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Die Leiden des Felix S.

Felix Schell gilt als eines der größten Talente im deutschen Rollstuhlbasketball. Nun musste ihm das rechte Bein amputiert werden. ROLLINGPLANET schildert, wie er sich zurückkämpft. Von Jan Haller und Andreas Joneck

Felix Schell, bevor ihm sein rechtes Bein amputiert wurde. (Foto: Mediashots Werbefotografie)

Er hat bis zu seiner schweren Knieverletzung die wohl stärkste Saison seiner bisherigen Karriere gespielt, dann verschwand er von der Bildfläche: Felix Schell, 22 Jahre alt, eines der größten Centertalente in Deutschland, sein Verein: RSV Lahn-Dill. Eine schwerwiegende Entzündung in seinem lädierten rechten Knie machte eine Fortsetzung der Saison für den jungen Hünen unmöglich. Sein letztes Spiel absolvierte er vor mehr als fünf Monaten am 4. Februar gegen die Jena Caputs und erzielt dabei neun Punkte.

Was folgte war eine lange Leidensgeschichte mit zahlreichen Operationen im Universitätsklinikum Münster in Westfalen. Der Grund war eine Entzündung in seiner Knieprothese, die ihm erst entfernt und später ersetzt werden musste. Am Ende jedoch stand die Entscheidung an, mit der sich das Rollstuhlbasketball-Talent bereits seit vielen Jahren langfristig konfrontiert sah: Die Amputation seines rechten Beines, nachdem die Entzündung auch nach dem Austausch des künstlichen Kniegelenkes nicht in den Griff zu bekommen war.

Am Computer mitgefiebert – dann die Entscheidung

Beim Pokalsieg und dem Gewinn der deutschen Meisterschaft war Felix noch hautnah dabei, unterstützte seine Mannschaft in der heimischen August-Bebel-Sporthalle ohne allerdings eingreifen zu können. „Es tat gut, dass ich in dieser Zeit wenigstens ein bisschen beim Team sein konnte. Das Gefühl, trotzdem nicht mitmachen zu dürfen ist dennoch grausam.“ Als die Mannschaft Anfang Mai im türkischen Istanbul die Champions League gewinnt, fiebert er zu Hause am Computer mit. Eine Reise mit dem Flugzeug wäre viel zu gefährlich gewesen. In dieser Zeit wurde ihm gerade das künstliche Kniegelenk entfernt, weshalb er das Bein nicht belasten durfte.

Nach sechs Wochen wird ihm die Knieprothese wieder eingesetzt. Anfangs sieht es gut aus, da sich keine neuen Entzündungen erkennen lassen, doch plötzlich wendet sich das Blatt schlagartig: „Es entzündete sich erneut. Da kam das erste Mal eine Amputation ins Gespräch.“ Nach langer Überlegung und schlaflosen Nächten entschied sich Felix letztlich für die Amputation seines schwer verletzten Beines.

Er denkt schon an die neue Saison

Felix Schell hält den Ball fest (Archivfoto aus der vergangenen Saison: Armin Diekmann)

„Ich habe mich unter anderem lange mit meinem Teamkollegen Dirk Köhler unterhalten, der mir in meiner Situation zu einer Amputation geraten hat. Schließlich hat er das Ganze ja auch schon durchgemacht“, so der gebürtige Bayreuther. So erfolgte am 12. Juni in Münster die Amputation. Mittlerweile ist der Medizinstudent wieder im heimischen Gießen, die Operation hat er den Umständen entsprechend gut weg gesteckt und ist guter Dinge für die neue Spielzeit, die am 29. September mit einem Heimspiel gegen den USC München beginnt.

Sein Ziel ist klar: „Ich möchte vorerst in Ruhe gesund werden und mich an die neue Lebenssituation gewöhnen. Natürlich mache ich mir aber auch Gedanken darüber, wann ich endlich wieder mit den anderen auf dem Feld stehen kann. Der Saisonstart wäre ein Traum, ob dies realistisch ist, werden wir sehen“, so Felix Schell.

In der vergangenen Woche bereits hat Felix seine ersten Wurfeinheiten absolviert und will sich nun bis zum Trainingsauftakt im August langsam aber sich wieder heran kämpfen. „Das Ballgefühl ist nach fünf Monaten natürlich nicht mehr das Gleiche und die Kondition etwas im Keller, aber daran kann man ja arbeiten“, so der 22-Jährige, der schmunzelnd hinzufügt, dass er ja nun mit einer möglichen Reduzierung seiner Klassifikationspunkte von 4,5 auf 4,0 aus der Not ja auch eine Tugend machen kann.

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