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Ein Jahr Bufdis: Nicht nur Jubel – sondern auch viele Vorwürfe

Der Bundesbeauftragte für die Freiwilligendienste, Jens Kreuter, hat Kritik an dem vor zwölf Monaten eingeführten und bislang vielfach gelobten Bundesfreiwilligendienst (BFD) zurückgewiesen.

Der Bundesbeauftragte für die Freiwilligendienste, Jens Kreuter, wehrt sich gegen Bufdi-Kritik. (Foto: dpa)

„Die politisch motivierte und irreführende Informationspolitik mancher Träger ist schon empörend“, sagte Jens Kreuter (sein offizieller Zungenbrechertitel lautet: Leiter des Arbeitsstabes Freiwilligendienste im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend). Die Worte fielen bei einem Besuch im ostfriesischen Norden, wo er unter anderem bei der Behindertenhilfe Norden vorbeischaute.

Dort traf Kreuter auch den 60-jährigen Budfi Werner Lenhoff. „Ich wollte bis zur Rente etwas Sinnvolles tun“, so Lenhoff. Als Bundesfreiwilliger arbeitet er als Hausmeister im Haus Uldinga, einem Wohnheim der Behindertenhilfe. „Ich bin mittendrin, alle 32 Bewohner des Hauses kennen mich. Es ist spannend zu sehen, wie sie den Tag bewältigen und mit Problemen umgehen.“

Beim BFD können, im Gegensatz zum Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) und Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ), auch über 27-Jährige mitmachen – so wie Lenhoff. (Siehe ROLLINGPLANET-Übersicht: Bufdis & Co.: Freiwilligendienste im Vergleich)

Kreuter lobte Lenhoff und das Engagement von Freiwilligen bei der Behindertenhilfe. Es sei nach dem Wegfall des Zivildienstes bundesweit gelungen, diese Aufgaben vollständig auszugleichen, sagte Kreuter.

Kritik von Wohlfahrtsverbänden, SPD und Grünen

Wohlfahrtsverbände hatten zuvor von einer Lücke gesprochen, die die Zivildienstler hinterlassen hätten. Zum einjährigen Bestehen forderten außerdem Vertreter von SPD und Grünen eine Zusammenlegung mit dem Freiwilligen Sozialen Jahr und warfen dem neuen Angebot Bürokratismus vor. Kreuter widerspricht in einem Interview mit der „Lausitzer Rundschau“:

„Die Abläufe sind für alle Beteiligten natürlich noch neu und müssen sich deswegen einspielen. Bei einem Projekt in dieser Dimension ist es eine enorme Leistung der Verwaltung, dass vom ersten Tag an alles funktioniert hat. Ich finde, da sollten die Kritiker doch etwas mehr Respekt vor den vielen Tausend Menschen auch bei Trägern, Einrichtungen und Verbänden zeigen, die in enorm kurzer Zeit dieses Riesenprojekt ins Laufen gebracht haben.“ Außerdem sei der Aufwand beim BFD größer, da man mehr als beim FSJ kontrolliere, wie die Freiwilligen eingesetzt würden.

Verschwörungstheorien und Science-Fiction

Bisher wurde vielfach gelobt, dass es mehr Bufdi-Kandidaten als die für 2012 geplanten 35.000 Stellen (monatlich 336 Euro Taschengeld plus Sozialversicherungsbeiträge und Zuschuss zur Verpflegung) gibt. Dies jedoch liegt laut dem SPD-Bundestagsabgeordneten Sönke Rix daran, dass gezielt Arbeitslose zum BFD geschickt würden. Stimmt das? Kreuter: „Die Frage haben wir uns auch gestellt. Aber trotz intensiver Suche aller Beteiligten haben wir unter den mehr als 80.000 Bewerbern nicht einen einzigen gefunden, der gezielt von der Arbeitsagentur in den BFD gedrängt worden wäre.“

Bei seinem Besuch bei der Behindertenhilfe Norden musste Kreuter sich auch Kritik an den Inhalten der fünf Seminarwochen anhören, die ein Bufdi machen muss. Eine Unterrichtseinheit soll Verschwörungstheorien und Science-Fiction behandelt haben.

(RP/dpa)

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