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Gelähmte könnten bald mit den Augen schreiben

Ein französischer Hirnforscher hat eine Technologie vorgestellt, mit der behinderte Menschen allein durch ihre Augenbewegungen Buchstaben, Wörter und Zahlen auf ein Display malen können.

Der Text "Hello" in Schreibschrift

“Hello” in Schreibschrift – Ergebnis eines Probanden.

Buchstaben und Zahlen in Schreibschrift

Das Resultat einer anderen Testperson. (Fotos: Lorenceau et al./Current Biology)

Die Universität wurde 1968 gegründet, hat einen Weltruf, und einer seiner Wissenschaftler könnte ihn bald auch haben: Der Hirnforscher Jean Lorenceau von der Université Pierre et Marie Curie (UPMC) in Paris hat eine neue Technologie vorgestellt, die es mit nur wenig Übung erlauben soll, mit den Augen zu schreiben und zu zeichnen. Dabei werden die Bewegungen des Auges aufgezeichnet und am Bildschirm dargestellt. Mit der neuen Technik lassen sich 20 bis 30 Buchstaben in der Minute erzeugen – genau so schnell wie mit der Hand.

Unsere Augen sind ständig in Bewegung. Allerdings „springen“ sie meist im Blickfeld hin und her, fließende Bewegungen sind nicht oder nur für kurze Momente möglich – dachten Experten zumindest bisher. Lorenceau entdeckte nun, dass eine willentliche und fließende Steuerung der Augenbewegungen erlernbar ist. Grundlage der Technik ist eine bestimmte optische Täuschung, die zur Folge hat, dass eine Abfolge von Standbildern unter bestimmten Bedingungen als Bewegung wahrgenommen wird.

5 von 7 Testpersonen erlernten es

Die Technik sei vor allem für gelähmte Menschen interessant, die sich über die „Augenschrift“ schnell und auf persönliche Weise mitteilen könnten, berichtet der Forscher im Fachblatt „Current Biology“. Probanden wäre dies bereits nach kurzer Zeit gelungen. Dabei handelte es sich um fünf nichtbehinderte Testpersonen, welche die neue „Augenschrift“ nach drei bis fünf jeweils 30-minütigen Trainingseinheiten beherrschten. Zwei weiteren Personen gelang dies nicht.

Lorenceau arbeitet zurzeit daran, sein System zu verbessern. Schon im nächsten Jahr, so kündigt er an, sollen erste Tests mit Patienten erfolgen, die an der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS) erkrankt sind. Bei dieser nicht heilbaren Erkrankung werden die Nerven, die die Muskeln steuern, fortschreitend zerstört.

Eine der bekanntesten ALS-Fälle ist der britische Astro-Physiker Stephen Hawking. Dieser ist vor kurzem einen anderen Weg gegangen: Der Rollstuhlfahrer testet seit einem Jahr einen „iBrain“, ein streichholzschachtelgroßes Gerät, das mit einem Stirnband am Kopf befestigt ist und Biosignale in Buchstaben oder Wörter übersetzen soll. Auch hier ist die Technologie, entwickelt von dem amerikanischen US-Neurologe Philip Low, noch nicht marktreif.

(RP/dpa)

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2 Kommentare

  1. Müller27. Juli 2012 at 14:09Antworten

    Echt gute sache, es gibt ja schon seit längerem diese pcs für Stumme,
    das sie tippen können und der pc das dann sagt, das hier ist nochmal krasser und wird bestimmt ein großer fortschritt

  2. Georg27. Juli 2012 at 14:25Antworten

    20 – 30 Buchstaben pro Minute? Schreibt doch mal händische irgendwelche Worte und das genau eine Minute lang. Jetzt bitte nachzählen. Und ? Bestimmt das vier bis sechsfache, wenn nicht mehr.

    Ich sehe für diese Methode nur wenige wirkliche Anwendungen, denn am Bildschirm benötigt man eher selten seine Unterschrift und zum Verfassen längerer Texte gibt es wesentlich effizientere Lösungen, die außerdem keine Elektroden direkt auf der Hirnhaut erfordern. Eine stinknormale Webcam mit der Software “Enable Viacam” und das Programm “Dasher” wäre eine sinnvolle Alternative. Natürlich geht auch ein gaze tracker.
    Wenn aus der im Artikel beschriebenen Methode eine brauchbare Anwendung entsteht, wäre das aber wirklich von größerem Interesse.
    Spannender scheinen mir die Ergebnisse eher hinsichtlich der Erforschung des Sehens.

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