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Der XXL-Report mit pfundigen Technik-Neuheiten

Rollstühle für Übergewichtige, OP-Tische im Großformat für Schwerlast-Patienten – wie sich die Industrie und Krankenhäuser auf Dicke einstellt.

Ein normaler Krankenhausrollstuhl (l) im Stadtkrankenhaus Schwabach neben der Variante für extrem übergewichtige Patienten (r.). (Foto: dpa)

Die Deutschen werden immer dicker. Das bedeutet natürlich auch neue Geschäftsfelder. So präsentierte die Firma Paravan im Mai ihren PR 10 “Heavy Duty”. Der E-Rolli wurde eigens für adipöse Menschen bis 250 Kilogramm entwickelt. Der Billig-Rehahilfsmittelhersteller Dietz stellte vor einigen Tagen den Faltrollstuhl Caneo 200 vor, der Menschen bis 200 Kilo aushalten soll. Es gibt ihn in den Sitzbreiten 56 oder 60 Zentimeter, mit und ohne Trommelbremse. Die Neuheit für zirka 1.700 Euro schaffte es sogar in die gedruckte Ausgabe der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ – und demnächst möglicherweise in zahlreiche Kliniken.

In der Regel sind die Patiententragen von Rettungs- und Krankenwagen für Personen mit einem maximalen Gewicht von 160 Kilogramm ausgelegt. Seit Ende vergangenen Jahres gibt es auch Schwerlast-Krankenwagen, bei denen der gesamte Patienteninnenraum auf Bodenniveau absenkbar ist. Die Schwerlast-Trage hat eine Tragkraft von bis zu 785 Kilogramm – das sollte wohl selbst für Superdicke genügen.

Kliniken reagieren mit Spezialausstattung

Übergewichtige Menschen im Krankenhaus bedeuten für das Personal körperliche Schwerstarbeit. Die Kliniken in Deutschland reagieren darauf mit Spezialausstattung für Patienten im XXL-Format.

Diabetes, kaputte Gelenke, hoher Blutdruck und Herz-Kreislauf-Probleme – stark übergewichtige Patienten schleppen außer ihren Pfunden meist jede Menge Krankheiten mit sich herum. Für Krankenhäuser und Rettungsdienste in Deutschland sind fettleibige Menschen allerdings nicht nur medizinisch eine Herausforderung. Sie müssen sich auch mit ihrer Ausstattung auf XXL-Leibesumfang einstellen.

„Operationstische und Krankenbetten müssen im Schwerlast-Format angeschafft werden, Spezialrollstühle sind nötig, auch extra-lange Spritzenkanülen, die durch eine dicke Fettschicht dringen“, beschreibt Moritz Quiske von der Deutschen Krankenhausgesellschaft die Situation.

Oft sind Schwerlastfahrzeuge erforderlich

„Ohne spezielle Schwerlastfahrzeuge kriegt man die Leute im Ernstfall erst gar nicht ins Krankenhaus transportiert“, berichtet Burkhard Fritzsche, Geschäftsführer eines privaten Krankentransportunternehmens im Landkreis Greiz (Thüringen). Er transportiert XXL-Patienten neuerdings in einem Spezialfahrzeug mit auf mehr als 300 Kilogramm Gewicht ausgelegter Trage und Hebebühne.

„Ganz so extrem wie in den USA ist es noch nicht, aber die Nachfrage nach besonders stabilen OP-Tischen nimmt in Deutschland seit einigen Jahren zu“, sagt Klaus Frank, Geschäftsführer des Medizintechnik-Herstellers Trumpf im thüringischen Saalfeld. „Die Krankenschwestern werden immer leichter und die Patienten immer schwerer.“

Das Unternehmen stellt Operationstische und MRT-Liegen für den Export und den deutschen Markt her. Die OP-Tische seien teilweise bis 450 Kilogramm, zumeist jedoch für 350 Kilogramm Körpergewicht ausgelegt, erzählt Frank. „Nicht unbedingt, weil es so viele derart schwere Menschen gibt. Aber in Ausschreibungen wird das heutzutage verlangt.“

Jährlich mehr als 600 Millionen Euro Extra-Kosten?

Die Kliniken lassen sich die XXL-gerechte Ausrüstung einiges kosten. Von rund 600 Millionen Euro jährlichen Zusatzkosten spricht die Deutsche Krankenhausgesellschaft. Eingeschlossen seien dabei Medizintechnik und Geräte, sondern auch für die oft höhere Medikamentendosierung bei Schwerlast-Patienten, sagt Moritz Quiske.

„Ein Spezialrollstuhl, der 320 Kilo aushält, kostet fast das Zehnfache wie ein herkömmlicher Rollstuhl“, schildert Stefan Dreising, Sprecher des Universitätsklinikums Jena. Kleine Krankenhäuser halten meist nur einzelne XXL-Spezialbetten vor und leasen bei Bedarf weitere. Problem laut Krankenhausgesellschaft: In den Fallpauschalen der Krankenkassen würden diese Zusatzkosten „nicht ausreichend“ berücksichtigt.

(Katrin Zeiß/dpa/RP)

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