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10 Menschen mit Down-Syndrom, die nicht selektiert wurden

ROLLINGPLANET nennt zehn Persönlichkeiten, die vermutlich nicht lebten, wenn es bereits früher den seit heute erhältlichen Praena-Test auf Trisomie 21 gegeben hätte.

1. Der Bambi-Besitzer aus der WfbM

Rolf (Bobby) Brederlow bei einem Künstlerempfang im Gasteig in München (2004)

Der 51-jährige Schauspieler Rolf Brederlow tritt unter dem Künstlernamen Bobby Brederlow auf. Seine Karriere begann 1999, als er in dem TV-Vierteiler „Liebe und weitere Katastrophen” an der Seite von Senta Berger, Friedrich von Thun und Suzanne von Borsody die Rolle des „Bobby Ackermann“ spielte. In dem autobiografischen Spielfilm „Bobby“ (2001) war seine Filmpartnerin Veronica Ferres. In „Tollpension“ (2006) ist er als „Rolf Weiher“ an der Seite von Uwe Ochsenknecht zu sehen. Er trat in verschiedenen Serien als Gast auf, unter anderem im „Tatort“.

Lebt in München in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Für seine schauspielerischen Leistungen und seine Verdienste für die gesellschaftliche Gleichstellung von Menschen mit Behinderung erhielt er unter anderem den Goldenen Gong, den Bambi-Preis (1999), den nach ihm benannten Lebenshilfe-Medienpreis Bobby (1999), die Goldene Kamera (2002) und das Bundesverdienstkreuz (2004).

2. Die kleine Tänzerin

Die 21-Jährige Laura Brückmann wurde in Laichingen (Baden-Württemberg) geboren und ist als „Kleine Tänzerin“ bekannt. Seit 2003 erhält Laura Unterricht in Jazztanz und Ballett in der Gymnastik- und Ballettschule S. Spieth, Göppingen. In zwei Monaten endet ihre Ausbildung zur Tanzassistentin und Serviceassistentin.



3. Die Rampensau

Der 71-Jährige Helmut Müller gilt als Rampensau und Superstar des integrativen Berliner Ramba-Zamba-Theaters mit Schauspielern, die das Down-Syndrom haben. Nur jeder Zehnte mit Trisomie 21 erreicht das 70. Lebensjahr. Glückliche Umstände retteten Helmut Müller vor dem Euthanasieprogramm der Nazis. 100.000 Behinderte und Psychiatriepatienten wurden damals ermordet.

4. Der freundlichste Wirt der Welt

Tim Harris eröffnete im Juni in Albuquerque im US-Bundesstaat New Mexico sein eigenes Restaurant “Tim’s Place” und beschäftigt 30 Mitarbeiter. Jeden Tag steht der 26-Jährige am Eingang, begrüßt seine Gäste mit Handschlag, lächelt freundlich – und drückt sie einmal fest an sich. “Meine Gäste sollen sich wohl fühlen”, sagte er dem TV-Sender CNN. „Die Welt“ schreibt: „Inzwischen ist der Laden für seine Atmosphäre so berühmt, dass das Restaurant als das vermutlich freundlichste der Welt gilt.”



5. Die sperrige Tigerin

Die Frankfurter Künstlerin Birgit Ziegert hat den Spitznamen „Die sperrige Tigerin“ weg – seit sie über sich sagte, dass sie gefährlich wie ein Tiger sei. Außenstehende irritiert diese Selbsteinschätzung zunächst, weil man sie meist nur freundlich lachend wahrnimmt – ehe man feststellt, dass sie eine Frau mit bissigem Humor ist. Das erfuhr auch eine TV-Reporterin, die nervte. Ziegert, die nicht vorgeführt werden wollte, schlug spöttisch vor: „Ich kann auch Marathon laufen“. Die 46-Jährige malt Bilder, die an Comics und Mangas erinnern, mit Tusche auf Leinwand, als Stickerei oder Textilarbeit („Outsider Art“).

6. Der Englischlehrer

Während alle Welt noch darüber nachdenkt, wie Inklusion funktioniert und man auch Kinder mit Down-Syndrom in die normalen Schule reinkriegt, unterrichtet der 32-Jährige Tobias Wolf, der eben das Down-Syndrom hat, gemeinsam mit einer zur Seite gestellten Fachkraft Grundschüler an der Montessori-Schule Biberkor in Bayern – und das nicht zu einem Werkstatt-für-behinderte-Menschen-(WfbM)-Tarif. Sondern mit einem ganz normalen Stundensatz, wie die Schuldirektorin betont. Was an anderen Bildungseinrichtungen vermutlich einen Aufstand auslösen würde, wird von Wolfs Kollegen und seinen Schülern durchweg akzeptiert und gelobt.

7. Der Aufmüpfige

Marco Hubert galt fast zwei Jahrzehnte lang als „Vorzeigebehinderter“ in Groß-Umstadt in der Nähe von Darmstadt (Hessen) und wurde 2005 vom Deutschen Down-Syndrom-Center mit dem „Goldenen Chromosom“ für besondere Leistungen ausgezeichnet wurde. Wurde im Frühjahr Opfer eines Mobbingskandals.

8. Der Marathon-Mann

Christian Hirsch ist Deutschlands erster Marathon-Läufer mit Down-Syndrom. Der 25-Jährige meisterte 2010 die Strecke von 42,195 Kilometern in München. In der Fachwelt galt dies bis vor einigen Jahren noch als unmöglich, da Menschen, bei denen das 21. Chromosom dreimal statt zweimal vorhanden ist, sich anders ernähren müssen und kaum unter Belastung trainieren können. Vor Hirsch liefen lediglich der Brite Simon Beresford und der Schweizer Simon Federer die Marathon-Distanz.

9. Der Akademiker

Pablo Pineda in dem Film „Me too – Wer will schon normal sein?”

International bekannter Vorzeige-Down-Syndromler, und das zu Recht: Der 1975 in Málaga geborene Pablo Pineda ist Lehrer (Pädagogische Psychologie), Schauspieler und der erste Europa mit Trisomie 21, der einen Universitätsabschluss hat . Der Spanier lernte schon mit vier Jahren Lesen und erfuhr erst mit sieben Jahren durch seinen Lehrer, dass er das Down-Syndrom hatte. Einem breiteren Publikum wurde Pineda bekannt durch den Film „Me too – Wer will schon normal sein?“, in dem er die Hauptrolle des Daniel spielte. Für seine schauspielerische Leistung wurde er beim Filmfestival von San Sebastian 2009 als bester Schauspieler mit der Silbernen Muschel ausgezeichnet.

10. Das gewollte Kind

Elias gehört eigentlich nicht auf diese Liste – denn bei ihm war schon vor der Geburt bekannt, dass er behindert zur Welt kommen würde. Elias wurde 1997 mit Down-Syndrom geboren. Seine Eltern erzählen: „Schon vor seiner Geburt wussten wir aufgrund eines Tripel-Test, einer speziellen Blutuntersuchung, dass er vielleicht ein Down-Syndrom haben würde. Weitere invasive Diagnostik haben wir abgelehnt, weil wir Elias auf jeden Fall auch mit einer Behinderung haben wollten und z.B. eine Amniozentese immer auch ein Risiko für die Schwangerschaft bedeutet. Trotzdem haben wir schon Angst gehabt, und die Zeit nach dem auffälligen Tripel-Test war wohl die schwierigste Zeit in der Auseinandersetzung mit dem Down-Syndrom. Oft denke ich jetzt, hätte ich Elias schon gekannt, hätte ich mich nicht so fürchten müssen. Insofern möchten wir mit dieser Seite auch allen Mut machen, die schon in der Schwangerschaft mit der Diagnose ,Down-Syndrom‘ konfrontiert werden!“ Webseite Elias

Redaktioneller Hinweis

Unsere Liste ist spekulativ. Einige der hier von ROLLINGPLANET genannten Menschen würden doch leben (wie Beispiel Nr. 10 zeigt): Weil ihre Eltern eine Abtreibung abgelehnt hätten. Früher wurden Menschen mit Down-Syndrom aufgrund schlechter medizinischer Versorgung oft nicht älter als zehn Jahre, heute erreichen sie durchschnittlich ein Alter von 60 Jahren. Weltweit leben ungefähr fünf Millionen Menschen mit Down-Syndrom. Die Häufigkeit des Auftretens ist dabei mit etwa einer auf 800 bis 1000 Geburten überall gleich. In Deutschland werden jährlich (noch) zirka 1.200 Kinder mit Trisomie 21 geboren.

Foto Rolf Brederlow: Wikipedia/Harald Bischoff. Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported lizenziert.


Themenschwerpunkt Down-Syndrom


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1 Kommentar

  1. Heidi17. Oktober 2013 at 18:23Antworten

    Berichte die ihren Fokus bei Menschen mit Behinderung auf dessen Lebensqualität und Leistungsfähigkeit haben, sind genau richtig. Ein Mensch mit Down Syndrom lebt anders, er ist vielleicht etwas langsamer, aber nicht zwangläufig schlechter und schon gar nicht unglücklicher als ein Mensch ohne Behinderung. Gibt man diesen Menschen die Chance am gesellschaftlichen und/oder beruflichen Leben teil zu haben, sind sie eine Bereicherung für alle. Ich denke, die Angst so vieler Menschen vor der Inklusion von Menschen mit Down Syndrom oder Menschen mit anderen Behinderungen hat damit zu tun, daß man im Alltag bisher nie Rücksicht auf irgend welche Behinderungen nehmen mußte und eigentlich keiner so richtig weiß, wie es ist mit einer Behinderung zu leben. Vorurteile gibt es dafür um so mehr. Das kann man aber ändern. Einen tollen Einblick in das Leben von Menschen mit Behinderung, die sich nicht haben ausgrenzen lassen, gewährt der jüngst auf der RehaCare gezeigte Film “GOLD”. Ich finde man sollte so einen Film auch über Menschen mit Down Syndrom machen.

    http://www.gold-derfilm.de/

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