Regional
Hessens verrücktes Waldgesetz: Alle protestieren – nur nicht Rollstuhlfahrer
ROLLINGPLANET fragt sich: Man will auch Behinderten den Wald wegnehmen, aber trotzdem rafft sich keiner von uns zum Widerstand auf. Warum?
Sind in Hessen solche Wege künftig für Rollstuhlfahrer verboten? (Foto: Ich-und-Du/pixelio.de)
Die geplante Neuregelung des Waldgesetzes sorgt weiter für Ärger. Am Samstag kam es gar zu einer berittenen Protestkundgebung vor der Wiesbadener Staatskanzlei. Nach Polizeiangaben trafen sich dort gegen Mittag knapp 20 Reiter plus Fußvolk, um gegen den von Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU) vorgelegten Gesetzentwurf zu protestieren. Die Reiter hatten sich am Morgen am Jagdschloss Platte im Wald oberhalb von Wiesbaden getroffen und waren von dort in die Stadt geritten.
Zu der Protestaktion aufgerufen hatte eine Gruppe namens Taunusreiter. Sie befürchten, dass die in Puttrichs Entwurf vorgesehenen Regelungen dazu führen, dass Reiter Gesetz künftig von bis zu 90 Prozent der bislang noch legal zum Reiten nutzbaren Waldwege vertrieben zu werden.
Die Grünen unterstützten den Protest der Reiter (ROLLINGPLANET berichtete: Grüne fordern Überarbeitung des Entwurfs zum neuen Waldgesetz). Das freie Betretungsrecht des Waldes für die Bürger müsse erhalten bleiben, forderte die forstpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Martina Feldmayer. Mit dem von Puttrich vorgelegten Entwurf würden hingegen nicht nur Reiter, sondern auch Radfahrer und sogar Menschen im Rollstuhl massiv eingeschränkt, warnte sie.
Auch Radfahrer haben schon protestiert
Die Grünen-Politikern räumte ein, das es in manchen Regionen zu Problemen durch die Nutzung des Waldes durch die unterschiedlichen Gruppen kommen könne. Solche Probleme könne man aber „durch eine intelligente Besucherlenkung und mit Angeboten an Reiter und Radfahrer“ schon mit dem derzeit gültigen Waldgesetz lösen, argumentierte Feldmayer.
Mitte August hatten sogar mehrere Hundert Radfahrer in Kassel unter dem Motto „Gegen ein Radfahrverbot in hessischen Wäldern. Für gegenseitige Rücksichtnahme aller Waldnutzer (ohne Gesetzesregelung)!“ demonstriert. Angesichts des vielstimmigen Protests gegen ihren Entwurf hat Ministerin Puttrich deshalb bereits angekündigt, alle Beteiligten an einen Tisch zu holen.
ROLLINGPLANET wundert sich und findet es ein wenig bezeichnend: Nur eine Gruppe Betroffener hat noch nicht Pieps gemacht: Rollstuhlfahrer – die dürfen nämlich, wenn das Gesetz wie im derzeitigen Entwurf wortgetreu umgesetzt würde, auch nicht mehr in die Wälder Hessens. Von einer Protestaktion vierrädriger Naturfreunde haben wir noch nichts vernommen.
(dapd)
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Willi Schroeder2. September 2012 at 17:36
Minderwertigkeitskomplexen der Rollstuhlfahrer … Rollstuhlfahrern und auch andere Behinderten wird immer wieder das Gefühl vermittelt, Menschen 2. Klasse zu sein … Diesen Menschen hat man das “unbequemsein” aberzogen damit es den regierenden leichter fällt ihre Euthanasiepolitik umzusetzen …