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Niemand berührt mich – verdammt noch mal, ich bin einsam

„Berührt uns!“ empfehlen Samuel Koch und Philippe Pozzo di Borgo im aktuellen „Spiegel“ gegen Einsamkeit. Aber was tun, wenn einen niemand berühren will?

Bitte einmal umarmen! (Foto: Dieter-Schütz/pixelio.de)

Manchmal sind Nichtbehinderte ja leider etwas begriffsstutzig, und deswegen werden viele von ihnen auch nach der „Spiegel“-Lektüre möglicherweise lieber in den Himmel starren als mal einen Behinderten anzufassen:

„Die Leute haben Angst vor uns. Das Einzige, was uns bleibt, ist, sie zu verführen, mit dem Lächeln, das wir haben, mit unserem Humor. Wenn der Kontakt einmal hergestellt ist, dann ist der Weg frei. Berührt uns!“, sagt Philippe Pozzo di Borgo (dessen Leben mit „Ziemlich beste Freunde“ verfilmt wurde) im aktuellen „Spiegel“, in dem er gemeinsam mit Samuel Koch „Behinderten-Business“ (Pozzo di Borgos Ausdruck für Aufklärungsarbeit) betreibt.

Aber andererseits sind leider auch nicht alle Behinderte so mutig wie der ehemalige Champagner-Manager, der seit einem Paragliding-Unfall Tetraplegiker ist und im E-Rollstuhl sitzt: „Jedes Mal, wenn eine Frau auf mich zukommt, bitte ich sie, mich zu umarmen.“

Was aber, wenn man das so auszusprechen nicht wagt, aber man verdammt einsam ist? „Einsame Menschen sollten mit kleinen Schritten versuchen, sich anderen zu öffnen“, rät Werner van Haren, Psychotherapeut in Köln. Und man solle diesen Zustand nicht unterschätzen: Einsamkeit sei gefährlich, da sie krank mache, warnt er.

Das altmodische Tagebuch

Ein Anfang aus der Isolation sei es beispielsweise, Tagebuch zu schreiben. „Anschließend könnte man sich überlegen, die Dinge, die man in das Tagebuch schreibt, anderen zu erzählen“, erklärt van Haren. Wer es nicht so altmodisch mag, dem empfiehlt ROLLINGPLANET das moderne Tagebuch: Bloggen Sie.

Wer nicht gleich eine eigene Blogseite unterhalten will, kann sich sich auch gut über Internetforen auszutauschen. Die Anonymität senke die Hemmschwelle, mit anderen Menschen über Probleme und Ängste zu sprechen, so van Haren. „Natürlich ersetzt das aber nicht leibhaftige Kontakte“.

Entscheidend sei, dauerhaft soziale Kontakte zu knüpfen. Denn so könnten Betroffene ein stärkeres Selbstwertgefühl entwickeln und schafften es eher, sich aus ihrer Einsamkeit zu befreien.

(RP/dpa)

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