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Bayern ist Spitze bei Wohlstand und Altersarmut

Was haben Alleinerziehende, Behinderte und Ausländer gemeinsam? Sie haben es im Freistaat oft besonders schwer. Von Diana Gäntzle

Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer (Archivfoto: Oliver Lang/ddp)

Die meisten Menschen in Bayern leben auf einem vergleichsweise hohen Wohlstandsniveau. Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU), ausgezeichnet mit dem ROLLator des Monats März 2012, legte gestern in München den dritten Bericht der Staatsregierung zur sozialen Lage in Bayern vor. Sie betonte, die Menschen im Freistaat hätten sich in den vergangenen Jahrzehnten ein “hohes Maß an Gerechtigkeit, Freiheit, Sicherheit und Wohlstand” erarbeitet. Schwierige Lebenslagen macht die Studie bei Älteren, Alleinerziehenden und Menschen mit Behinderung sowie Migranten aus. Opposition und Sozialverbände forderten Konsequenzen.

Dem Bericht zufolge verfügen die Privathaushalte in Bayern über etwa ein Fünftel mehr Vermögen als im westdeutschen Schnitt. Der Freistaat weist die höchste Erwerbstätigenquote und die geringste Arbeitslosenquote aller Bundesländer auf, zudem die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit europaweit. 73,5 Prozent der Migranten sind erwerbstätig – so viele wie in keinem anderen Bundesland.

Für immer mehr gilt: Ü65, weiblich, pleite

Die Quote der von Armut gefährdeten Menschen in Bayern blieb über die vergangenen Jahre weitgehend stabil bei 13,8 Prozent und liegt damit unter dem Durchschnitt Westdeutschlands (14,7 Prozent). Allerdings ist dem Bericht zufolge die Zahl der von Armut gefährdeten älteren Menschen über 65 Jahren gestiegen. Die Quote wuchs von 17,7 Prozent im Jahr 2009 auf 19 Prozent im Jahr 2010. Bei den alleinstehenden Frauen dieser Altersgruppe lag der Anteil sogar bei 28,3 Prozent. Haderthauer verlangte daher, Kindererziehung und Pflege bei der Rente wie eine Erwerbstätigkeit anzurechnen.

Besonders von Armut gefährdet sind außerdem Alleinerziehende (39,0 Prozent) sowie Personen in Haushalten mit einem erwerbslosen Haupteinkommensbezieher (67 Prozent). Der Anteil der von Armut gefährdeten Kinder unter 15 Jahren beträgt laut Auswertung des Mikrozensus 2009 15,8 Prozent. Dies ist unter dem westdeutschen Niveau.

Sozialverbände warnen vor weiter steigender Armut

Haderthauer sieht den Bericht auch als “Handlungsherausforderung”. So bestehe etwa noch Bedarf bei der Integration von Menschen mit Behinderung in den ersten Arbeitsmarkt oder für Migranten. Ebenso bräuchten Alleinerziehende noch mehr Unterstützung vor allem “von Bundesseite”. Die Ministerin kündigte an, die Unterstützung für bestimmte Lebenslagen weiterzuentwickeln.

Der Sprecher der Nationalen Armutskonferenz (nak) und Vorsitzender der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Bayern, Thomas Beyer, befürchtet indes, dass die Armut in Bayern weiterhin steigt, zumal die Zahl der prekär Beschäftigten stetig zunehme.

Die VdK-Landesvorsitzende Ulrike Mascher beklagte die “traurige Spitzenposition” Bayerns bei der Altersarmut. Daran werde sich angesichts des wachsenden Niedriglohnsektors nichts ändern. Mascher forderte mehr Anstrengungen in der Bildungspolitik, um die Zahlen der Jugendlichen ohne Schul- und Bildungsabschluss zu reduzieren.

“Zunehmende Spaltung des Arbeitsmarktes”

Bayerns DGB-Chef Matthias Jena warf Haderthauer eine Beschönigung der Lage vor. Er verwies auf eine “zunehmende Spaltung auf dem Arbeitsmarkt”. Fast jeder fünfte Vollzeitbeschäftigte arbeite im Niedriglohnbereich. Die Zahl der geringfügig Beschäftigten sei seit 2003 um 28 Prozent gestiegen. Die Zahl der befristeten Arbeitsverträge sei in den vergangenen Jahren sogar um 70 Prozent gestiegen.

Grünen-Fraktionschefin Margarete Bause betonte, es gebe in Bayern “keine gleichwertigen Lebensverhältnisse”. Den 3 Prozent Kinderarmut in München stünden 20 Prozent in Schweinfurt oder Weiden gegenüber.

SPD-Sozialexperte Hans-Ulrich Pfaffmann warnte davor, “die Fakten schön zu reden und zu sagen: Woanders ist es schlimmer.” Die SPD warte bisher vergeblich auf politische Folgerungen aus den Sozialberichten. Viele Familien könnten von ihrem Einkommen nicht mehr leben. Dass der Bericht in der Sommerpause des Parlaments vorgelegt wurde, sei im Übrigen eine “Unverschämtheit”. Auch die Freien Wähler sprachen von einer “Farce”, der DGB von “schlechtem politischen Stil”.

(dapd)

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