandelt, so dass es zu einer deutlichen Sehverschlechterung meist gar nicht erst komme.

Die Patienten profitierten auch von neuen Medikamenten. „Und was Erblindung aufgrund einer hohen Kurzsichtigkeit und Netzhautablösung betrifft, da ist einfach die Chirurgie in den letzten Jahren sehr viel besser geworden.“

Und dann gab es da jüngst noch eine Studie

Mit seiner heutigen Aussage hat sich Finger selbst korrigiert – oder doch nicht? Noch im vergangenen Jahr hatte er in einer anderen Studie prognostiziert: „In den nächsten zwei Jahrzehnten ist aufgrund der demografischen Entwicklung mit einer deutlichen Zunahme der Neuerblindungen pro Jahr zu rechnen“. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) (Ophthalmologie ist das lateinische Wort für Augenheilkunde) rechnete daraufhin bis zum Jahr 2030 mit 25 Prozent mehr Blinden und Sehbehinderten in Deutschland. Während im Jahr 2010 über 100.000 Personen in Deutschland neu erblindeten, würden es 2030 hochgerechnet etwa 125.000 Menschen sein.

Das hat ROLLINGPLANET verwirrt – weshalb wir Herrn Finger um Mathe-Nachhilfe baten. Die haben wir nun per Mail bekommen, und er hat sich wirklich viel Mühe gegeben:

“Beide Studien sind richtig”

„Beide Studien sind richtig,“ erklärt Finger, „bedürfen jedoch einer etwas differenzierteren Betrachtung. Die Veröffentlichung aus 2011 stellt die Entwicklung der Erblindungszahlen ausschließlich unter Berücksichtigung der Alterung der Bevölkerung bis 2030 dar. Da alle Haupterblindungsursachen altersabhängig sind (d.h. mit steigendem Alter zunehmen), würde man bei der zunehmenden Alterung unserer Bevölkerung einen weiteren Anstieg erwarten.

Nimmt man nun die Zahlen über die letzten 20-30 Jahre, sieht man, dass das nicht eingetreten ist, und die Erblindungszahlen seit ca. Mitte der 90er Jahr relativ stabil sind. Da die Bevölkerung jedoch seitdem auch weiter gealtert ist, und damit die Erkrankungen, die primär zu Erblindungen führen, häufiger geworden sind, kann nur eine verbesserte Versorgung durch Augenärzte/neue Therapien/etc. das Ausbleiben bzw. die leichte Abnahme (unter Berücksichtigung der enormen Alterung unserer Gesellschaft) dies erklären.

Die Publikationen widersprechen sich also nicht, da die Publikation aus 2011 den aufgrund der Alterung zu erwartenden Anstieg der Erblindungzahlen bis 2030 darstellt (und damit den zu erwartenden Versorgungsbedarf), und die jetzige Publikation aufzeigt, dass – wahrscheinlich aufgrund einer verbesserten Versorgung – weniger Personen als erwartet erblinden bzw. stark sehbehindert sind. Das heißt jedoch nicht, dass die Erkrankungen weniger werden. Der Versorgungsbedarf wird weiterhin ansteigen (Alterung der Bevölkerung), jedoch hat sich die Versorgung deutlich verbessert.“

(dpa/RP)


Zum Themenschwerpunkt Blinde und sehbehinderte Menschen


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