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Manuela Schmermund: Mit Yin und Yang nach London

Hessische Paralympics-Teilnehmer freuen sich auf die weltoffenen Briten. Aber werden sie in ihren Zimmern einen Kühlschrank haben? Von Artur Lebedew

Manuela Schmermund (Foto: privat/manuela-schmermund.de)

In wenigen Tagen fährt Manuela Schmermund (Auf zur Nashorn-Jagd nach Thüringen: Fahren, wo noch kein Rollstuhl war) mit der deutschen Delegation in das Londoner Olympiastadion ein. Knapp 80.000 Zuschauer werden ihr vor Ort zujubeln, Millionen Menschen jeden Moment am Fernseher verfolgen, doch die 40-jährige Frankfurterin bleibt auch angesichts des anstehenden Großereignisses, den 14. Paralympics, ruhig und ausgeglichen – so wie das Yin-Yang-Symbol auf ihrer Visitenkarte es suggeriert.

“Es macht Spaß, wenn mehr als zwei Leute den eigenen Erfolg mitbekommen”, sagt Schmermund mit ihrer tiefen Stimme und freut sich über das Interesse der Menschen für ihren Sport. Seit 1998 betreibt sie Sportschießen, war Weltmeisterin, Europameisterin, Goldmedaillen-Gewinnerin in Athen. Aber die mediale Euphorie ist auch für sie neu. “Das Interesse für Behindertensport steigt von Jahr zu Jahr. Besonders alle zwei Jahre zu den Paralympics, die sind heute eine Großveranstaltung”, sagt die Rollstuhlfahrerin und verweist auf die geplante, etwa 37 Stunden umfassende Berichterstattung von ARD und ZDF.

Viele hessische Teilnehmer gehören zur Weltspitze

Bei den Spielen in London vom 29. August bis zum 9. September sind von den 150 deutschen Athleten 18 Sportler aus Hessen dabei. Zwölf von ihnen spielen in den Basketballmannschaften der Männer und Frauen. Schmermund und zwei weitere schießen, einer rudert im Handicap-Einer, einer schwimmt und einer spielt Tischtennis.

“Wenn Hessen keine Medaillen holt, wäre es mehr als eine Überraschung”, betont Thomas Prokein, Sportreferent des Hessischen Behindertensportverbandes (HBRS) in Fulda. Viele hessische Sportler aus der Mannschaft gehörten zur Weltspitze und “kennen das Gefühl des Siegs und den Moment, wenn die Nationalhymne erklingt”.

Der 37-jährige Prokein ist selbst Cheftrainer der Goalball-Nationalmannschaft der Damen, einer Ballsportart für Blinde. Während der Paralympics in Athen und Peking stand er noch an der Seitenlinie und gab Anweisungen. Für London hat sich seine Mannschaft nicht qualifiziert. Dennoch glaubt Prokein, dass die kommenden Spiele sich durch die Begeisterung der Menschen auf der Insel von vorherigen unterscheiden werden. “In Athen war viel Durcheinander, in Peking alles perfekt durchorganisiert”, sagt er. “London wird lebendiger, frischer.” Davon habe man sich bereits bei den vorherigen Olympischen Spielen überzeugen können.

Vorfreude auch auf das Olympische Dorf

Für den Basketballspieler Jan Haller werden die Paralympics in London die ersten sein. Am Wochenende trat der 23-jährige Flügelspieler des Wetzlarer Clubs RSV Lahn-Dill noch in Holland in einem Vier-Länder-Turnier an. Im Finale setzten er und seine Mannschaftskameraden sich gekonnt mit 70 zu 54 gegen Kanada durch, einen der Mitfavoriten für den Paralympics-Sieg in London. Am Freitag nun fliegt er von Frankfurt in die britische Hauptstadt.

Haller ist davon überzeugt, dass die Briten die ausgelassene Stimmung der Olympischen Spiele auf die Paralympics übertragen werden. “Die Engländer gelten auch beim Behindertensport als sehr offen”, sagt er. Viel Zeit zum Bummeln bleibe aber nicht. “Einen Tag nach der Eröffnungsfeier spielen wir vor 16.000 Zuschauern gegen den Gastgeber”, sagt er. Die Vorfreude ist ihm anzuhören, während er spricht, springt seine Stimme. “Wir wollen am Ende sportlich was erreichen, und nicht als die Versager dastehen”, betont Haller. Er freue sich auf die kleinen Begegnungen mit den anderen Athleten beim Frühstück oder Abendessen im Olympischen Dorf.

Manuela Schmermund freut sich auch auf das Zusammentreffen mit ihren internationalen Konkurrenten. “Hoffentlich lassen uns die Organisatoren diesmal den Kühlschrank”, sagt sie. Denn in Athen und Peking seien die Wohnungen der Teilnehmer nach den Olympischen Spielen für die Athleten mit Behinderung “sortiert” worden. “So ganz gleichwertig werden wir eben doch noch nicht behandelt.”

(dapd)


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