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Legal, illegal? Scheißegal! Downsyndrom-Babys werden aussortiert

ROLLINGPLANET-Dossier: Der neue Bluttest der Firma Life LifeCodexx kommt vermutlich trotz eines heute veröffentlichten Rechtsgutachtens und heftiger Proteste auf den Markt.

Der neue Bluttest kann verraten, ob ein Kind das Downsyndrom hat (Foto: dapd)

Das Gutachten

Heute wurde das Gutachten des Rechtswissenschaftlers Prof. Dr. Klaus Ferdinand Gärditz von der Universität Bonn zum „Praena-Test“ der Firma LifeCodexx vorgestellt. Als ROLLINGPLANET-Nutzer können Sie hier das ausführliche Schriftstück und die Zusammenfassung herunterladen:
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Warum „illegal“ kein Verkaufsverbot bedeutet

Laut dem Rechtsgutachten könnten nur die Bundesländer den Verkauf des „Praena-Tests“ stoppen. Dieser werde als Medizinprodukt angeboten, eine Zulassung wie bei Medikamenten ist jedoch nicht erforderlich. Das bedeutet: Die Behörden müssten ein Verbot prüfen, das Unternehmen könnte dann dagegen beim Verwaltungsgericht klagen.


Die Stellungnahme von Lifecodexx

Soeben hat sich das Unternehmen zu dem Gutachten geäußert:

Heute wurde ein umfangreiches Gutachten zur Zulässigkeit des von uns angebotenen PraenaTest® veröffentlicht. Wir können zu dessen Einzelheiten in der Kürze der Zeit nicht ausführlich Stellung nehmen, weisen jedoch auf folgende wichtige Fakten hin:

Der PraenaTest® ist eine risikolose Ergänzung bestehender nicht-invasiver vorgeburtlicher Untersuchungsmethoden. Aufgrund seiner Risikofreiheit kann er 600 bis 700 Kindern jährlich in Deutschland das Leben retten, die derzeit an Komplikationen beim invasiven Eingriff sterben.

Die Entwicklung und Anwendung des PraenaTest® erfolgt innerhalb des geltenden rechtlichen Rahmens für pränatale Untersuchungsverfahren. Für den PraenaTest® wurde das nach den medizinprodukterechtlichen Vorgaben erforderliche Konformitätsbewertungsverfahren unter der Mitwirkung einer unabhängigen benannten Stelle erfolgreich abgeschlossen. Er ist damit als Medizinprodukt CE-zertifiziert und als In-Vitro-Diagnostikum verkehrsfähig.

Bei der Anwendung des PraenaTest® werden alle nach dem Gendiagnostikgesetz einzuhaltenden Bestimmungen beachtet. Seine Durchführung obliegt den selben rigiden Vorgaben, die auch für andere pränataldiagnostische Verfahren gelten. Strafrechtliche Folgen bei der Durchführung des PraenaTest® sind nach unserer Auffassung ebenso wenig gegeben wie dies bei der ordnungsgemäßen Durchführung von anderen pränataldiagnostischen Untersuchungen der Fall ist.

Gleichwohl nehmen wir die im veröffentlichten Gutachten zum Ausdruck gebrachten Bedenken zur Kenntnis und werden uns nach entsprechender Prüfung aller Details dazu im Einzelnen äußern.


Warum reagieren werdende Eltern so panisch auf das Downsyndrom?

„Weil man es nicht kennt“, vermutet Hubert Hüppe, Behindertenbeauftragter der Bundesregierung. „Weil wir in getrennten Welten leben, in Schulen, bei der Arbeit und auch beim Wohnen.“ Eine Gesellschaft könne noch so aufgeklärt sein, das Zusammenleben mit Behinderten sei oft kein Alltag. Er habe das gerade wieder beim Bildtermin heute nach der Bundespressekonferenz gemerkt, an der auch ein Schauspieler mit Downsnydrom teilnahm: „Da hat ein Fotograf zu Herrn Urbanski gesagt: „Hey Du, stell’ Dich doch mal nach vorn.“


Für Einsteiger: Das ist das Downsyndrom

John Langdon-Down (Foto: St. George’s University of London)

Menschen mit Downsyndrom – auch Trisomie 21 genannt – haben in jeder ihrer Zellen ein Chromosom mehr, nämlich 47 statt 46 Chromosomen. Das Chromosom 21 ist dreifach vorhanden. Der englische Arzt John Langdon Down (1828 – 1896) war der erste, der im Jahr 1866 ausführlich Menschen mit den “klassischen Merkmalen” dieses Syndroms beschrieb und sie als abgrenzbare Einheit, als Syndrom, erkannte.

Downsyndrom ist eines der verbreitetsten angeborenen Syndrome, schreibt das Deutsche Down-Syndrom Infocenter auf seiner Internetseite www.ds-infocenter.de. Man findet Menschen mit Downsyndrom überall auf der Welt sowie bei allen ethnischen Gruppen und Bevölkerungsschichten. Alle drei Minuten kommt ein Baby mit Downsyndrom zur Welt, insgesamt leben weltweit zirka fünf Millionen Menschen mit Downsyndrom. Die Häufigkeit des Auftretens ist dabei mit etwa 1 auf 800 Geburten überall gleich.

Nach Beobachtung des Deutschen Down-Syndrom Infocenters führt die Zunahme pränataler diagnostischer Verfahren, verbunden mit einem positiven Befund, in letzter Zeit häufig zu der Entscheidung, die Schwangerschaft abzubrechen. Die Zahlenangaben hierzu sind in den einzelnen Ländern unterschiedlich.

Die Wahrscheinlichkeit, ein Kind mit Downsyndrom zur Welt zu bringen, steigt mit dem Alter der Mutter an. In Deutschland wird daher ein vorgeburtlicher Test allen Frauen ab 35 Jahren angeboten. Dabei muss die werdende Mutter sich allerdings mit einer Biopsie oder Fruchtwasseruntersuchung einem nicht risikolosen Eingriff unterziehen.


Hubert Hüppe, Behindertenbeauftragter der Bundesregierung (Archivfoto: Bei seinem Jahresempfang 2011, dpa)

Wie von ROLLINGPLANET bereits vorab gemeldet, ist der vom Konstanzer Unternehmen LifeCodexx, einer Tochterfirma der GATC Biotech AG, für Juli angekündigte vorgeburtliche Bluttest („Praena-Test“) auf Downsyndrom „illegal“.

Dies teilte der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Hubert Hüppe, bei der heutigen Bundespressekonferenz am Vormittag mit. Er stützt sich dabei auf ein neues, von ihm in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten der Universität Bonn. Tatsächlich bezieht der Rechtswissenschaftler Prof. Klaus Ferdinand Gärditz klar Stellung – gegen den Test. Der zunächst entstandene Eindruck, der „illegale“ Test würde nun nicht auf den Markt kommen dürfen, täuscht allerdings – das Gutachten von Gärditz reicht nicht aus, um LifeCodexx den Vertrieb zu verbieten (siehe linke Spalte).

Stark: Sebastian Urbanski

Die Bundespressekonferenz erlebte auch den eindrucksvollen Auftritt von Sebastian Urbanski: „Wir sind, verdammt noch mal, alle Menschen“, sagte er. Er hat das Downsyndrom und arbeitet im Berliner Theater „Ramba Zamba“. Derzeit leben in Deutschland etwa 50.000 Menschen mit dem Syndrom. Urbanskis Eltern haben, so erzählt der Schauspieler, ihn so gefördert, dass er lesen, schreiben und rechnen gelernt hat, dass er die Musik liebt und das Theater. „Ich finde, dass der Test verboten werden sollte“, erklärte Urbanski. „Wir sind langsamer, aber wir sind auch Menschen.“

Es klingt wie eine Mischung aus Selbstbewusstsein und Verzweiflung, und es wird still in der Bundespressekonferenz. Eine kurze Denkpause mitten in juristischen Argumentationen zu einem neuen Bluttest in den ersten Schwangerschaftswochen. Im Juli soll er in Deutschland auf den Markt kommen und anzeigen, ob ein Kind mit dem Down-Syndrom (Trisomie 21) geboren wird – in der Regel geistig behindert und mit einem anderen Körperbau. Ursprünglich war die Markteinführung spätestens für das zweite Quartal 2012 vorgesehen, wie ROLLINGPLANET im Februar exklusiv meldete.

Gegenüber ROLLINGINPLANET rechtfertigte sich seinerzeit der Hersteller LifeCodexx: „Bei allem Respekt für andere Sichtweisen und Empfindungen” sehe man sich im Recht, denn “wir untersuchen grundsätzlich nichts Neues, sondern bieten mit unserem nicht-invasiven Pränataldiagnostiktest eine risikofreie Alternative zu bereits bestehenden Methoden.“ Den herkömmlichen invasiven (Gewebe) Fruchtwasseruntersuchungen fallen in Deutschland laut Angaben von LifeCodexx jährlich 600 bis 700 ungeborene Kinder zum Opfer.

“Rasterfahndung” nach Behinderten

Hüppe hat die Bundesländer heute aufgefordert, den Schwangerschafts-Check von LifeCodexx zu verbieten: „Ich halte den Test für illegal“, so der Behindertenbeauftragte. Er spricht von Diskriminierung, Selektion und einer „Rasterfahndung“ nach Menschen mit Behinderungen.

Für Gutachter Gärditz ist der Test mit geltendem Recht nicht vereinbar – weder mit der Menschenwürde noch mit Artikel 3 des Grundgesetzes. „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden“, heißt es dort. „Der Test ist eine existenzielle Benachteiligung“, sagt Jurist Gärditz. Denn er suche ohne medizinischen Zweck wie zum Beispiel einer Gefahr für Mutter und Kind nach einer bestimmten genetischen Abweichung. Der Staat müsse sich schützend vor solche Bestrebungen stellen.

Doch die Lage ist verzwickt. Schon lange gibt es Fruchtwasseruntersuchungen, die auch auf Trisomie 21 testen. Sie sind nicht verboten, obwohl die Entnahme mit einer langen und spitzen Nadel für ein Embryo nicht völlig ungefährlich ist. Der Effekt aber ist eindeutig: 90 Prozent der Eltern entscheiden sich nach dem sicheren Wissen um ein Downsyndrom gegen ihr Baby. Warum sollte also ein Bluttest bei der Mutter, der weit weniger gefährlich ist als eine Fruchtblasenpunktion, unzulässig sein – argumentiert LifeCodexx. Auf die ROLLINGPLANET-Anfrage, wie man das Gutachten einschätze, antwortete LifeCodexx noch nicht. Dafür hat die Firma auf ihrer Homepage soeben eine Stellungnahme gestellt (siehe linke Spalte).

Das sagt der Gutachter

Gutachter Gärditz sagt, dass die Fruchtwasseruntersuchung nicht immer nur auf einen bestimmten Gendefekt teste, sondern auch therapeutische Zwecke habe. Bei Trisomie 21 sei das nicht der Fall. Ein Downsyndrom beruht auf einem Chromosomenfehler, es ist nicht heilbar.

Doch geht es nicht auch um Rechte von Eltern, die abwägen, ob sie ein behindertes Kind großziehen können? Vielleicht ihren Job aufgeben, ihre Partnerschaft auf eine Zerreißprobe einstellen und ihr erwachsenes Kind im Alter fremder Hilfe anvertrauen?

Prof. Gärditz, Fachbereich Rechtswissenschaft, Lehrstuhl für Öffentliches Recht (Uni Bonn)

Gärditz lässt das nicht gelten. „Der Konflikt wird doch erst durch die Kenntnis über die Behinderung ausgelöst“, betont er. „Ein ungeborenes Kind wird am besten durch Nichtwissen über Behinderungen geschützt.“ Doch können staatliche Stellen auf dieses Nichtwissen bestehen, wenn Forscher immer mehr Gene enttarnen und Unternehmen dieses Wissen für Schwangerschaftstests nutzen?

Ein Verbot des neuen „Praena-Tests“ dürfte ohnehin schwierig werden. Die Schwerter sind stumpf, gibt Hüppe zu. Nur Betroffene könnten dagegen klagen. Doch Mütter, die den Test nutzen, werden das kaum tun. Der Test sei auch kein Arzneimittel, müsse also kein Zulassungsverfahren durchlaufen. Er sei aber ein Medizinprodukt, dem Länderbehörden nach Auffassung des Behindertenbeauftragten die Genehmigung verweigern können. „Ich hoffe, dass staatliche Stellen einschreiten und nicht zuschauen“, sagt er. Bisher habe aber kein Bundesland Einwände erhoben, sagte eine Sprecherin der Firma LifeCodexx heute.

Politische Unterstützung für Hubert Hüppe

Die Vorsitzende der Bundesvereinigung Lebenshilfe, Jeanne Nicklas-Faust, verwies darauf, dass bei Gentests allgemein der Arztvorbehalt gelte, diese Tests also nur von Ärzten vorgenommen werden dürfen. Zudem sei die Bundesrepublik durch die Unterzeichnung der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen dazu verpflichtet, Menschen mit Behinderung in besonderer Weise zu schützen und zu achten. “Und dagegen verstößt dieser Test auf jeden Fall.”

Hüppe (CDU) bekommt politische Unterstützung für seinen Widerstand – auch aus der eigenen Partei, was bemerkenswert ist, weil eine CDU-Spitzenpolitikern und Angelika-Merkel-Freundin half, den “Praena-Test” zu entwickeln (siehe unten). So kritisierte die Unionsfraktion im Bundestag heute scharf den “Praena-Test”. Er leiste “der routinemäßigen Selektion menschlichen Lebens Vorschub”, erklärten die stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Ingrid Fischbach (CDU) und Johannes Singhammer (CSU). Sie forderten die zuständigen Landesbehörden auf, den Verkauf des 1.249 Euro teuren Tests zu unterbinden, der laut Hersteller ab der zwölften Schwangerschaftswoche “bereits aus einer Blutprobe der Schwangeren eine Trisomie 21 zuverlässig ausschließen oder bestätigen” kann.

Mitglied des Bundestages: Maria Michalk

Die Behindertenbeauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Maria Michalk, sieht den Druck auf Eltern behinderter Kinder wachsen: “Mit einem neuerlichen Testverfahren soll die Fahndung nach Kindern mit Behinderung im Mutterleib vorangetrieben werden”.

Immer mehr Eltern gerieten durch die Möglichkeiten der Früherkennung in den Konflikt, noch während der Schwangerschaft sich für oder gegen das Leben ihres ungeborenen Kindes zu entscheiden, sagte Michalk. Es stehe außerdem zu befürchten, dass in Zukunft immer mehr Mütter, die ein Kind mit Downsyndrom zur Welt brächten, “in eine Rechtfertigungsschleife geraten, warum sie die entsprechende Diagnostik offenbar nicht genutzt haben”.

“Jedes Leben ist schützenswert, ob mit oder ohne Behinderung, ob vor oder nach der Geburt”, so Michalk. Eine tolerante und vor allem inklusive Gesellschaft nehme jedes Kind und jeden Menschen so auf, wie es oder er eben sei. “Wenn diese Haltung in allen Köpfen angekommen ist, besteht Hoffnung, dass vorgeburtliche Selektionsverfahren auf dem Rückmarsch sein werden.”

Möglicherweise aber scheitert der Test auch ohne ein Verbot? Eltern müssten ihn aus eigener Tasche bezahlen, erklärte Michalk. “Ob sich dieses vergleichsweise teure Produkt auf dem hiesigen Markt durchsetzen wird, liegt daher auch in der Hand der werdenden Mütter und Väter selbst. Sie steuern mit, ob sich das neue Verfahren etablieren wird.”

Mit Fördergeldern des Bundes

Bundesforschungsministerin Prof. Dr. Annette Schavan gab Geld.

Besonders pikant: Der Test wurde von Hüppes Parteikollegin und Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) mit 230.000 Euro gefördert. Auf Anfrage von ROLLINGPLANET wollte sich das Ministerium heute zu diesem Thema nicht äußern. Ähnlich erging es der Nachrichtenagentur dapd, die ebenfalls erfolglos um eine Stellungnahme bat.

Das Ministerium hatte sich allerdings bereits im August letzten Jahres gegen die von Hüppe nicht hinter verschlossenen Türen, sondern in einem großen Interview mit einer Berliner Zeitung erhobenen Vorwürfe gewehrt. Damals hieß es, es sei “ethisch unvertretbar, die Weiterentwicklung einer in Deutschland angewandten Untersuchungsmethode nicht fördern zu wollen, die das ungeborene Leben und die werdende Mutter besser schützen könnte”. Die mögliche Anwendung des Verfahrens entbinde im Übrigen alle Beteiligten nicht von der Einhaltung gesetzlicher Vorschriften.

Doch es gibt ebenso zahlreiche Befürworter des Bluttests – solche, die es nicht öffentlich auszusprechen wagen, und solche, die Flagge zeigen. So hat Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery in der „Rheinischen Post“ das neue Produkt verteidigt: „Unsere Gesellschaft hat sich für Pränatal-Diagnostik entschieden. Das Rad lässt sich nicht mehr zurückdrehen“, sagte er.

Auch die Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Bundestag, Carola Reimann (SPD), äußerte bereits vor einigen Wochen: „Bei einer Schwangerschaft sollte zunächst die Frau im Mittelpunkt stehen. Der neue Test wäre für sie eine frühe, einfache und gefahrlose Untersuchung.”

Da kommt noch viel mehr auf uns zu

Humangenetiker und Medizinethiker Prof. Wolfram Henn spricht von einem “Donnerschlag”. (Uni Köln)

Doch wie sinnvoll und erfolgreich ist der Protest gegen den „Praena-Test“ von LifeCodexx? Wissenschaftler arbeiten bereits an viel weitreichenderen Untersuchungsmethoden. Vor einem Monat präsentierten Wissenschaftler der Universität Washington eine Methode, das Erbgut des Kindes aus etwas Blut der Mutter und Speichel des Vaters zu bestimmen. Dadurch lassen sich mehr als 3.000 Krankheiten feststellen. Noch ist dieser Test zu aufwändig und teuer, um routinemäßig angewendet zu werden. Aber wie lange noch? Erst diese Woche stellten Forscher der Stanford University ein ähnliches Verfahren vor.

Der Humangenetiker und Medizinethiker Prof. Wolfram Henn von der Universität des Saarlandes warnt: „Das ist ein Donnerschlag und ändert die Perspektive auf vorgeburtliche Untersuchungen fundamental.“ Die Politik müsse sich nun um die ethischen Fragen dieser technischen Möglichkeit kümmern. „Aus technologischer Sicht ist es der Heilige Gral der Genomanalyse, aus ethischer Sicht aber ist es sehr problematisch, Eltern das komplette Genom ihres Kindes schon vor der Geburt zu offenbaren.“

Tatsächlich erarbeitet derzeit der Deutsche Ethikrat im Auftrag der Bundesregierung eine Stellungnahme zur Zukunft der genetischen Diagnostik. Doch ROLLINGPLANET fürchtet: Ethik hat die Technologie und Gier von Unternehmen noch nie dauerhaft aufhalten können. Schon Bertolt Brecht wusste: Erst kommt das Fressen, dann die Moral. Dementsprechend mutmaßten wir gestern: Megamarkt: Die genetische Diagnostik und die Selektion 2.0 sind nicht mehr zu stoppen.


(Ulrike von Leszczynski/ Stefan Lange/dpa/dapd/RP)


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3 Kommentare

  1. angelika5. Juli 2012 at 18:58Antworten

    Ohne Worte auch hier poste ich es nochmal gerne

    Mehr als dieser Film bzw. Botschaft als Anwort an die Verantwortlichen fällt mir dazu nicht ein

    Mein Zwerg mit Down-Syndrom!!Na und?

    http://www.youtube.com/watch?v=F4VZqs0C_i8&feature=player_embedded

    vielleicht sendet ihr diesen Link einfach an die Verantwortlichen Politiker und den Pharmakonzern, ich bezweilfe zwar, das die dadurch erkennen das sie liebenswertes menschenleben töten, aber wir zeigen das wir nicht alles so hinnehmen wie die es uns vorsetzten

    angelika

  2. Panagrellus14. Januar 2013 at 14:45Antworten

    In den Neujahrsansprachen der Bischöfe kam das Thema Pränataltest auch wieder vor, deshalb kommentiere ich jetzt nochmal kurz hier. Den Test verbieten zu wollen, oder Schwangeren mit der Moralkeule zu kommen halte ich für falsch. Ich finde es aber auch für bedenklich, wie unerwünscht Behinderte in unserer Gesellschaft anscheinend sind und welche irrationalen Ängste zum Leben mit Kindern mit Down Syndrom umgehen – sieht man anderswo in manchen Kommentaren.
    Aber wenn man das ändern will, bringt es nichts, den neuen Test zu verbieten. Im Gegenteil, da der Test ab der 10.Woche ein brauchbares Ergebnis liefert, bleibt der Schwangeren mehr Zeit für eine souveräne Entscheidung, die dann vielleicht auch mal eine mutige Entscheidung für das Kind ist – trotz des massiven Drucks aus Teilen unserer Gesellschaft, das Kind nicht auszutragen.

    Ich habe drüben auf meinem Blog Panagrellus.de ausführlich zu DS und dem neuen Test geschrieben.
    http://panagrellus.de/?p=159

  3. PraenaTest – Ethische Aspekte 2 – Die aktuelle Diskussion | Praxis für Pränatalmedizin Darmstadt - Prof. Scharf16. Juni 2013 at 20:20Antworten

    [...] des Diagnostikprodukts PraenaTest". Der Text ist bei Rollingplanet auf der Seite "Legal. illegal? Scheißegal! Downsyndrom-Babys werden aussortiert" und bei Down Kind München als Download [...]

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