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Ticker Ohrwurm: Ole ist nicht nur ein Hund, sondern jetzt auch ein Café

Außerdem: Julia Probst ist bereit zum Ändern, Anfrage der Grünen, Beratungsangebot für gehörlose Ratsuchende per Video-Chat.

Neues Café Ole in Berlin-Neukölln

Sezer Yigitoglu mit seinem Hund Ole. Den klaut ROLLINGPLANET beim nächsten Besuch. (Foto: Kai-Uwe Heinrich)

Der seit seiner Geburt gehörlose Sezer Yigitoglu hat in Neukölln ein szeniges Café eröffnet. Wer schon nicht Behinderte mag, der sollte das Lokal wenigstens wegen Ole besuchen: Yigitoglu hat es nach seinem Hund benannt – und der ist ja mindestens genauso hinreißend wie ein Blindenführhund.

„Es ist das erste Café in Deutschland, das von einem Gehörlosen geführt wird und sich an alle, Hörende wie Hörgeschädigte, richtet und nicht in einen Verein oder eine andere Institution eingebunden ist“, sagt Yigitoglu.

Der 29-Jährige ist gelernter Bäcker und arbeitete bis vor zwei Jahren in einer großen Backfabrik in Spandau am Fließband. Danach schlug er sich mit Gelegenheitsjobs durch – unter anderem als Kellner in Kapstadt (Südafrika). Selbstständig machte wollte er sich schon seit langem, traute sich aber lange Zeit nicht – ehe er nun seinen Traum wahrmachte: Weil „niemand einen Gehörlosen einstellen wollte.“

In dem elegant und schlicht eingerichteten Café soll es nicht nur selbst gebackene Kuchen und Quiches, sondern ebenso Kunst geben: Konzerte für die hörende Kundschaft und wechselnde Ausstellungen von Künstlern wie Daniel Pflumm oder Edmund Piper. Damit der Chef im Café die passende Musik abspielt, haben Freunde seine CDs in Anlehnung an Stimmungen wie Sommer oder Regentag beschriftet. Die Kommunikation ist „für mich, aber auch für meine Gäste eine Herausforderung“, sagt Yigitoglu. Für den Notfall lägen deshalb immer Zettel und Stift bereit.

Café Ole, Boddinstraße 57, Neukölln

Julia Probst ist nun auch offiziell Piratin

Deutschlands bekannteste gehörlose Bloggerin und bisherige Rot-Grün-Wählerin ist bei den Piraten eingetreten: „Von vielen Leuten wurde ich ja schon immer als eine Piratin wahrgenommen oder zumindest piratennah eingestuft. Und ich bin jetzt seit kurzem nun auch offiziell eine Piratin, ich habe also jetzt ein orangenes Parteibuch.“

Julia Probst begründet ihren Entschluss: „Die Piraten sind unkonventionell, noch neu und etwas unangepasst. Das sind auch Eigenschaften, die auf mich zutreffen. Oder anders gesagt: Die Parteistrukturen bei den Piraten sind noch nicht so verkrustet und mit den Piraten stand ich ja schon seit Ende 2010 immer mal wieder in Kontakt.“ Mehr auf ihrem Blog: Klarmachen zum Ändern.

CI: „Überstürzte und panische Entscheidungen“ vermeiden

Abgeordnete der Grünen, unter ihnen der Sprecher für Sozial- und Behindertenpolitik Markus Kurth, die Bundesvorsitzende Claudia Roth und die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Katrin Göring-Eckardt, haben im Bundestag eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung gerichtet. Darin erkundigen sie sich zur Situation tauber, hörbehinderter und taubblinder Menschen in Deutschland.

Der Deutsche Gehörlosen-Bund e.V. zeigt sich erfreut, dass dabei auch Fragen zum Cochlea Implantat (CI) gestellt wurden. Die Abgeordneten möchten unter anderem erfahren, ob Eltern gehörloser Kinder darauf hingewiesen werden, dass sie von Gehörlosen-Verbänden beraten werden können, wie ein Leben ohne Implantation und mit Gebärdensprache aussehen könne und ob Ärzte auf unabhängige Beratungsstellen hinweisen. Der Deutsche Gehörlosen Bund betont, er setze sich seit langem für neutrale Elternberatung ein: „Nur so können überstürzte und in Panik getroffene Entscheidungen, zum Beispiel zugunsten irreversibler chirurgischer Eingriffe, vermieden werden.“

Bürgerservice: Beratungsangebot für gehörlose Ratsuchende

Wie der Deutsche Gehörlosen-Bund e.V. mitteilt, stellt er ab sofort ein barrierefreies Beratungsangebot für Gesundheitsthemen bereit. Der Service wird durch finanzielle Unterstützung des Bundesministeriums für Gesundheit ermöglicht. Gehörlose Ratsuchende können sich etwa folgenden Fragen beantworten lassen:

Kann ich im Krankenhaus eine/n GebärdensprachdolmetscherIn bekommen? Wer bezahlt dafür?
Ich muss zur Ärztin und brauche einen Dolmetscher – wo kann ich einen bestellen?
Wo gibt es Mutter-Kind-Kuren für gehörlose Mütter? Muss ich das im Kurantrag speziell kennzeichnen?
Wie kann ich Merkzeichen für den Schwerbehindertenausweis beantragen? Mein Antrag wurde abgelehnt, was soll ich nun machen?
Ich habe psychische Probleme. Wer hilft mir? Gibt es spezielle Angebote für taube Menschen in Gebärdensprache?

Cornelia von Pappenheim, gehörlose Referentin für Medien und Organisation des Verbands, hat diesen Service übernommen, und berät in Deutscher Gebärdensprache per Video-Chat, schriftlich über Text-Chat oder per Email.

Chatzeiten:
Montags: 13.00 – 15.00 Uhr
Dienstags: 10.00 – 15.00 Uhr
Mittwochs: 10.00 – 12.00 Uhr und 16.00 – 18.00 Uhr
Donnerstags 18.00 – 20.00 Uhr
Adresse bei ooVoo, iChat & Skype: dgbchat und MSN: dgbchat@gehoerlosen-bund.de
Mail: buergerservice@gehoerlosen-bund.de


Zum Themenschwerpunkt Gehörlose Menschen


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