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Kleine Schritte für Pistorius, große Schritte für die Behinderten

Der „Blade Runner“ wird trotz Olympia-Aus im 400-Meter-Halbfinale gefeiert wie ein Sieger. So viel Applaus bekam sonst nur Ursain Bolt. Aus London berichtet Michaela Widder

Oscar Pistorius über die 400 Meter in London (Foto: dpa)

Es waren historische Schritte. Als Oscar Pistorius in seinem Halbfinale über 400 Meter auf seinen Karbonfedern abgeschlagen als Letzter ins Ziel stürmte, forderte ihn der Weltmeister aus Grenada zum Trikottausch auf. Kirani James wollte unbedingte die Startnummer vom “Hingucker” des Abends haben – eine Erinnerung an diesen besonderen Lauf. Noch nie zuvor war ein beidseitig unterschenkelamputierter Läufer bei Olympia ins Halbfinale gestürmt – nun will Pistorius noch mit der südafrikanischen Staffel ein weiteres Mal Geschichte schreiben.

“Oscar ist eine Inspiration für uns alle – egal ob behindert oder nicht. Es bedeutet viel Courage, hier anzutreten und dies war ein historischer Moment. Eine schön Geste, die Startnummern zu tauschen”, sagte der schnelle James. “Eine Ehre”, nannte der überwältige Pistorius die spontane Aktion. Nur einen Moment haderte der smarte Südafrikaner mit seiner Zeit (46,54), die über eine Sekunde langsamer war als im Vorlauf. Dann aber genoss er den Jubel vor 80.000 Zuschauern, die Pistorius wie sonst nur Usain Bolt feierten. “Es hat sich magisch angefühlt. Wenn ich vorhergesagt hätte, wie es sich anfühlt oder es mir in meinen wildesten Träumen ausgemalt hätte, dann war es jetzt mindestens zehn Mal so stark”, sagte Pistorius.

Rio de Janeiro 2016 im Visier

Bis zu diesem Moment lag ein langer Weg hinter dem Prothesenläufer, der ohne Wadenbeinknochen geboren wurde, und dem deshalb als Kind beide Unterschenkel amputiert wurden. Der viermalige Paralympics-Gewinner hatte sich 2008 vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS das Recht erstritten, als Behinderter auf seinen Karbonfedern bei Olympia antreten in Peking zu dürfen. Damals konnte er sich jedoch nicht qualifizieren. Im Vorjahr war er in Daegu zum ersten Mal bei einer Weltmeisterschaft angetreten und bis ins Halbfinale vorgestoßen.

Nach dem Halbfinal-Aus in London blickt Pistorius schon wieder nach vorn. “2016 in Rio, da werde ich vermutlich auf dem Höhepunkt sein. Darauf schaue ich jetzt mehr als auf alles andere”, sagte der 25-Jährige. Doch zunächst hat der “Blade Runner” noch die 4×400-Meter-Staffel im Visier und hofft am Donnerstag an zweiter oder dritter Position laufen zu dürfen. “Das entscheiden die Trainer. Aber ich denke, als Zweiter oder Dritter wäre ich für die Staffel am wertvollsten”, erzählt Pistorius, der aufgrund seiner Karbonfedern immer Startschwierigkeiten hat. Erstmals erlauben es ihm die Funktionäre, in der Staffel an jeder Position zu laufen (ROLLINGPLANET berichtete).

Der Staffel-Einsatz wird nicht seine letzte Runde im Londoner Stadion 2012 sein. Pistoruis will drei Wochen später bei den Paralympics seine Titel über 100, 200 und 400 Meter verteidigen.

(dapd)


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