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Australisches Contergan-Opfer zwingt Vertriebsfirma in die Knie

„Man braucht keine Arme oder Beine, um die Welt zu verändern. Ich sage immer: Sieh den Menschen und nicht die Behinderung.“

Lynette Suzanne Rowe (Foto: AAP/Julian Smith)

In Australien hat Lynette Suzanne Rowe nach Angaben ihrer Anwälte eine hohe Wiedergutmachung erstritten. Die 50 Jahre alte Klägerin war ohne Arme und Beine geboren worden. Die Mutter der Frau hatte während der Schwangerschaft ein Schlafmittel mit dem Contergan-Wirkstoff Thalidomid eingenommen.

Die Tochter, die eine Sammelklage eingereicht hatte, einigte sich am Mittwoch nach Auskunft ihrer Anwälte außergerichtlich mit der Vertriebsfirma des von der deutschen Pharmafirma Grünenthal hergestellten Mittels. Diese Übereinkunft ermögliche Einigungen mit mehr als 100 weiteren Betroffenen, die zwischen 1958 und 1970 in Australien geboren wurden, hieß es.

Grünenthal war Ende vergangenen Jahres mit seinem Antrag gescheitert, den Prozess in Deutschland führen zu wollen (ROLLINGPLANET berichtete: Australien: Erstmals Sammelklage von Contergan-Opfern zugelassen).

Über die genaue Summe wurde nichts bekannt. Die Eltern der Klägerin sprachen australischen Medienberichten zufolge von „mehreren Millionen Dollar“, die auch für ihre weitere Pflege benötigt würden. Der Wirkstoff Thalidomid wurde unter verschiedenen Namen vermarktet, in Deutschland hieß das Medikament Contergan.

Übereinkommen mit Grünenthal steht noch aus

Die im Rollstuhl sitzende Frau verklagte Grünenthal, die australische Vertriebsfirma Distillers Company Biochemicals sowie den britischen Konzern Diaego Scotland, der die Vertriebsfirma 1997 übernommen hatte. Die außergerichtliche Einigung wurde mit Diaego erzielt, eine Übereinkommen mit Grünenthal stehe noch aus, berichteten australische Medien. Das Gericht im Bundesstaat Victoria werde die Klage gegen Grünenthal vermutlich im August 2013 wieder aufgreifen, sollte es bis dahin zu keiner außergerichtlichen Einigung kommen, hieß es weiter in den Medienberichten.

Lynette Suzanne Rowe mit ihren Eltern (Foto: Jason South/KAWA)

Vater Ian Rowe sagte, er und seine Frau Wendy seien unglaublich stolz, was ihre Tochter mit diesem juristischen Erfolg erreicht habe. „Es ist großartig, dass mein Fall auch anderen helfen wird“, sagte Lynette Suzanne Rowe laut einer Mitteilung. „Man braucht keine Arme oder Beine, um die Welt zu verändern. Ich sage immer: Sieh den Menschen und nicht die Behinderung.“ Ihr Anwalt Peter Gordon rief die Herstellerfirma dazu auf, die Verantwortung zu übernehmen.

Der Wirkstoff Thalidomid sei nicht ausreichend getestet worden und habe nicht als völlig unbedenklich verkauft werden dürfen, heißt es in der Klage. Schon Jahre bevor Grünenthal 1961 das Mittel vom Markt genommen habe, sei der Wirkstoff Thalidomid mit Missbildungen bei Neugeborenen in Verbindung gebracht worden, erklärten die Kläger weiter.

Contergan hatte Ende der 50er Jahre einen der größten Arzneimittelskandale ausgelöst. Weltweit kamen 10.000 Kinder mit schweren körperlichen Missbildungen zur Welt, davon 5.000 in Deutschland.

(dpa/RP)

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