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„Obelix“: Der Fußgänger-Roboter ist da

Er erledigt den Einkauf oder übernimmt Botengänge, ist eigenständig auf Tour und bewegt sich wie ein Fußgänger (oder doch eher wie ein Rollstuhlfahrer?): Forscher haben mit „Obelix“ eine Menschmaschine für die Innenstadt entwickelt. Ist er als Bufdi geeignet? Von Jürgen Ruf

“Obelix” heute bei seiner Premiere in Freiburg, als er am Rektorat der Universität Freiburg vorbei läuft (Foto: dpa)

Roboter „Obelix“ macht seinen Weg: Er sucht sich eigenständig die passende Route, erkundet Innenstädte und schreckt vor Menschenmassen nicht zurück. Hindernisse erkennt und umsteuert er. Sich sagen lassen muss sich „Obelix“ dabei nichts. Der mannshohe und 100 Kilogramm schwere Roboter auf vier Rädern ist auf seinen Spazierfahrten völlig selbstständig. Er bewegt sich fast wie ein Fußgänger. Eine Weltneuheit, sagen die Entwickler.

Universitäten aus Deutschland, Großbritannien, Belgien und der Schweiz haben sich zusammengetan, um die Idee zu verwirklichen. Mehr als sechs Millionen Euro wurden in den vergangenen drei Jahren investiert. Die Federführung lag bei der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, beteiligt war auch die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule in Aachen. Den Praxistest hat der Roboter bestanden, auch bei seinem ersten öffentlichen Auftritt am Dienstag in Freiburg.

An Obelix wurde drei Jahre lang getüftelt

„Obelix“ fährt voran. Er rollt durch die Innenstadt, für die vier Kilometer lange Strecke braucht er eineinhalb Stunden. Die Vision: Roboter wie „Obelix“ können Menschen einen Fußmarsch ersparen. Sie machen sich alleine auf den Weg, können Botengänge oder Einkäufe erledigen, als Stadtführer eingesetzt werden oder als helfende Hand für ältere Menschen oder Rollstuhlfahrer dienen. Oder einen Kinderwagen schieben.

Die Informatikstudenten Bastian Steder, Rainer Kümmerle und Michael Rühmke sind da für den Fall, dass etwas schiefläuft. Doch sie bleiben Beobachter, aktiv werden müssen sie nicht. „Obelix“ erfüllt seine Aufgabe ohne Probleme. Die drei Studenten haben mit Professoren und anderen Studierenden „Obelix“ entwickelt. Seit drei Jahren tüfteln sie daran, am Dienstag haben sie die Arbeiten beendet.

Laser-Senoren geben den Weg vor

Obelix in der Freiburger Innenstadt (Foto: dpa)

„Obelix ist in der Lage, sich vom Startpunkt bis zum vorgegebenen Ziel autonom einen Weg zu suchen“, sagt Steder. Der durch Laser-Sensoren gesteuerte Roboter merkt sich bei seinen Ausflügen die Wege. Mit den dabei gesammelten Informationen stellt er sich bei späteren Touren ohne fremde Hilfe die passende Route zusammen. Er scannt mehrmals pro Sekunde dreidimensional die Umgebung ab. Ist etwas im Weg, weicht er aus.

Theoretisch könnte er auch in ein Geschäft fahren und Einkäufe erledigen. Also eigentlich der ideale Bufdi für behinderte oder alte Menschen. Doch marktreif ist „Obelix“ noch nicht. „Das größte Problem sind die hohen Produktionskosten“, sagt der Projektleiter und Informatikprofessors Wolfram Burgard. Für den Bau eines Roboters wie „Obelix“ müssten derzeit rund 125.000 Euro investiert werden. Zu viel, um die Technik auch im Alltag ankommen zu lassen.

Ampeln und Stufen packt Obelix noch nicht

Hinzu kommen rechtliche Fragen. Wer haftet, wenn der Roboter in einen Unfall verwickelt ist? Wie kann er vor Diebstahl geschützt werden? Hinzu kommt: Noch ist „Obelix“ manchmal „Obenix“ und nicht in der Lage, rote Ampeln zu erkennen. „Ampeln sind der einzige Bereich, an dem wir noch eingreifen müssen“, sagt Student Steder. Auch Treppen, die höher sind als drei Zentimeter, kann der Roboter nicht überwinden. Auch „Obelix“ würde sich also über Barrierefreiheit freuen – und wäre in derzeitiger Verfassung für Rollstuhlfahrer nur eine geringe Hilfe: Nicht die Treppen hochkommen können wir bekanntlich selbst.

„Es lässt sich nicht absehen, ob und wann unsere Entwicklung Alltag sein wird“, sagt Professor Burgard. „Unsere Erkenntnisse werden aber auf jeden Fall in weitere Entwicklungen fließen.“

Mariusz Baldoygen, Projektleiter der EU-Kommission, sieht dies ähnlich. „Die Robotik ist das größte zivile Forschungsprojekt weltweit“, sagt er. Derzeit unterstütze die Europäische Union (EU) 120 Projekte mit insgesamt 500 Millionen Euro. Die Freiburger Wissenschaft spielte dabei eine Schlüsselrolle.

„Obelix“ macht sich darüber keine Gedanken, er muss nach seinen Spaziergängen Kraft tanken: Nach spätestens acht Stunden geht ihm die Puste aus. Den Weg zur Steckdose, um die Batterien neu aufzuladen, findet er auch ohne fremde Hilfe.

(dpa)

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