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Heiter bis wolkig: 7 x Wie geht das Sterben?

Irgendwann erwischt es halt jeden von uns, selbst wenn man täglich ROLLINGPLANET liest. Ehrlich, direkt und oft auch überraschend komisch – so erzählen neue Kinofilme und Romane vom Sterben.

Kinofilm “Heiter bis wolkig” (Foto: Constantin Film Verleih)

Der Tod steht am Anfang oder Ende vieler Kinofilme und Romane – als heroischer Akt, als Erlösung oder Katharsis. Seltener wird vom Prozess des Sterbens erzählt. Zu intim, zu langwierig, zu traurig? Eine ganze Reihe neuer Filme und Bücher beweist, dass die Aufklärung über das schwierige Thema Sterben nicht nur wichtig ist, sondern auch mit Humor und Selbstironie bewältigt werden kann.

„Wir neigen immer dazu, die Abgründe zu verdrängen. Im Kino werden sie gerne dazu benutzt, um andere Geschichten zu erzählen“, sagt Filmregisseur Andreas Dresen, der mit seinem preisgekrönten Krebsdrama „Halt auf freier Strecke» einer der ersten war, der das breite Publikum mit Details des Sterbens konfrontierte. „Der Tod ist dramaturgisches Vehikel für die letzte Reise ans Meer oder „noch mal eine Liebe erleben“ oder was auch immer. Der Tod als Hauptsujet und ohne irgendwelche Deckmäntelchen dramaturgischer Art kommt eher selten vor“, so der Regisseur.

Hier 7 Kulturtipps:

1. “Heiter bis wolkig“

Dass sie sterben wird, weiß Edda (Jessica Schwarz) in Marco Petrys Tragikomödie „Heiter bis wolkig“ (Kinostart 6.9.) ganz genau. Sie hat Lymphdrüsenkrebs im Endstadium. Mit verzweifelter Wut und schmerzlichem Zynismus kämpft sie gegen ihre aussichtslose Situation an. Mit ihrer jüngeren, sie pflegenden Schwester Marie (Anna Fischer) springt Edda nicht gerade zimperlich um.

Dann lernt Marie den Großküchenkoch Tim (Max Riemelt) kennen. Der hat eine perfide Masche, Frauen ins Bett zu bekommen. Er gibt sich als Krebskranker aus, der nur noch einen Wunsch hat: mit einer schönen Frau zu schlafen. Als Edda den Filou Tim kennenlernt, durchschaut sie dessen Spiel sofort. Doch sie schweigt gegenüber Marie und nötigt Tim, ihr wiederum ein paar letzte Wünsche zu erfüllen. Ein Film, der recht gekonnt auf dem schmalen Grat zwischen respektloser Komödie und zu Herzen gehender Tragödie wandelt.



2. “Das Schicksal ist ein mieser Verräter“

„Depressionen sind eine Nebenwirkung des Sterbens“, sagt die 16-jährige Hazel. So wie auch Schmerzen, unendliche Müdigkeit, Angst, Wut und die Abhängigkeit von der Hilfe anderer eine Nebenwirkung des Sterbens sind, wie sie US-Autor John Green in seinem Roman „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ über die an Krebs sterbende Hazel beschreibt. Als sich Hazel in der Selbsthilfegruppe in einen herrlich selbstironischen, beinamputierten Jungen verliebt, will sie dieses Gefühl erst nicht zulassen. Alles in Hazel ist schon auf Abschied vom Leben eingestellt, und sie will Gus Leid ersparen.

Aus der Sicht des sterbenskranken Mädchens erzählt Green („Eine wie Alaska“), wie aus Hazel und Gus doch ein Liebespaar wird. Die Zeit, die ihnen bleibt, ist kurz. Green hat für seine Geschichte eine Sprache gefunden, die tief berührt, ohne je rührselig zu werden. Er lässt Hazel vom Alltag mit Beatmungsmaschine, Medikamenten und verzweifelten Eltern erzählen. Aber auch von jenen frohen und lustigen Momenten, die sie mit Gus verbringen kann. Es lohnt sich, das Leben – so lautet Greens Botschaft.

Das Schicksal ist ein mieser Verräter: Carl Hanser Verlag, München, 288 S., Euro 16,90, ISBN 978-3-446-24009-4. Hörbuch gelesen von Anna Maria Mühe, Silberfisch Audio, Hamburg, 369 Min., Euro 19,99, ISBN 978-3-86742-697-8. Ab 13 Jahren

3. “Wie ich das Überleben überlebte – und Mathe doch noch kapierte“

Ähnlich direkt und ehrlich ging bereits US-Autor Jordan Sonnenblick an das Thema heran. Mit Witz und bissiger Ironie meistern die Viertklässler Jeffrey und Tad in „Wie ich das Überleben überlebte – und Mathe doch noch kapierte“ ihren schwierigen Alltag. Jeffrey hat den Krebs überlebt. Aber damit ist noch lange nichts gut. „Hoffen ist der erste Fehler“, sagt Jeffreys Freund Tad, der ebenfalls Krebs hatte und jetzt im Rollstuhl sitzt. Die Chemotherapie hat bei Jeffrey Spätfolgen. Und dann ist da noch die Angst, dass der Krebs wiederkommt – so wie bei Tad. Sonnenblick lässt die Jungs in schnodderigem Ton vom Schulalltag erzählen. Traurig, tragisch, aber auch saukomisch.

Wie ich das Überleben überlebte – und Mathe doch noch kapierte: Carlsen Verlag, Hamburg, 192 Seiten, 12,90 Euro, ISBN 978-3-551-58245-4. Ab 12 Jahren

5. “Am Ende eines viel zu kurzen Tages“

Thomas Brodie Sangster als Donald im Film „Am Ende eines viel zu kurzen Tages“.

Mit Aggression und Zynismus reagiert der 14-jährige Don (Thomas Brodie-Sangster) im Film „Am Ende eines viel zu kurzen Tages“ (seit 30.8. im Kino) auf seine Krebsdiagnose. Der Ire Ian FitzGibbon hat den Roman „Superhero“ von Anthony McCarten verfilmt – inklusive Comic-Sequenzen, denn Don lebt seine Angst und seine Sehnsucht nach Liebe in brutalen, vor Sex berstenden Comic-Zeichnungen aus. Der Psychologe Dr. King (Andy Serkins) ist es schließlich, der Don aus seiner emotionalen Isolation holt. King nimmt den Jungen ernst, ohne ihn mit lästigem Mitleid zu überschütten. Siehe auch ROLLINGPLANET-Gewinnspiel: Am Ende eines viel zu kurzen Tages

6. “Liebe“

Michael Hanekes „Liebe“ (Kinostart 20.9.), diesjähriger Festivalgewinner von Cannes, ist ein leiser, langsamer und dadurch sehr intensiver Film über das Sterben. Jean-Louis Trintignant und Emmanuelle Riva spielen Georges und Anna, ein seit Jahrzehnten verheiratetes Musikprofessoren-Ehepaar im Ruhestand. Als Anna einen Schlaganfall erleidet und sie merkt, wie sie körperlich und geistig verfällt, äußert sie den Wunsch, so nicht weiterleben zu wollen. Doch Georges ist entschlossen, seine geliebte Frau bis zu ihrem Tod zuhause in der Pariser Wohnung zu pflegen – aus Liebe.


7. “Gegen die Angst”

Der 17-jährigen, an Blutkrebs erkrankten Regine half „Gegen die Angst“ das Schreiben.

Mehr als 100.000 Menschen verfolgten den Blog „Face your fear“ (http://sinober.blogg.no/) bis zum Tod der Norwegerin im Dezember 2009. Das Buch „Gegen die Angst“ basiert auf Regines Blogeinträgen. So schonungslos und ehrlich sind Regines Einträge, dass sie oft nur schwer auszuhalten sind.

Umso bewundernswerter sind ihre Kraft und ihr Mut, sich und ihr Umfeld mit dem nahenden Ende ihres Lebens zu konfrontieren.

Ein trauriges, aber auch tröstliches Buch.

Gegen die Angst: Verlag Friedrich Oetinger, Hamburg, 368 S., 14,95 Euro, ISBN 978-3-7891-4745-6. Für Jugendliche und Erwachsene

(Elke Vogel, dpa)

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