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Nach den Attacken: Jetzt spricht Oscar Pistorius

Wie er mit der Kritik an ihm umgeht, warum ihn beinahe ein deutscher Professor gestoppt hätte, warum er sich nicht als behindert bezeichnet. Von Andreas Schirmer

Der “Blade Runner”: Oscar Pistorius (Foto: dpa)

Oscar Pistorius ist von einem Gendefekt betroffen. Im Alter von elf Monaten wurden ihm die Beine unterhalb der Knie amputiert. Er bezeichnet sich selbst nicht als behindert, sondern nur als „ohne Beine“.

Wenn Pistorius als erster Mann ohne Beine bei Olympischen Spielen 2012 (27. Juli bis 12. August 2012) in London an den Start geht, wird es für ihn ein Lauf zwischen Bewunderung und Zweifel sein (ROLLINGPLANET berichtete: Rot oder Grün? Oscar Pistorius wehrt sich gegen Kritik und Michael Johnson stänkert gegen Oscar Pistorius).

„Es waren fünf, sechs Jahre harter Arbeit, und viele Menschen haben sich für mich aufgeopfert“, sagte der 400-Meter-Läufer aus Südafrika kurz vor der Erfüllung seines Traumes. „Phänomenal, ich muss mich jeden Tag zwicken.“ Die vorläufige Endstation seiner Sehnsucht hat der 25-jährige Leichtathlet auf Carbon-Prothesen nach einem langen sportpolitischen Rennen durch die Instanzen erreicht.

Pistorius will bis ins Halbfinale

„Ich sehe mich selbst nicht als Pionier», erklärte Pistorius, der sowohl allein als auch mit der 4 x 400-Meter-Staffel über die Stadionrunde antreten wird. Wie bei der Weltmeisterschaft 2011 in Daegu/Südkorea will er ins Halbfinale kommen. „Ich denke, das ist ein realistisches, aber schwer zu erreichendes Ziel“, erklärt der „Blade Runner“. Skeptisch ist er, ob das südafrikanische Quartett wie bei der WM auf einen silbernen Medaillenrang rennen kann: „Es wäre großartig, aber das Team ist etwas anders als 2011.“

Der Rummel wird auf jeden Fall groß sein, wenn er am 4. August im Olympiastadion erstmals auf die Tartanbahn geht. Begleiten wird ihn dabei weiterhin die Kontroverse, ob seine High-Tech-Prothesen die Beschleunigung erhöhen und ihm überhaupt einen Vorteil bringen. 2008 hatte der Leichtathletik-Weltverband IAAF auf Grundlage eines Gutachtens des deutschen Biomechanik-Professors Gert-Peter Brüggemann von der Sporthochschule Köln die Teilnahme von Pistorius an Peking-Spielen 2008 verbieten wollen. Der von ihm angerufene Internationale Sportgerichtshof CAS hob den IAAF-Entscheid auf.

Der BWL-Student ist „ein wenig frustriert“

„Einige der Argumente sind so schwach, dass es mich ein wenig frustriert“, bekannte der Student für Betriebswirtschaft an der Universität von Pretoria. Viele täten so, als sei er der einzige Athlet, der mit Prothesen laufe, obwohl tausende Paralympics-Sportler sie seit Jahren nutzten und sogar mit verbesserten Versionen liefen.

„Wenn die Prothesen einen solchen Vorteil bieten würden, warum hat noch kein anderer Paralympics-Läufer über 400 Meter die 50 Sekunden unterboten?“, fragte Pistorius. „Es gibt so viele Informationen und Wissenschaftler. Doch nur weil Leute einen Doktortitel haben oder Professor sind, heißt das nicht, sie auch das richtige Wissen haben.“

Die Bestzeit soll erst noch kommen

Die persönliche Bestzeit von Pistorius über 400 Meter steht bei 45,07 Sekunden. Seine beste Zeit soll aber erst noch kommen – in vier Jahren bei den Sommerspielen in Rio de Janeiro. „Die meisten Sprinter haben ihren Leistungshöhepunkt im Alter zwischen 27 und 29 Jahren – und ich werde in Rio de Janeiro 29 sein“, sagte der leidenschaftliche Golfer und Motorradfahrer. „Vielleicht schmeiße ich danach das Handtuch. Ich will auf der Höhe meines Könnens aufhören.“

(dpa)


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