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Elternverband: Inklusion überfordert Lehrer

Na so was! Pauker müssen sich individuell auf die Kinder einstellen. Mussten sie das bisher nicht?

(Foto: Dieter-Schütz_pixelio.de)

Deutschland muss sich wohl auf den Nervenzusammenbruch einer ganzen Branche einrichten: Nachdem bereits die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) davor gewarnt hatte, dass ihre Mitglieder mit der Inklusion nicht fertig werden (ROLLINGPLANET berichtete), gibt es nun ähnliche Töne zu hören vom Bayerischen Elternverband.

Der gemeinsame Unterricht von behinderten und nicht behinderten Schülern überfordert ihrer Ansicht nach viele Lehrer im Freistaat. „Die Lehrer sind noch nicht genügend vorbereitet auf Inklusion“, sagte die stellvertretende Verbandsvorsitzende, Henrike Paede, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Augsburg.

Bei dem gemeinsamen Unterricht müssten die Lehrer völlig umdenken und sich individuell auf die Kinder einstellen. Sie bräuchten deshalb nicht nur eine intensive verpflichtende Nachschulung, sondern auch pädagogische Helfer an ihrer Seite – etwa Erzieher, Heil- oder Sozialpädagogen.

ROLLINGPLANET meint: Liebe Eltern und Lehrer, leicht ist das nicht mit der Inklusion, aber jetzt macht die Dinge doch nicht komplizierter, als sie sind. Wäre es nicht schön, wenn Kinder in der Schule fürs Leben lernten? Etwa: Wo ein Wille, da auch ein Weg. Neues schaffen wir, wenn wir alle gemeinsam Begeisterung zeigen und nicht jammern. Guck es Dir einfach von Deinem Lehrer ab, wie der das macht.

(dpa/lby/RP)

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4 Kommentare

  1. Michael Ziegert11. August 2012 at 14:19Antworten

    Kern der Sache ist: Schon jetzt ist das Schulsystem einigermaßen überfordert. Und die Ursache ist: Es wird zu wenig Geld in die Bildung der Kinder gegeben. Die Klassengröße muss reduziert werden, so dass die Lehrer insgesamt individueller mit den Schülerinnen und Schülern umgehen können – dann ist Inklusion auch kein Problem mehr.

  2. Pauker12. August 2012 at 13:33Antworten

    Liebes Rollingplanet-Team, setzt bitte die rosarote Brille ab! Einem plan- und hoffnungslosen, ausschließlich am Lehrplan und an seinen amtlichen Vorgaben orientierten Lehrer ( und davon gibt es leider noch viel zu viele !) werdet ihr nichts abgucken können! Fakt ist, dass die meisten sicherlich nix dagegen hätten, die Inklusion umzusetzen. Dafür müssten aber Mittel und Wege zur Verfügung gestellt werden, ihnen unter die Arme zu greifen. So lange sich Behörden quer stellen, wer zum Beispiel eine Eingliederungshilfe – siehe Gebärdensprachdolmetscher für Melissa -finanzieren soll, die Klassenstärken aufgrund Lehrermangels nicht reduziert werden, Schulen in baulich sowieso schon marodem Zustand über keinerlei Barrierefreiheit verfügen undsoweiter…wird der Wunsch Vater des Gedankens bleiben. Den schwarzen Peter immer den Lehrern zuzuschieben ist nicht fair! Denn die haben auch nur zwei Hände, zwei Augen, zwei Ohren und tun alles, um jedem ihnen anvertrauten Kind nur das Beste zuteil werden zu lassen !

    • Rollingplanet12. August 2012 at 23:39Antworten

      Lieber Pauker,

      wir sehen das nicht mit der rosaroten Brille, aber Sie haben Recht: Unser Kommentar war sicherlich knapp und vielleicht zu oberflächlich – Inklusion ist kein “einfaches” Thema, das sich schnell mal mit “Wir packen es eben mal an” lösen lässt.

      Ganz so euphorisch sehen wir Inklusion ebenfalls nicht, weil wir keine Patentrezepte haben, selbst wenn der Anschein geweckt wurde, weil entstehende Kosten eben nicht ignoriert werden dürfen – allerdings sind wir tatsächlich überzeugt, dass Probleme größer gemacht werden können, als sie sind. Wir kennen Fälle, in denen behinderte Schüler mit einer unglaublich großen Skepsis empfangen wurden – und nur wenige Zeit später mussten viele eingestehen, das ist ja toll, das klappt, davon profitieren auch nichtbehinderte Klassenkameraden. Was uns grundsätzlich ein wenig stört, nicht nur bei vermutlich vielen Lehrern und Eltern: Die reflexartige Haltung, Neuem erst mal vorsichtig und ablehnend zu begegnen.

      Die aufgegriffenen Hinweise des Elternverbands betreffen unseres Erachtens besonders schwierige Herausforderungen, und gerade die müssen gelöst werden. Bei vielen behinderten Schülern ist es aber doch relativ einfach – da braucht man keine Erzieher oder Heil- oder Sozialpädaogen.

      Wir werden das Thema in den nächsten Monaten und vermutlich Jahren aber noch sehr umfassend und intensiv begleiten und, wie auch schon in der Vergangenheit, versuchen, möglichst alle Aspekte dieser Thematik zu beleuchten.

  3. Pauker13. August 2012 at 16:34Antworten

    Liebes Rollingplanet-Team,
    vielen Dank für die ausführliche und ehrliche Antwort. Inklusion ist meiner Ansicht nach durchaus positiv zu sehen und längst überfällig. Der Aufschrei in der Lehrerschaft bezieht sich auch nicht darauf, dass man sich auf ‘Neuland’ begeben soll, sondern eher auf die Tatsache, dass sich der Bildungs- und Erziehungsauftrag in den letzten Jahren (besonders was die Erwartungshaltung von Eltern der Schule gegenüber anbelangt) massiv erweitert hat, während die Möglichkeiten und Mittel – außer bei öffentlichkeitswirksamen Modellversuchen natürlich – gekürzt wurden. Gerade im Grundschulbereich ist die Leistungsschere mittlerweile so weit auseinandergegangen, dass so gut wie jeder von uns das Prinzip der individuellen Differenzierung aus dem Effeff beherrscht. Dennoch erwartet man – zu Recht – von uns, dass jedes Kind den optimalen Lernerfolg erzielt. Das können wir aber reinen Gewissens nur dann erreichen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Ich werde mit Ihnen in den nächsten Monaten und Jahren die Diskussion gespannt verfolgen, während ich mit meinen bescheidenen Mitteln versuchen werde, die Inklusion weiter voran zu treiben.

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