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Alles wird gut: Die Kunst sich die Schuhe zu binden und Behinderte auf die Bühne zu bringen

Und schon wieder ein Kinofilm über uns: Dieses Mal geht es um eine besondere Theatergruppe – inklusive handfester Kritik an Werkstätten für behinderte Menschen. Von Silke Baum

“Die Kunst sich die Schuhe zu binden”: Mit Schauspielern des Glada Hudik-Theaters (Foto: mfa-Film)

Wir sind Trend, juhu. Am Anfang war „Ziemlich beste Freunde“. Im Sommer folgte „Hasta La Vista – Pflück das Leben“. In einem Monat (20. September 2012) wird „Die Kunst sich die Schuhe zu binden“ anlaufen. Voraussichtlich am 1. November kommt Niko von Glasows erstes Theaterstück „Alles wird gut“ bundesweit als Film in die Kinos. Regisseur von Glasow („Nobody’s perfect“) bringt behinderte Darsteller auf die Bühne – Rollstuhlfahrer, Blinde, Menschen mit Conterganschäden. Dabei durchlaufen elf von ihnen eine Castingshow. Am 3. Januar 2013 schließlich setzt das Mann-mit-eiserner-Lunge-will-Sex-Drama „The Sessions“ (unter anderem mit Helen Hunt) auf das post-weihnachtliche Mitmenschelgefühl der Zuschauer. Bis auf „Alles wird gut“ haben alle genannten Filme eines gemeinsam: Sie berufen sich auf eine wahre Begebenheit.

So auch „Die Kunst, sich die Schuhe zu binden“, eine schwedische Komödie (Regie: Lena Koppel). Wie in „Ziemlich beste Freunde“ verdankt eine der Hauptfiguren dem Arbeitsamt seine Wirkungsstätte: Ausgerecht der sympathische Hallodri und vorübergehend gescheiterte Schauspieler Alex (Sverrir Gudnason) wird Hilfskraft in einer Behindertenwerkstatt.

Ein bisschen wie einer flog übers Kuckucksnest

Filmplakat

Alex entwickelt einen Blick wie einer, der übers Kuckucksnest fliegt: Was ist denn hier, bitteschön, normal und nicht normal? Ist es normal, dass Behinderte seit Jahren mit dumpfer Arbeit ruhig gestellt werden?

Dass sie vergebens versuchen, Schuhe mit einer Schleife zu versehen? Warum, fragt sich der zuvor recht überhebliche Alex, ihnen nicht stattdessen Schuhe mit Klettverschluss geben?

Nachdem es Alex missglückt, die Behinderten bei „Schweden sucht den Superstark“ groß herauszubringen, will er ihnen trotzdem eine große Bühne ermöglichen: Er baut eine Theatergruppe auf.

Und siehe da: Unter der Anleitung des zum sozialen Menschen gewandelten Alex zeigen nun sechs Behinderte, denen man vorher nicht viel zugetraut hat, was sie drauf haben…

Grundlage des Films sind die Erlebnisse von Pär Johansson, der auch am Drehbuch mitschrieb. Mitte der 90er Jahre gründete Johansson das oft gerühmte Glada Hudik-Theater (Webseite) mit behinderten Menschen.

Oder doch lieber gleich von Glasows Film anschauen?

Der Film wird nicht nur Beifall bekommen. So kommentiert User Tim Slagman auf Filmstarts: „So sehr die Zuschauer sich auch um Unvoreingenommenheit bemühen mögen: Behinderung und Bühne, das bleibt eine heikle Verbindung. Und zwar nicht nur deshalb, weil die normgeprägten Sinne sich bei allem guten Willen immer noch schwer mit jeder Abweichung tun. Sondern auch, weil selbst die am besten gemeinten Projekte, in denen Menschen mit Behinderung nach dem Motto ,Schaut her, sie können’s ja auch‘ auftreten, oftmals den unangenehmen Beigeschmack der Zurschaustellung haben. In seiner starken Dokumentation ,Alles wird gut‘ hatte Niko von Glasow die klassischen Mechanismen der Repräsentation von Behinderung und scheinbarer Normalität auf der Bühne und im Film klug hinterfragt. Wie bei von Glasow geht es auch in Lena Koppels schwedischem Spielfilm ,Die Kunst sich die Schuhe zu binden‘ wenigstens am Rande um eine Casting-Show. Allerdings gerät die Komödie mit ernsten Untertönen allzu schematisch und bemüht.“

Die Kunst sich die Schuhe zu binden (Darsteller): Sverrir Gudnason, Bosse Östlin, David Gustafsson, Elinore Holmer, Maja Karlsson

Trailer

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