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Rehahilfsmittel

Barrierefrei, luxuriös, individuell: Hymer und Paravan stellen gemeinsames Reisemobil vor

Ab Samstag (25.8.) trifft sich die Reisemobilbranche auf dem Caravan Salon 2012 in Düsseldorf. Auch für Menschen mit Behinderung gibt es ein Angebot. Da kriegt man Tränen in den Augen: Entweder weil man den neuen Paravano unbedingt haben will, nicht genug Kleingeld hat – oder weil beides zutrifft.

Der neue Paravano kommt (Foto: Hymer)

Ralf Blaurock, 49, ist rechtsseitig gelähmt und sprachbehindert. Wenn der Rentner mit seiner Frau in Urlaub fährt, gibt es für ihn nur eine Wahl: sein Reisemobil. „Schon in der Reha hatte ich mich damit beschäftigt, ob ich jemals wieder Reisemobil fahren kann und darf – obwohl ich da noch gar nicht wieder laufen und sprechen konnte“, erzählt Blaurock. Er kaufte sich ein serienmäßiges Reisemobil mit Automatik, das er auf eigene Kosten umbauen ließ. „Behinderten-Sanitäranlagen waren auf jeden Campingplatz, den wir angefahren haben, vorhanden. Auf den Campingplätzen ist es meistens behindertengerechter als im Hotel oder zu Hause und im Reisemobil hat man alles dabei, was man braucht,“ hält der Thüringer ein Plädoyer für das Reisen im Wohnmobil.

Ob behindert oder nicht – Reisemobilisten sind ein eigenes „Volk“, dem es für den perfekten Urlaub an nichts fehlen darf: Bett, Bad und Küche sind Standard in den rollenden Ferienwohnungen. Und wer tiefer in die Tasche greift, bekommt zum Beispiel eine Fußbodenheizung dazu. Bei ihren Fahrzeugneuheiten legen die Hersteller wieder viel Wert auf Funktionalität, beschäftigen sich aber zunehmend mit Designfragen: Hochwertige Möbeloberflächen und Polsterbezüge liegen im Trend.

„Was wir feststellen, sind beispielsweise verstärkt glänzende Fronten“, sagt Dominic Vierneisel, Chefredakteur der Zeitschrift „promobil“. „Insgesamt gibt es zudem deutlich mehr Auswahl bei den Möbeldekoren.“ Davon können sich Besucher auf dem Caravan Salon 2012 in Düsseldorf (Publikumstage: 25. August bis 2. September) selbst ein Bild machen. Nach Angaben der Messe Düsseldorf werden dort unter anderem 120 Reisemobil- und Wohnwagenmarken vertreten sein.

Hersteller setzen auf Design

Mit mehr Design innen wie außen will etwa der Hersteller Hobby bei Kunden punkten. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen eine futuristische Interpretation seines Modellklassikers 600 als Fahrzeugstudie mit gewölbten Seitenwänden und dunklen Scheiben vorgestellt. Auf diesem Designexperiment basiert das neue Modell Premium in den Varianten Van und Drive. Auch Niesmann + Bischoff setzt beim Arto (ab 77 990 Euro) auf besondere optische Akzente, zum Beispiel bei Polstern und Kissen. Noch exklusiver ist der Flair, für diesen Luxusliner werden aber auch mindestens 130.990 Euro fällig.

Bei den Innenraumkonzepten geht der Trend „insgesamt zu noch mehr Kompaktheit“, stellt Vierneisel fest. „Was zudem immer beliebter wird, sind Queensbetten anstelle von Einzelschlafplätzen.“ Diese hätten den Vorteil, dass sie von drei Seiten zugänglich seien.

Wohnmobile sind beliebter den je: „2011 wurden mit rund 23.500 Reisemobilen so viele wie noch nie zugelassen“, sagt Katharina Bahn vom Caravaning Industrie Verband (CIVD). Europaweit führe Deutschland die Zulassungsstatistik der Reisemobile an. Wohnwagen sind weniger begehrt: 2011 wurden hierzulande rund 17.300 Caravans neu zugelassen.

Trends: Teilintegrierte Mobile und ausgebaute Kastenwagen

Besonders gefragt sind teilintegrierte Reisemobile. Im Vergleich zu klassischen Alkoven-Modellen mit Schlafplatz über dem Führerhaus sind sie deutlich schlanker und windschnittiger. Bürstner bietet in der kompakten Van-Klasse mit dem Brevio ein besonders schmales Modell mit einer Fahrzeugbreite von nur 2,10 Metern an. Weitere Vertreter dieser Klasse sind der Globebus T von Dethleffs und der Knaus Van TI. Trotz der geringen Abmessungen und nur rund sechs Metern Länge gehören zwei vollwertige Schlafplätze zum Standard.

Stark im Kommen sind laut Vierneisel ausgebaute Kastenwagen, bei denen die Karosserie des Basisfahrzeugs weitgehend erhalten bleibt. Dadurch sind vergleichsweise niedrige Einstiegspreise möglich. „Die Basis dieser Klasse sind immer der Fiat Ducato oder der baugleiche Citroën Jumper.“ Die Firma Pössl hat zum Beispiel das Modell 2Win ab gut 35.000 Euro im Programm.

Eine steigende Nachfrage gebe es auch nach preisgünstigen Einsteigermodellen bei den teilintegrierten Fahrzeugen, mit denen die Hersteller vor allem jüngere Kundenkreise erschließen wollen, sagt Vierneisel. Marken wie Carado und Sunlight bieten Reisemobile schon ab rund 36.000 Euro an. In der Regel kosten Teilintegrierte um die 45.000 Euro aufwärts – ausgegeben werden einer Umfrage von „promobil“ zufolge im Schnitt zwischen 55.000 und 60.000 Euro. Die Mehrzahl der Kunden sind Paare im Alter von 50 plus, die sich mit dem Kauf eines Reisemobils oft einen Lebenstraum erfüllen, so Vierneisel.

Wie dieser Traum aussehen kann, wenn es nach oben kaum Grenzen gibt, zeigen auf dem Caravan Salon Hersteller wie Vario mit dem Luxusmodell Perfect 1200 Platinum, in den sogar eine Garage für einen Mini integriert ist. Drei ausfahrbare Erker, Nussbaumholz und Leder, Sternenhimmel-Beleuchtung und eine Fußbodenheizung sollen unter anderem für Wohlbefinden sorgen. Der Preis für den rund zwölf Meter langen und 309 kW/420 PS starken Dreiachser: rund 1,1 Millionen Euro.

Ein Reisetraum: Der neue Paravano

Mögliche Innenausstattung (Leder) des Paravano (Foto: Hymer)

Mit dem behindertengerechten Reisemobil Paravano will Hymer auf der Messe das barrierefreie Reisen voranbringen. Auf Basis der Hymer B-Klasse sollen die individuell gefertigten Autos, die in Kooperation mit Paravan entstehen, Reisenden mit Rollstuhl neue Möglichkeiten der Mobilität bieten.

Reisemobil mit Hebebühne (Foto: Paravan)

“Es gab zwar immer wieder punktuell gute Ansätze für behindertengerechte Mobile, mit dieser einzigartigen und rumdum überlegten Innovation werden wir aber die Ersten in der Branche sein, darauf sind wir stolz”, so Roland Arnold, Geschäftsführer Paravan.

„Zu einer starken Partnerschaft gehören immer zwei. Mit Hymer haben wir nicht nur hinsichtlich führender Produkttechnologie und Unternehmensphilosophie einen passenden Kooperationspartner gefunden, auch die zwischenmenschliche Chemie stimmt”, so Arnold weiter.

„Unser Ansatz ist insofern neu, als der Kunde von Beginn an entscheidet, welche Details verändert werden sollen“, sagt Markus Horn von Hymer. Diese könnten von einer Hebebühne über verbreiterte Gänge bis zu Verankerungen für einen Rollstuhl reichen.

Auf alle Fälle sollte der Kunde gut betucht sein: Der Preis des Basisfahrzeugs kostet 76.990 Euro, dazu kommen die Umbauten für zirka 75.000 Euro.

Der Caravan Salon 2012 findet vom 25. August bis 2. September auf dem Messegelände in Düsseldorf statt. Eine Tageskarte kostet 13 Euro, ein Ticket für zwei Tage 20 Euro. Ermäßigte Tageskarten gibt es für 9 Euro, Kinder zwischen 6 und 12 Jahren bezahlen 5 Euro. Geöffnet ist der Caravan Salon täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr.

(Claudius Lüder/dpa/tmn/RP)

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