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Arthur Bispo do Rosario: Das Olympic Arts Festival zeigt einen der bedeutendsten behinderten Künstler

Der deutsche Direktor des Londoner Victoria and Albert Museums ist begeistert vom Kulturprogramm der Olympischen Spiele und erklärt, warum die Arbeiten des Brasilianers während der Paralympics gezeigt werden.

Kunstwerk von Arthur Bispo do Rosario.

Die Olympischen Sommerspiele werden von einem riesigen Kulturprogramm, dem Olympic Arts Festival, begleitet. Das Victoria and Albert Museum in London beteiligt sich mit drei Ausstellungen. Professor Martin Roth, deutscher Direktor des Museums und zuvor Leiter der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, spricht über das Festival.

Prof. Martin Roth war Museumschef in Dresden, bevor er nach London ging. (Foto: dpa)

Was halten Sie von der Idee und dem Programm des Olympic Arts Festivals?

Eine brillante Idee, Kultur und Sport zu verbinden.

Warum?

Wir alle haben in den letzten Jahren erfahren, wie wichtig es ist, die positive Wirkung, die sowohl Sport als auch Kultur in unserer Gesellschaft erreichen, mehr und deutlicher wahr zu nehmen und zu schätzen.

Im Vereinigten Königreich finden derzeit 12.000 Veranstaltungen statt, überall, selbst in entlegenen Gebieten. Die Absicht ist es, die Bevölkerung dadurch zu inspirieren, in Zukunft Kunst und Kultur mehr zu einem wichtigen Bestandteil ihres Lebensalltags zu machen.

Für uns im Victoria and Albert Museum ist das Festival ein wichtiger Schritt, um für noch mehr für Kreativität innerhalb einer jüngeren Bevölkerungsgruppe zu werben. Dies gilt nicht so sehr für London, sondern für Gegenden, die sozial und wirtschaftlich schwach sind.

Was sind aus Ihrer Sicht die besonderen Höhepunkte des Festivals?

Man kann den Organisatoren, Ruth Mackenzie and Tony Hall vertrauen, wenn es um Anspruch und Qualität geht – beide haben Großes in Großbritannien und international erreicht.

Es ist ein riesiger Reigen von unterschiedlichsten Ausstellungen, Festivals, Events, Programmen: Vom World Shakespeare Festival und der Shakespeare Ausstellung im British Museum in London bis hin zu Big Dance, Pina Bausch im Barbican oder dem irrwitzigen “Mittwoch aus Licht” von Stockhausen, das in Helikoptern gespielt wird, die über der Oper kreisen.

Im Victoria and Albert Museum widmen wir uns vor allem dem kreativen Großbritannien, den weltweit führenden Designern im Bereich der Mode und Produktgestaltung, aber auch der Architektur.

Was genau gibt es bei Ihnen zu sehen?

Unsere Solo-Ausstellung ist dem ungewöhnlichen Designer-Talent Thomas Heatherwick gewidmet. Thomas Heatherwick, dessen berühmte Großmutter übrigens in den 1930er Jahren aus Dresden vertrieben worden ist, ist ein genialer Erfinder und Gestalter. Sein Pavillon für die EXPO in Schanghai schreibt bereits jetzt Geschichte, seine Neugestaltung des Doppeldecker-Busses kann man in ersten Exemplaren bereits auf der Straße sehen.

“Britain Creates 2012: Fashion + Art Collusion” ist eine kleine, aber höchst aufregende Ausstellung, die Objekte ausstellt, die von Künstlern und Designern gemeinsam entwickelt wurden.

Und schließlich die Arbeiten von Arthur Bispo do Rosario, die wir während der Paralympics zeigen werden. Do Rosario ist ein Künstler, der den größten Teil seines Lebens in der Psychiatrie verbrachte. Er zählt heute zu den bekanntesten und einflussreichsten Künstlern Brasiliens. Mit ihm wollen wir vor allem schon jetzt die Brücke in das Land der nächsten Olympischen Spiele bauen. (Anm. d. Red.: Die Olympischen Spiele 2016 finden zwischen vom 5. bis 21. August 2016 in Rio de Janeiro statt.)

Wie ist der Besucherzuspruch bei den Ausstellungen, wie sind die Reaktionen der Besucher?

Das Victoria and Albert Museum hat seine Besucherzahlen in der letzten Zeit verdreifacht, die Heatherwick-Ausstellung hat schon jetzt die angestrebte Besucherzahl weit übertroffen. Dasselbe gilt für die “British Design 1948-2012″-Ausstellung.

Was sagen Sie zu der Kritik, das Kulturfestival wäre gigantisch, profillos und nur auf Entertainment angelegt?

Freuen wir uns doch, dass sich ein ganzes Land an den Spielen und der Kultur beteiligt, dass Kultur vor allem auch in wenig privilegierten Gegenden stattfindet, dass Londons Osten eine immense Aufwertung erfahren hat, und dass sich vor allem eine Stadt voller aufregender globaler Kultur mit den globalen Olympischen Spielen auf einer Augenhöhe begegnen.

Ich jedenfalls fiebere der Eröffnung der Spiele entgegen und nehme jede Gelegenheit wahr und inhaliere geradezu das Kulturprogramm.

Danke für das Gespräch.

(Das Interview führte dapd-Korrespondent Sven Wierskalla)

Arthur Bispo do Rosário

Arthur Bispo do Rosário: Stoffe waren seine Leinwand

Der Autodiktakt Arthur Bispo do Rosário wurde vermutlich 1911 (es gibt dazu erheblich unterschiedliche Angaben) in Japaratuba, Sergipe an der Ostküste Brasiliens geboren. 1938 kam er erstmals in psychiatrische Betreuung: Er hielt sich für den Heiligen Joseph, dem Jesus begleitet von blauen Engeln erschienen war. Im Krankenhaus Colinia Juliano Moreira begann er, einem göttlichen Auftrag folgend, kreativ zu arbeiten. Insgesamt lebte er 50 Jahre lang mit der Diagnose paranoide Schizophrenie in der psychiatrischen Abteilung. Er starb 1989.

Als Künstler betrachtete er sich nie, seine Arbeiten sah er als einen spirituellen Auftrag. Er stickte seine Gedichte, Botschaften und andere Texte auf alle Stoffe, die ihm unterkamen: Betttücher, Tagesdecken, alte Uniformen, Anstaltskleidung. Mit dieser handwerklichen Technik hatte Bispo do Rosário seine Sprache gefunden, er brauchte weder Entwürfe noch Vorzeichnungen. Die gestickten Buchstaben, oft groß und deutlich ausgeführt, erinnern in ihrer ornamentalen Pracht an die Inkunabeln (gedruckten Schriften, die zwischen der Fertigstellung der Gutenberg-Bibel im Jahr 1454 und dem 31. Dezember 1500 hergestellt wurden) mittelalterlicher Buchkunst.

Bispo do Rosário schrieb darüber hinaus auch auf Papier, Pappe und Holz, baute Stellagen für seine Inventare aus unzähligen Tafeln. Namenslisten, Zahlenkolonnen, Ordnungsystemen: So arbeitete er ständig an einer Katalogisierung des eigenen Lebens. 2008 wurde er das erste Mal in Deutschland ausgestellt.

Quelle und weitere Informationen: Culturbase.net/Katrin Bettina Müller

Fotos: gaby-cajubrasil.blogspot.de

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