Rollingplanet | Portal für Behinderte und Senioren

Banner-Schottland-fuer-alle

News & Berichte

Greifen Sie zur Checkliste, bevor Sie ins Heim einchecken

Veröffentlicht am von in Alltag & Geld 0 Kommentare
Worauf kommt es bei der Wahl eines Heims an? Bei der Entscheidung zählen nicht nur gute Noten. Wichtig ist, dass sich die Bewohner dort wohlfühlen. Doch jeder legt auf etwas anderes wert. Um herauszufinden, was einem selbst wichtig ist, können Checklisten helfen. Von Carina Frey

Erstellen Sie Ihre eigene Checkliste (Foto: Gerd Altmann/pixelio.de)

Manchmal gibt es kein gut oder schlecht. Die Suche nach einem Pflegeheim ist so ein Fall. Es gibt objektiv gute Heime, in denen sich Bewohner unwohl fühlen, weil ihnen ihr Zimmer nicht gefällt. Und es gibt Heime mit schlechten Noten, deren Bewohner zufrieden im Garten sitzen, weil das Essen gut schmeckt. Welches Pflegeheim das richtige ist, hängt von den eigenen Bedürfnissen ab. Deshalb ist es wichtig, sich über diese Wünsche klar zu werden, und dann gezielt zu suchen. Checklisten helfen dabei.

Solche Checklisten gibt es unter anderem bei Pflegestützpunkten, Pflegekassen oder Verbraucherorganisationen. Besonders umfangreichist die „Weisse Liste“. Sie ist ein gemeinsames Projekt der Bertelsmann Stiftung sowie Patienten- und Verbraucherorganisationen.

Jeder sollte sich für selbst entscheiden

Der Nutzer hat die Möglichkeit, selbst einen Fragenkatalog zu erstellen. Er kann aus sieben Themenbereichen wählen, was für ihn wichtig ist: Liegt die Einrichtung im Zentrum einer Stadt oder im Grünen? Gibt es eine Gemeinschaftsküche oder eine Bibliothek? Ist das Heim auf Demenzkranke spezialisiert? Arbeiten Logopäden mit ihm zusammen? Die fertige Liste kann ausgedruckt werden. Sie hilft, verschiedene Heime systematisch zu vergleichen.

„Was zu einem passt, hängt auch vom eigenen Gesundheitszustand ab“, sagt Claudia Gorny von den Pflegestützpunkten Berlin. „Überlegen Sie sich, warum Sie nicht mehr zu Hause wohnen bleiben können.“ Denn wer stark gehbehindert ist, der braucht wahrscheinlich weniger eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, freut sich aber über einen Garten.

Immer mehr Heime bieten sogenannte Wohngruppen an: Acht bis zehn Bewohner teilen sich einen Wohnbereich mit Aufenthaltsraum und Wohnküche. Sie können bei alltäglichen Arbeiten helfen, zum Beispiel beim Kochen. Das ist für manche Pflegebedürftige gut, weil sie ermutigt werden, viel selbst zu machen. „Doch wer einen schweren Schlaganfall hatte und umfangreiche Lähmungen hat, für den ist eine Bewegungstherapie vielleicht wichtiger“, erklärt Gorny.

Leidet der Pflegebedürftige an einer Erkrankung, die eine besondere medizinische Behandlung erfordert? Dann sollte das Heim sich damit auskennen und mit Fachärzten zusammenarbeiten. Gibt es spezielle Förderangebote? Sind die Pfleger in diesem Bereich geschult? Auch das sind wichtige Fragen.

Passt das Heim zum eigenen Tagesrhythmus?

Außerdem lohnt es sich zu schauen, wie der bisherige Tagesablauf des Pflegebedürftigen aussieht. Zu welcher Uhrzeit steht er morgens auf und geht abends schlafen? Wann isst er normalerweise? Für einen Spätaufsteher kann es ein Alptraum sein, im Heim morgens um 7.00 Uhr gewaschen zu werden. Und wer spät noch Hunger hat, der möchte nicht um 18.00 Uhr Abendbrot essen.

„Es ist für ein Pflegeheim möglich, auf solche Wünsche Rücksicht zu nehmen», sagt André Scholz, Pflegeberater bei den Pflegestützpunkten Berlin. Manche Heime bieten inzwischen Nacht-Cafés für Bewohner, die nicht schlafen können. In anderen steht ein Kühlschrank mit Snacks, aus dem sich jeder bedienen kann. Es lohnt sich, nach solchen Angeboten zu fragen.

Die Checklisten bieten eine erste Orientierung. Wer ungefähr weiß, was ihm wichtig ist, sollte sich an eine Beratungsstelle wenden, etwa an einen Pflegestützpunkt. Die Mitarbeiter kennen die Einrichtungen am Ort und können einschätzen, welche zu den Vorstellungen des Pflegebedürftigen passen. Kommen zwei oder drei in die engere Auswahl, sollten Besuchstermine vereinbart werden.

„Entscheidend ist, dass Sie sich ein persönliches Bild der Einrichtung machen», sagt Jens Kaffenberger vom Sozialverband VdK Deutschland. Wie geht die Heimleitung auf die Besucher zu? Beantwortet sie bereitwillig alle Fragen? Welchen Eindruck macht die Lobby? Ist sie hell und freundlich oder muffig? In der Regel ist es möglich, zumindest Teile des Heimes zu besichtigen. Bietet die Heimleitung das nicht von sich aus an, sollte man danach fragen. „Wenn Sie dann keine Aktivitäten wahrnehmen, niemanden im Haus sehen, kann das ein Alarmsignal sein“, warnt Scholz.

Einige Heime bieten Probewohnen an

Manche Einrichtungen verfügen über öffentliche Cafés oder Restaurants, in denen Gäste essen können. „Nutzen Sie das. Dann haben Sie die Möglichkeit, in Ruhe mit anderen Bewohnern oder Angehörigen zu sprechen“, rät Gorny. Auch hier gilt: Wer weiß, was ihm wichtig ist, kann gezielter fragen und bekommt eher nützliche Antworten.

Einige Pflegeheime bieten an, Probe zu wohnen. Der Interessent zieht für wenige Wochen in das Heim ein. Das ist vor allem für Menschen interessant, die noch vergleichsweise wenig Hilfe brauchen und sich gut auf eine fremde Umgebung einlassen können, erklärt Ulrike Kempchen, Rechtsanwältin bei der BIVA, der Interessenvertretung der Nutzer von Wohn- und Betreuungsangeboten im Alter, in Swisttal (Nordrhein-Westfalen). „Wir raten dazu. Sie merken dann schnell, ob Sie sich in einem Pflegeheim wohlfühlen.“

Hier gibt es Checklisten

Pflegeheim-Checkliste der Weissen Liste: pflegeheim-checkliste.weisse-liste.de
Checkliste der BIVA und Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen BAGSO: www.bagso.de/publikationen.html
Checkliste der Pflegestützpunkte Berlin: www.pflegestuetzpunkteberlin.de/informationsblaetter-a-z

Extra-Tipp: Wenn die Familie weiter weg wohnt

Wer ein enges Verhältnis zu seinen Kindern hat, sollte überlegen, in ein Pflegeheim in ihrer Nähe zu ziehen – selbst wenn er seine gewohnte Umgebung verlässt. „Wenn Sie Konflikte in der Familie haben, aber gute Freunde in der Nachbarschaft, sollten Sie eher am Wohnort bleiben», rät Jens Kaffenberger vom Sozialverband VdK. „Überlegen Sie, wer die Ihnen nahestehenden Personen sind.» Denn viel wichtiger als schöne Räume und gutes Essen sei, auch im Heim Kontakt zu vertrauten Personen halten zu können.

(dpa)

Print Friendly

Diesen Artikel mit anderen teilen

Über Rollingplanet

Wir sind seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, und in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, seit Januar 2012 online, ist Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein inklusives, von Menschen mit und ohne Behinderung ehrenamtlich irealisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Wenn Sie noch mehr ROLLINGPLANET wollen, empfehlen wir Ihnen unseren Newsletter (hier kostenlos registrieren) mit zusätzlichen Gewinnspielen und anderen Extras.

Was ist Ihre Meinung?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

ny7

Das sind wir

ROLLINGPLANET ist Deutschlands führendes Onlinemagazin für Menschen mit Behinderung, Senioren und Freunde. Tagesaktuell, unabhängig, kritisch. Und geil aufs Leben.

ROLLINGPLANET ist ein Non-Profit-Projekt, ehrenamtlich realisiert von Menschen mit und ohne Behinderung. Seit 1. Januar 2012. Weitere Infos: Über uns

Tipp

Tipp-PfeilWenn Sie sich weiter unten auf dieser Seite befinden und wieder schnell nach oben kommen wollen: Einfach auf das schwarze Kästchen mit dem Pfeil – rechts unten am Bildschirm – klicken.
  • A A A


  • Alleine auf eine Party gehen ist doof

    ziemlich-beste-begleiter-bigteaser

    Gott ist happy, wenn Roland tanzt

    • Gott ist happy, wenn Roland tanzt

    Ist Australien behindertenfeindlich?

    • Ist Australien behindertenfeindlich?

    Knigge für den respektvollen Umgang mit behinderten Menschen

    • Knigge für den respektvollen Umgang mit behinderten Menschen
    Werbebanner der Firma Rehability
    Druck

    Neueste Parkplatzschweine

    • Polizei auf Behindertenparkplatz: Ist das bayerische Inklusion?
    • Falschparker/in: WI-AQ 8615
    • Falschparker/in: COE-G 614
    • Falschparker/in: BOR-ZV 583
    • Falschparker/in: BOR-XA 319
    • Falschparker/in: AH-PA 153
    • Falschparker/in: COE-KR 698
    • Falschparker/in: COE-JK 40

    Barrierefreie Hotels

    • Erstes Embrace-Hotel in der Schweiz
    • Verein „Ohne Barrieren“ eröffnet Hotel Sportforum in Rostock
    • Hotel am Kurpark (Bad Herrenalb)
    • Refugium am See (Teupitz)
    • Hotel Hanseatic Rügen & Villen (Ostseebad Göhren)
    • „So wie Du“ und nicht so wie die meisten Hotels
    • Alling: Lichtblick Hotel