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FEM fatale: So lässt sich die Fixierung Ihrer Eltern im Pflegeheim vermeiden

Ein Tisch am Rollstuhl oder ein Bettgitter sollen Senioren im Pflegeheim vor Stürzen schützen. Wirkungsvoll sind sie aber oft nicht. Angehörige müssen die Heimleitung deshalb auf Alternativen ansprechen.

40 Prozent der Heimbewohner wurden innerhalb eines Jahres mindestens einmal Opfer einer “Freiheitsentziehenden Maßnahme” (FEM)

Mit dem Alter steigt das Risiko zu stürzen. Zur Vorbeugung werden Senioren deshalb in vielen Pflegeheimen fixiert – und damit an der Bewegung gehindert. Zur Fixierung werden am häufigsten Bettgitter, seltener Gurte und feste Stecktische am Stuhl oder Rollstuhl eingesetzt. „In vielen Fällen kann eine Fixierung vermieden werden“, sagte Gabriele Meyer, Pflegewissenschaftlerin an der Universität Witten/Herdecke, der Nachrichtenagentur dpa. Für Angehörige klinge sie aber zunächst oft wie eine plausible Lösung. (ROLLINGPLANET berichtete: Man muss es nur wollen und schulen: Deutlich weniger Fixierungen in Heimen möglich)

Freiheitsentziehende Maßnahmen oder kurz: FEM

Eine Fixierung muss richterlich genehmigt werden. Den Antrag stellen in der Regel die Angehörigen oder Vorsorgebevollmächtigen. „Angehörige denken, dass sie so Stürze abwenden können und ihre Eltern sicherer sind“, sagt Meyer. Dieser Eindruck entstehe häufig im Gespräch mit den Pflegern. Dabei sei das Gegenteil der Fall: Oft führten die sogenannten freiheitsentziehenden Maßnahmen (FEM) sogar zu mehr Verletzungen und Stürzen: „Etwa, weil Ältere nachts versuchen über das Bettgitter zu klettern, sich dabei mit Armen oder Beinen verkeilen oder über den Rand stürzen.“

Auch die Psyche leide unter der Fixierung, warnt Gabriele Meyer. Viele Pflegebedürftige seien aggressiver oder zeigten mehr Unruhe und Bewegungsdrang als vorher – wen wundert es.

Den Angehörigen seien diese Auswirkungen meist nicht bewusst. Bei der Auswahl eines Pflegeheims sollten sie das Reizthema Fixierung deshalb in jedem Fall ansprechen, rät Meyer: „Fragen Sie gezielt nach: ,Wie oft gibt es Spaziergänge im Freien? Wie oft wenden Sie Bettgitter und Gurt an?’“.

“Kommt bei uns so gut wie nie vor“

Prof. Gabriele Meyer (Foto: Uni Witten)

Antwortet die Heimleitung auf die zweite Frage: „Das kommt bei uns so gut wie nie vor“, sei das ein Warnsignal. Denn meist stimme die Antwort nicht. Ein gutes Zeichen sei, wenn die Pflegedienstleitung aufschlüssele, warum und in welchen Situationen sie darauf zurückgreife und welche Alternativen denkbar wären.

Einer Studie zufolge unter 2400 Heimbewohnern in 30 Einrichtungen waren an einem bestimmten Stichtag 26 Prozent fixiert. Nach Ablauf von zwölf Monaten hatten sogar 40 Prozent der Bewohner mindestens einmal eine FEM erhalten.

Angehörige sollten im Gespräch mit den Pflegern versuchen, nach Alternativen zu suchen. „Ein herabgesenktes Bett oder eine davorgelegte Matratze können Stürze verhindern oder abmildern.“

Vermeintlich simple Dinge sind wichtig

Sinnvoll bei ausgeprägter Unruhe und ständigem Aufstehen seien simple Dinge: „Jeden Tag im Garten spazieren gehen, jederzeit das Haupthaus verlassen können.“ Das Pflegepersonal habe aber oft nicht genügend Zeit, die Bewohner dabei zu beaufsichtigen. Angehörige fragen deshalb am besten nach, ob sich das Heim für diese Dinge Freiwillige oder Ehrenamtliche ins Haus holt.

(Julia Kirchner/dpa)

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