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Nur noch kurz die Welt retten – aber mit vielen Fehlern

Sozialunternehmen liegen im Trend, wollen aber laut Studie nicht wachsen. Hochschulprofessor Stephan Jansen erklärt das Phänomen.

Stephan Jansen in Friedrichshafen vor einem Schild der Zeppelin University. Jansen ist Rektor der staatlich anerkannten privaten Hochschule und mit 32 Jahren der juengste Rektor in Deutschland. (Foto: Michael Latz/ddp/dapd)

Sozialunternehmen sind nach Ansicht des Präsidenten der Zeppelin Universität, Stephan Jansen, äußerst zukunftsträchtige Geschäftsmodelle. “Idealerweise könnten sie die Forschungs- und Entwicklungsabteilung der sozialen Innovation einer Gesellschaft sein”, sagte Jansen im dapd-Interview. Das Motto “Nur noch kurz die Welt retten” verhelfe ihnen zu einem glänzenden Image.

Dennoch seien Sozialunternehmer, das heißt Geschäftsleute, die mit unternehmerischen Mitteln soziale Probleme lösen wollen, in Deutschland rar. “Und viele machen große Fehler”, sagt Jansen.

Bisher fehlten zu diesem Nischen-Geschäftsmodell, das zurzeit stark im Kommen ist, genaue Zahlen. Deshalb suchte der Präsident der privaten Hochschule in Friedrichshafen gemeinsam mit Forschern der TU München und dem Heidelberger Centrum für Soziale Investitionen und Innovationen bundesweit nach Sozialunternehmen. Mehr als 1.000 wurden im Rahmen einer Studie gefunden.

“Die Generation weiß: Nachhaltigkeit sieht anders aus”

Die Gründer hätten meist Abitur und seien studiert. “Sie sind in allen Feldern tätig: Migration, Umwelt, Nahrung, Energie und Altenpflege”, sagt der Hochschullehrer. Warum vor allem junge Menschen als Sozialunternehmer tätig sein wollen, kann sich Jansen nur so erklären: “Der Generation, die jetzt um die 20 Jahre alt ist, fehlt das Engagement für etwas. Die will sich für etwas einsetzen. Seit den Terroranschlägen 9/11 sowie zwei harten Rezessionen und einer Staatsschuldenkrise weiß sie zudem: Nachhaltigkeit sieht anders aus.”

Wie die Ergebnisse der Studie zeigten, hätten jedoch nicht alle zündende Vorschläge. “Nur 31 Prozent der Geschäftsideen haben wirklich neue Marktangebote entwickelt”, zeigt Jansen auf. Dabei müsse das Ziel sein, neue Konzepte zu liefern, die dann von den als innovationsschwach geltenden mächtigen Trägern des Sozialsektors wie AWO oder Caritas übernommen und groß gemacht werden.

In Sambia beispielsweise, sagt Jansen, wo chronische Unterversorgung an Medikamenten herrsche, sei dem ehemaligen Entwicklungshelfer und heute findigem britischen Sozialunternehmer Simon Berry 1988 aufgefallen, dass die Coca Cola-Automaten immer rechtzeitig aufgefüllt werden. “Also haben sich die sozialen Unternehmer in die Logistik des Getränkeherstellers eingeklinkt und in die Leerräume der Kisten die Medikamente gepackt.”

“Sozialunternehmen messen ihre Wirksamkeit nicht”

Für ihn ein wichtiges Merkmal der erfolgreichen Sozialunternehmer: Diese arbeiten mit den Ressourcen Dritter und betreiben idealerweise eine sogenannte Cross-Industrie-Innovation. Doch der Studie zufolge tun sich die Deutschen damit schwer. Es hapert es an der Vermarktung. Die meisten würden zudem nicht wirklich fusionieren wollen. “Das ist eine unserer wichtigsten Handlungsempfehlungen der Studie: Höhere Kooperationsfähigkeit zwischen den Beteiligten.”

Sozialunternehmen könnten seiner Meinung nach deutlicher wachsen, weil der Bedarf in der Gesellschaft da ist. “Viele klagen aber: ‘Wenn wir nur größer wären, könnten wir die Ressourcen ausweiten und an der öffentlichen Auftragsvergabe teilnehmen.’ Das ist ein Paradoxon”, sagt Jansen. Die kleineren Sozialunternehmer sähen, dass größere eher Aufträge erhalten und gefördert werden, handelten aber nicht.

Der Hochschulleiter ist deshalb für eine Staatliche Impulsförderung. “Wenn Private einen öffentlichen Auftrag erfüllen, müssten sie – vorausgesetzt sie finden ein besseres Modell und sorgen für einen Entlastungseffekt – auch vom Bund finanziert werden können”, schlägt Jansen vor.

Trotz der eher nüchternen Ergebnisse der Studie, gibt es für ihn jedoch auch erfolgreiche Sozialunternehmen. Zum Beispiel “Rock your Life”, wo Studierende Hauptschüler coachen, um besser in ein Beschäftigungsverhältnis zu gelangen – als Franchise bald in 30 Städten. Oder “Discovering Hands”: Hier liefern Blinde mit ihren Händen bei der Brustkrebsvorsorge präzisere Ergebnisse als Maschinen. Jansen ist sicher: “Vor allem Inklusionsstrategien werden noch unglaubliche Hebel auslösen.”

(dapd)

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