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Spende von Thomas Gottschalk für behinderte Menschen

Mit dem Geld wurde ein Bauernhof in ein Gästehaus verwandelt und für zwölf Behinderte ein Arbeitsplatz geschaffen.

Die behinderten Mitarbeiter Michel Orth (l.) und Thomas Herz führen die Ponys Lisel und Willy im Ferienhof “Pferde- und Straußenhof Thomas Gottschalk” in Königswalde bei Werdau. (Foto: Uwe Meinhold/dapd)

Seit Dezember 2010 und dem „Wetten, dass…“-Unglück von Samuel Koch bleibt Thomas Gottschalk bekanntermaßen nichts anderes übrig, als ein Behindertenfreund zu sein. Doch er war das bereits vor dieser tragischen Sendung. Was man der Plaudertasche als TV-Zuschauer nicht unbedingt immer ansieht: „Thomas ist ein Entertainer“, schreibt Koch in seinem Buch „Zwei Leben“, „aber neben dieser professionellen Rolle ist er auch ein nachdenklicher Mensch mit Tiefgang.“

Dem nachdenklichen Menschen mit Tiefgang ist ein besonderer Treffpunkt zu verdanken, dem er vor zehn Jahren die Initialzündung ermöglichte. Eine deftige Brise Landluft empfängt die Gäste in Königswalde (Landkreis Zwickau). Gerade einmal 2.300 Einwohner leben hier. Kleine Wegweiser führen zum Bauerngut mit dem merkwürdig anmutenden Namen “Pferde- und Straußenhof Thomas Gottschalk”. Das Gelände liegt am Ende der idyllischen Ortschaft zwischen den Städten Zwickau und Werdau. Urlauber auf der Suche nach Erholung sind hier willkommen. Das Besondere an dem Haus mit dem langen Titel: Es wird von Menschen mit geistigen Behinderungen und psychischen Beeinträchtigungen bewirtschaftet, betrieben wird die Anlage vom Christlichen Sozialwerk (CSW).

Wo Gottschalk ist, da ist Medienrummel

Vor zehn Jahren stand das damalige Caritas Sozial Werk in Zwickau völlig unerwartet im Fokus der Öffentlichkeit. Showmaster Thomas Gottschalk hatte der Einrichtung im Laufe von 24 Monaten nach und nach umgerechnet 318.000 Euro gespendet. In der Zwickauer St. Mauritius-Werkstatt gaben sich Journalisten wochenlang die Klinke in die Hand, erinnert sich CSW-Regionalleiter Roger Georgi. Die 240 Mitarbeiter mit Behinderungen und die 45 angestellten Betreuer waren plötzlich Medienstars.

Ja, wir waren eben alle mal jung…

Die Spende von Gottschalk hatte sich aus verschiedenen Aktionen zusammengesetzt. Den Anfang machte der Erlös aus der CD “What happend to Rock´n´Roll” von der Band “Thomas Gottschalk und die besorgten Väter”. Resultierend aus einer verlorenen Saalwette bei der ZDF-Show “Wetten, dass…?” wollten in die Jahre gekommenen Alt-Rocker augenzwinkernd die Musik ihrer Jugend wieder massentauglich präsentieren. Die Aktion Mensch hatte den Erlös jedoch nahezu komplett mit einer zuvor genehmigten Beihilfe für die Zwickauer Caritas-Einrichtung verrechnet.

Erst danach kam der Geldsegen in Schwung: Gottschalk spendete seinen Gewinn von 500.000 D-Mark aus der Prominentenausgabe von Günther Jauchs “Wer wird Millionär” komplett an die Zwickauer Werkstatt. Später sammelte der Showstar weitere 120.000 Mark auf einer Benefizgala des Musicals “Saturday Night Fever” in Köln für die Sachsen. Aus einer verlorenen Stadtwette in Leipzig schließlich folgte nochmals eine vergleichsweise kleine Summe, die ein Schokoriegelproduzent dem Gottschalk-Projekt zur Verfügung stellte.

Auf die Zwickauer Werkstatt wurde die Agentur Gottschalks aufmerksam, nachdem er für eine Einrichtung im Osten Deutschlands mit möglichst katholischem Hintergrund spenden wollte, die das Geld in ein neues Vorhaben investiert.

Gottschalks Spende hat viel bewirkt. Früher war der Vierseithof marode. (Ein Vierseithof ist die Bezeichnung für eine landwirtschaftlich Hofform, die von allen vier Seiten von Gebäuden umschlossen ist). Dank der Spende des Showmasters und mit zusätzlichen Fördergeldern wurde der Hof zwei Jahre lang aufwendig saniert. Insgesamt flossen rund 690.000 Euro in den Ausbau des Gehöfts, das vermutlich um 1890 gebaut wurde.

Seit acht Jahren stehen zwei Ferienwohnungen (77 Quadratmeter, Belegung mit maximal 6 Personen möglichen, und 55 Quadratmeter, Preis bei 4-Personen-Belegung: jeweils 40 Euro/Tag) und zwei Doppelzimmer (12 Euro/Tag) für Urlauber offen. Frühstücksservice gibt es auf Anfrage und kostet 4 Euro. Ein Appartement werde vorrangig an Langzeitgäste vermietet. Auch auf dem Heuboden können Gäste übernachten. Die Auslastung der Gästezimmer liege bei 40 Prozent und damit über dem Durchschnitt vieler Herbergen in der Region.

Big Spender hat sich noch nicht blicken lassen

Viele Gäste hat das Gehöft inzwischen erlebt – nur der Spender fand niemals den Weg in die südwestsächsische Provinz. Bis heute nicht.

“Ich habe Gottschalk mehrmals bei Fernsehsendungen und Scheckübergaben getroffen”, sagt Georgi. Schon damals habe der Moderator klargestellt, wenn er einmal den Hof besuchen werde, dann nur ohne Ankündigung und ohne öffentliches Aufsehen. Der Regionalleiter kann es verschmerzen, dass der Entertainer “seinem” Hof bisher fernblieb. “Die Einladung steht, und wir würden uns über seinen Besuch freuen. Viel wichtiger aber ist das Ergebnis der eingesetzten Spende.”

ROLLINGPLANET empfiehlt Georgi, sich mal einen klapprigen Golf zu besorgen: „Wenn Thomas Gottschalk zu Besuch kommt, würde man wenigstens einen Helikopter erwarten, der unter Getöse (…) auf der Wiese landet, vielleicht ein paar Leibwächter und auf jeden Fall ziemlich viel Tamtam. Aber nichts von alledem passierte“, schreibt Samuel Koch. „Meine kleine Schwester holte Thomas Gottschalk (…) mit meinem klapprigen, zwölf Jahre alten Golf vom Flughafen ab (…) und fuhr ihn auf dem gleichen Weg auch wieder zurück.“

Zwei Mitarbeiter mit psychischen Behinderungen leben ebenfalls in eigenen Wohnungen auf dem Anwesen. Insgesamt bietet der Hof zwölf Menschen mit Behinderung Arbeit, die von zwei nichtbehinderten Angestellten und einem Helfer im Bundesfreiwilligendienst betreut werden. Sie bewähren sich in der Landschaftspflege, der Hauswirtschaft und der Landwirtschaft. Zu den Aufgaben der Behinderten gehören die Betreuung der Feriengäste, der Hoftiere und die Pflege der Außenanlagen.

Gäste werden erst mal von zwei Alpakas begrüßt

Die Stars auf dem Bauernhof sind zwei Straußendamen und zwei Alpakas, die sämtliche Besucher neugierig begrüßen. Pferde, Ziegen, Hängebauchschweine, Kaninchen, allerlei Geflügel und mehrere Katzen verwandeln das Anwesen in einen Erlebnisbauernhof, den auch zahlreiche Kinder- und Jugendgruppen aus der Region zu Tagesausflügen nutzen.

“Ohne die Gottschalk-Spende wäre der Kauf des Areals für uns nicht möglich gewesen”, sagt Georgi. Er sieht darin eine sinnvolle Ergänzung der Behindertenarbeit in der Werkstatt, die Mitarbeitern neue Perspektiven und einen Weg in ein selbstbestimmtes Leben ermögliche. Damit dies gelingt, begleitet eine Sozialarbeiterin die Behinderten. Es ist erklärtes Ziel der St. Mauritius-Werkstatt und des Thomas-Gottschalk-Hofes, die Mitarbeiter – soweit sie die Fähigkeiten dazu haben – auf den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln. So habe erst jüngst ein behinderter Mitarbeiter nach einem Praktikum eine Festanstellung in einer Gärtnerei erhalten, betont man.

Webseite: Pferde- und Straußenhof Thomas Gottschalk

(Nils-Eric Schumann/dapd-lsc)

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