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Mukoviszidose und eine neue Lunge: Das zweite Leben der Rahel Wagner

Mit dem Organspendeskandal beherrscht derzeit ein dunkles Kapitel der Transplantationsmedizin die Schlagzeilen. Unbestritten aber ist, dass tausende Menschen Organverpflanzungen ihr Weiterleben verdanken. Von Marscha Edmonds

Rahel Wagner mit ihrem Hund Line (Foto: Peter Steffen dpa/lni)

Wahrscheinlich würde Rahel Wagner ohne Operation heute gar nicht mehr leben. Wegen ihrer Krankheit hieß es für die Frau aus Peine (Niedersachsen) immer, dass sie wohl nicht älter als 18 Jahre alt werden würde. Mittlerweile ist sie 33. Zu verdanken hat sie das ihrer neuen Lunge. Seit ihrer Geburt leidet Wagner an Mukoviszidose – was aus dem lateinischen übersetzt so viel bedeutet wie „zäher, klebriger Schleim“. Es ist eine Krankheit, bei der sich in der Lunge Sekret bildet, das Bakterien einen guten Nährboden bietet und zu vielen Infektionen führen kann.

4932 Organe wurden 2011 nach Angaben der Deutschen Stiftung Organspende (DSO) in Deutschland transplantiert, 12.000 Menschen standen auf der Warteliste. Was eine Organverpflanzung für den Empfänger und dessen Familie und Freunde bedeutet, wissen nur die Betroffenen. Das Leben ist danach nicht unbedingt leichter.

“Lunge ist eines der immunologisch stärksten Organe”

Bei Rahel Wagner war nach starkem Lungenbluten eine beidseitige Transplantation unumgänglich. Die OP war am 1. September 2006 in Hannover. Für viele Transplantierte gilt der Tag der Operation als ihr zweiter Geburtstag. „Natürlich habe ich meinen zweiten Geburtstag gefeiert. Zu meinem fünften haben wir sogar ein Buffet kommen lassen, zwanzig Leute eingeladen und diesen Tag gebührend gefeiert», erzählt die zierliche blonde Frau.

„Die Lunge ist eines der immunologisch stärksten Organe“, sagt Jens Gottlieb, Lungenfacharzt in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Das bedeutet, dass die Lunge ein Organ ist, das nach einer Verpflanzung in einen fremden Körper stark abgestoßen wird. Die Lebenserwartung bei Lungentransplantierten liegt daher nach fünf Jahren bei etwa 50 bis 60 Prozent.

Auch deswegen feierte Wagner ihren Geburtstag in großer Runde. Anders als viele Menschen glauben, ist sie nach der Transplantation nicht geheilt. Die gelernte Bankkauffrau ist immer noch chronisch krank und muss ihr Leben lang Tabletten einnehmen, um eine Abstoßung der fremden Lunge zu verhindern – angenommen wird das Organ vom Körper nicht. Alle zwei Wochen wird ihr zur Kontrolle Blut abgenommen, denn die Medikamentenspiegel müssen auf einem konstante Level bleiben und deshalb ständig überprüft werden.

Wegen chronischer Abstoßung: Traum von Adoption geplatzt

Seit etwa drei Jahren leidet Wagner unter einer chronischen Abstoßung, was ihren Körper immer weiter schwächt. Dabei bildet sich Narbengewebe im Organ – dieser Prozess ist zwar aufzuhalten, aber nicht mehr umkehrbar. Nur eine weitere Lungentransplantation, eine sogenannte Retransplantation, könnte den Zustand der 33-Jährigen wieder verbessern. Doch erst kommen auf der Warteliste die Menschen dran, die noch nicht transplantiert wurden.

Für Wagner hatte die chronische Abstoßung zur Folge, dass sie auf die Adoption eines Kindes verzichten und ein laufendes Verfahren abbrechen musste. „Das war natürlich sehr hart. Als erstes geht die Gesundheit weg, und wegen der Gesundheit muss man das abbrechen.“

Wagner muss täglich bis zu zwei Stunden inhalieren, rund 35 Medikamente am Tag zu sich nehmen, regelmäßig zu Fachärzten und zweimal wöchentlich für zwei Stunden Physiotherapie machen. Spontan zu sein, ist da schwer. Viel erledigt ihr Mann für sie. Arbeiten ist für die Bankkauffrau nur im geringen Maß möglich.

Trotzdem ist Wagner dankbar. „Ich konnte zweieinhalb, drei Jahre so leben wie ich das eigentlich wollte, weil es meiner Lunge so gut ging. Jetzt, seit der chronischen Abstoßung ist das natürlich schon schwieriger, aber immerhin: ich lebe.“

(dpa)

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1 Kommentar

  1. Birgit Springer31. Juli 2012 at 12:47Antworten

    Ich wünsche Frau Wagner von ganzem Herzen, dass sie noch viele Geburtstage feiern darf! Als selbst Organtransplantierte kann ich mir die Hoffnungen, vor allem aber die Ängste und Qualen vorstellen, die sie immer wieder durchleben muss! Umso unverständlicher ist mir die Gleichgültigkeit, die manche Menschen an den Tag legen, wenn es um das Thema Organspende geht. Die Entscheidungslösung sollte von jedem ernst genommen werden! Niemand weiß, ob oder wann er vielleicht mal in unserer Lage ist. Dann ist er nämlich unendlich dankbar, dass es Menschen gegeben hat, die uns mit ihrem Entschluss das Weiterleben ermöglicht haben!

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