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Wir sehen: Einen Blindenführhund

ROLLINGPLANET zeigt sich weitsichtig: Vom 8. bis 15. Oktober 2012 ist die „Woche des Sehens“. Vorher quatschen wir aber noch ein wenig über Tiere.

Eigentlich ein ganz normales Pressefoto von der “Woche des Sehens”: Eine blinde Frau mit ihrem Blindenführhund in der U-Bahn. Aber dieser treue Blick hat die diensthabenden ROLLINGPLANET-Redakteure ins Schwärmen und zum Schwafeln gebracht.

Wie überbrückt man die Zeit bis Oktober? Mit ein wenig Palaver. Also tun wir das nun mal. In unserer Redaktion ist niemand blind. Und blind werden möchte eigentlich niemand. Aber immer wenn wir einen Blindenführhund sehen, werden wir trotzdem neidisch. Wie heißt es so schön in „Wallstreet“ mit Michael Douglas? Wenn Du einen Freund haben willst, kauf Dir einen Hund. Aber mit einem Blindenführhund verhält es sich vermutlich so wie mit einem Behindertenparkplatz und Parkplatzschweinen: Willst Du meinen Platz, nimm meine Behinderung.

Gerade laden wir aus der Presseabteilung von der „Woche des Sehens“ ein Foto herunter (siehe oben), und jedes Mal denken wir bei solchen Gelegenheiten: Warum haben die Blinden immer so super süße Hunde? So treu kann man doch gar nicht schauen! Könnten wir nicht einfach bei nächster Gelegenheit so einen Blindenführhund klauen? Aber die sind vermutlich derart gut erzogen, dass die sich nicht ohne weiteres entführen lassen. Mit einer Wurst ist es da wohl nicht getan.

Wirklich statt ziemlich beste Freunde

Weil momentan Behindertenkomödien trendy sind, überlegen wir uns, ob das nicht ein guter Filmstoff wäre: „So klaue ich einem Blinden seinen besten Freund“. Al Pacino (falls das Budget nicht reicht: Til Schweiger) spielt die Hauptrolle. Sein treuester Begleiter sieht ungefähr so aus wie der oben neben der Dame oder wie Tiana von Sascha Lang oder plüschig wie dieser Zahnarzt-Tröster. Ein Rollstuhlfahrer (gespielt von Omar Sy) fährt Al Pacino absichtlich über den Haufen, klaut seinen Blindenstock usw., nur, um an Tiana ranzukommen. Tiana jedoch dackelt (obwohl sie gar kein Dackel ist) stets treu hinter Al Pacino hinterher. Der übersteht 90 Minuten lang tapfer sämtliche Angriffe, wehrt sich wild mit dem Blindenstock usw. Am Schluss kriegt der Rollstuhlfahrer die Höchststrafe: Statt Tiana liegt Angelikas dicke Bertha auf seinem Sofa, die zwar die Beine gespreizt hat, aber echt ein faules Tier ist. Al Pacino lacht gehässig. Ein gehässig lachender Blinder macht sich bestimmt gut. Abspann.

Will man das sehen? fragen wir uns nun inmitten unseres Palavers und finden dann doch eine andere Idee besser: Gemeinsam mit der Zeitschrift „Ein Herz für Tiere“ veranstalten wir die ultimative Castingshow, so ein bisschen wie MISS ANGEL 2012, aber statt einer strahlenden, 1,78 Meter großen Krankenschwester, die auf der Intensivstation täglich acht Behinderten das Leben rettet, suchen wir Deutschlands besten Blindenführhund, der Frauchen/Herrchen keinen Schritt von der Seite weicht, laut bellt, wenn er ein „Aktion Mensch“-Plakat entdeckt und einen sicher über die Straße bringt. Herzzerreißend. Schafft es bestimmt auch ins Fernsehen. Deutschland sucht den Superblindenführhund (DSDS). Unsere MISS ANGEL 2012-Jurorin Joana Zimmer könnten wir praktischerweise gleich mitbringen. Mal sehen, ob das klappt.

Vorbei mit dem Palaver, zu den knallharten Fakten: Nicht mal sehen, sondern “Wir sehen uns” heißt das Motto der Woche des Sehens vom 8. -15.10.2012, die zum elften Mal seit 2002 ausgerufen wird. Bundesweit informieren Selbsthilfegruppen, Augenärzte und -kliniken sowie internationale Hilfswerke über die Bedeutung von gutem Sehen, die Ursachen von Sehbehinderung und Blindheit sowie über die Möglichkeiten, das Augenlicht zu erhalten. Auch Hilfe in sogenannten Entwicklungsländern wird thematisiert. Wie in den Vorjahren ist die Fernsehjournalistin Gundula Gause Schirmherrin der Woche des Sehens.

Darum wird es gehen

Die Initiatoren haben heute Details über die drei geplanten Aufklärungsthemen bekannt gegeben:

Augenärzte raten zu Früherkennungsuntersuchungen
Neue diagnostische und therapeutische Möglichkeiten ermöglichen es Augenärzten heute, Blindheit und Sehbehinderung immer öfter zu verhindern. Damit Augenärzte ihren Patienten die Sehkraft erhalten können, müssen die Krankheiten so früh wie möglich erkannt werden, am besten noch bevor die Patienten selbst Symptome bemerken. (Siehe auch ROLLINGPLANET-Tipp: Diese Nachricht kann Ihr Augenlicht retten: Warum Glaukom so gefährlich ist) Deshalb raten Augenärzte zu Früherkennungsuntersuchungen.

Selbsthilfeorganisationen bieten Kontakt zu anderen Betroffenen
Wenn das Augenlicht schwindet oder gar nicht vorhanden ist, trägt der Kontakt zu anderen Betroffenen ganz wesentlich dazu bei, die Lage zu meistern. Die Netzwerke der Selbsthilfe beraten in sozialen und rechtlichen Fragen. Spezialisierte Fachdienste und Einrichtungen geben im Berufsleben Unterstützung, informieren über Hilfsmittel, verleihen Hörbücher und organisieren Veranstaltungen, Erholungsreisen und Kurse.

Hilfe in Entwicklungsländern
Weltweit könnten 80 Prozent aller blinden Menschen noch sehen, wenn sie die Chance für eine rechtzeitige Vorsorge oder Behandlung hätten. Dazu ist es dringend notwendig, auch in den ärmsten Ländern der Welt eine flächendeckende augenmedizinische Versorgung aufzubauen. Um vermeidbare Blindheit und Sehbehinderung nachhaltig zu bekämpfen, sind lokale Fachleute unverzichtbar. Doch oft fehlt es am Geld für die Ausbildung dieser Fachleute. Die internationalen Hilfswerke fördern deshalb die Aus- und Weiterbildung einheimischer medizinischer Fachkräfte.

Die Initiatoren

Getragen wird die Aufklärungskampagne von der Christoffel-Blindenmission, dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband, dem Berufsverband der Augenärzte, dem Deutschen Komitee zur Verhütung von Blindheit, der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft, dem Deutschen Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf sowie der PRO RETINA Deutschland. Unterstützt wird die Woche des Sehens von der Aktion Mensch und der Carl Zeiss Meditec AG.

Bis Oktober ist noch ein bisschen Zeit, aber aktuelle Infos gibt es bereits auf dieser Webseite: www.woche-des-sehens.de

Gerade hat Al Pacino angerufen und abgesagt. Er findet das Drehbuch bescheuert. Sehen Sie, so etwas würde ein Blindenführhund nie sagen.

(RP/ots)

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